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Dieses Thema hat 9 Antworten
und wurde 1.145 mal aufgerufen
 Tipps und Technik
eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 744

01.11.2017 09:42
Mast legen - mal was anderes ausprobiert Zitat · Antworten

Hallo an alle

für uns geht es in ein paar Tagen ins Winterlager. Also mal wieder den Mast gelegt.
Unser Bootchen liegt ja in einem sehr weitläufigen und abwechslungsreichen Binnenrevier (incl. Zugang zur See) so dass wir mit schöner Regelmässigkeit mit dem Spargel rumhantieren müssen (wollen).
Ich sage mal müssen, weil der Mast der Jantar infolge der wirklich gelungenen Bootseinteilung zugunsten einer grossen Plicht, mit eher ungünstigen Hebelverhältnissen daherkommt.
Da wir den Mast praktisch ausschliesslich on board legen und stellen, fallen alle Trix mit Trailer und vom Steg aus am Vorstag ziehen (wie im Handbuch beschrieben)gleich mal aus.

An der On-board-Lösung tüfteln wir schon eine ganze Zeit und haben schon einige Dinge verbessert. Nicht ganz freiwillig, aber konsequent.
Ein erfolgloser Versuch der Selbsteleminierung war der Auslöser, ein System zu finden, das auch bei Nieselregen und Wellenschlag durch vorbeifahrende oder sinnentleert vorbeiheizende Motorbootfahrer einen sicheren und möglichst entspannten Umgang mit dem Mast ermöglichen.

Dazu gehört eine im Mastfuss sicher verankerte Jüt und ein paar mit einem starken Gummistropp vorgeheisste Hilfswanten, die das seitliche Auspendeln des Mastes im Legevorgang zuverlässig verhindern.

Ein bislang ungelöstes Problem war das empfindliche Profil der Rollreffanlage.
Dieses wird ja beim abgelegten Mast unvorteilhaft auf Biegung beansprucht und genau das kann die zarten Alu-Verbinder brechen lassen. Und die sind schwer zu beschaffen. Einzige Abhilfe, den Durchhang des schweren Rollreffprofils zu verhindern besteht darin, die Talje der Jüt auf Spannung zu lassen und schon hat man ein Problem, die hoch aufragende Jüt für niedrige Brücken oder längere Flusspassagen herauszunehmen.

Unser neue Lösung nimmt das Rollreffprofil aus dem Legevorgang ganz heraus.

Als Zugverbindung zum Mast bieten sich nun drei weitere Möglichkeiten an:
Fockfall (im Segelmodus meistens belegt) ersatzweise das Spifall und der Topnant des Spibaumes.

Wir schäkeln wir nun statt des Profils, die Topnante vom Spibaum an die Spitze der Jüt, die einen wesentlich besseren Zugwinkel und daher eine geringere Belastung des Falls mit sich bringt, als das Einbinden des Spifalls oder Fockfalls.

Der Topnant sitzt ja im Bereich der Salinge, also gut im Schwerpunkt des Mastes und wird nach der Verbindung mit der Jüt leicht vorgereckt und belegt.
Die Rollrefftrommel kommt in einen Sack, damit sie an Deck nicht kratzt, das ganze Rollreffprofil ist nicht mehr am Legevorgang beteiligt.
Da es sich schon bei halb gelegtem Mast sanft auf der Saling abstützt, hängt es auch nicht mehr unzulässig weit durch.

Besonders angenehm ist das sehr einfache ausstecken der Jüt.
Da die Last des vorgereckten Rollreffprofils entfällt, entfällt auch die Druckkraft auf die Jüt, die sonst durch die Talje und das straff gehaltene Profil erzeugt wird. Statt dessen daslöst man nun einfach den Topnant und kann die drucklose Jüt rausziehen.

Jantars ohne Rollreffprofil können sich das natürlich sparen, aber auch hier bleiben eine geringere Belastung des Fallmaterials und geringere Schubkräfte im Mastschuh, wenn statt des Spifalls der Topnant zum Mastlegen verwendet wird.
Vorausgesetzt, er ist dafür geeignet und nicht nur eine seit Jahrzehnten unbeachtete Schnur.

Ein paar Jahre hatte ich überlegt, das schwer Rollreffprofil zurückzubauen. Damit wäre das Thema ja erledigt.
Wir fahren auch ab und zu bei Revierregatten mit und es passt nicht ganz zur Regattatechnik. Es steht in Verdacht, die Anströmkante der Fock zu verwirbeln - sehen oder spüren kann ich das nicht. Es ist trotzdem auf reinen Regattabooten nicht zu finden.
Das Profil erschwert leider auch einen schnellen Segelwechsel, besonders wenn man schon im Schitwetter drinsteckt.
Doch genau hier spielt es seinen eigentlichen Vorteil aus.

Es ist einfach unschlagbar bei aufkommendem Schwerwetter, wenn es für einen Segelwechsel längst zu spät ist, wenn der Sturm, in dem man steckt, nochmal eine Schippe drauflegt und ohnehin keiner mehr was auf dem in den Wellen stampfenden Vorschiff der Jantar zu suchen hat, dann hat man mit einem Rollreffprofil noch ein paar Optionen zusätzlich.

Die Nachteile beim Mastlegen sind die Gefährdung des Profils beim Entspannen und Abbauen der Jüt. Beteiligt man das Rollreffpofil nicht mehr am Mastlegevorgang, hat man diese Gefahr im Griff. Ohne Zugspannungen ist auch der Umgang mit der Jüt so unkompliziert, wie mit einem Bootshaken.

VG Eric

Martin Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 12

07.11.2017 07:00
#2 RE: Mast legen - mal was anderes ausprobiert Zitat · Antworten

Haben seit Ende Juli 17 die Jantar BN. 237 und uns beim Mastsetzen und jetzt -legen sehr schwer getan. Der Umsprung von einer Yxilon auf so einen Dampfer ist krasser, als wir dachten. Aber trotzdem toll. Wir haben vor 1990 die Müritz fast jährlich befahren, wollen das ab 2018 wieder tun, haben jedoch mit Mastlegen und -setzen so unsere Probleme. Kannst Du mir evtl ein paar Bilder schicken, Deine Variante scheint interessant für uns zu sein.

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 744

08.11.2017 12:54
#3 RE: Mast legen - mal was anderes ausprobiert Zitat · Antworten

Hallo Martin,

jetzt liegt ja der Kahn schon eingepackt im Winterlager.
Deshalb habe ich mich ja bemüht, das so genau wie möglich zu beschreiben. Hätte sicher 7/8 der Worte weglassen können.

Zusammengefasst:

- Nie wieder ohne Hilfswanten, egal, was die anderen sagen, was die Betriebsanleitung für die Jantar vorschlägt und wie "eilig" man es hat.
Kippt der Mast seitlich weg, hat man gute Chancen, das Deck, den Mast, die Mastspur, sich selbst und andere schwer zu beschädigen.

Nur bei Rollreffanlage mit Aluprofil:

- statt das Vorstag zum Legen an der Jüt anzuschlagen, lieber die Topnante vom Spibaum verwenden.
Das bekommt dem empfindlichen Rollreffprofil besser, auch das Handling mit der Jüt vereinfacht sich deutlich und die Schubkräfte im Mastfuss reduzieren sich ebenfalls. Wer nur ein Drahtvorstag hat, kann sich entspannen, der hat das Problem nicht.



Ich bin übrigens noch nicht am Ende mit der Tüftelei.
Wir sind ja in einem Revier mit etlichen Brücken und ich bin Wandersegler. Wenn ich das mit der Mastlegerei nicht bald besser hinkriege, fängt es an, mich zu nerven. Es gibt natürlich Spezialisten, die segeln auf eine Brücke zu, senken den Mast ab mit Segeln dran, rutschen durch und stellen alles wieder hin. Wirst du ja kennen von der Ixy.
Die erzählen dir dann abends beim Bierchen, dass sie das 5x am Tag machen, aber eigentlich macht es ihre Frau, weil es so superleicht geht.

Davon ist man bei einer Jantar Lichtjahre entfernt.

Segel runter, Grossbaum abbauen, Jüt anbauen (ich will kein Gerödel auf dem Vorschiff spazieren fahren), Hilfswanten anschlagen und vorheissen,
Talje anschäkeln und schoooooon kann es losgehen.

Wo ich hinkommen will ist, die Brückenpassage im Revier zu vereinfachen, sprich schneller zu machen. Im Idealfall so schnell, dass man das Ankermanöver einsparen kann.

Ausserdem tüftel ich an einem Energiespeicher fürs schnelle Mastlegen - und stellen.

Ich lege über eine 1:4 Talje - zuerst ist die erforderliche Zugkraft zu hoch, man muss den Spargel schon ein ganzes Stück aus dem toten Winkel drücken, danach ist der Taljenweg zu lang. Da der Druck der Oberwanten bei einem Fraktionalrigg der Gegenspieler ist, um das Vorstag zu straffen, kommt man nicht umhin, die Oberwanten auch noch zu lockern.

Übrigens bleiben diese Probleme auch bestehen bei den Mastlegevorrichtungen, die die Profis für die Jantar anbieten.

Deshalb zeigen die auch gerne Vorführvideos, bei denen keine Segel dran sind, der Grossbaum schon ab ist und die Jantar mit handwarm angezogenen Wanten schön ruhig an Land steht.

Ja, dann gehts bei mir auch schnell.

Der eigentliche Anwendungsfall ist aber unterwegs auf Wanderfahrt.
Wie du ja selbst sagst - Müritzrevier - wenn man da unterwegs den Mast unten lässt und nur durchmotort, weil es zu lange dauert und zu schwer ist, das Ding wieder hinzustellen und paar Km später zu legen, dann motort man wie alle anderen durch einige der traumhaftesten Binnenseen.
Es ist aber unvergleichlich, wenn alle anderen weg sind, weil sie der nächsten Schleuse entgegenhetzen, so ganz alleine durch die Gegend zu segeln.

Die Jantar ist das erste Boot, bei dem ich das nicht mehr mache und das bedaure ich sehr.
Genau deshalb will ich das ändern, denn ich will, dass das Boot meine Freiheit erweitert und nicht einschränkt. Sonst hätte ich mir ja gleich einen Bleitransporter mit Steckmast kaufen können.

Wenn man mit diesen fest installierten Jütanlagen den Mast im Wandermodus legt, also eben noch gesegelt und bei Wellenschlag auf dem Wasser, dauert es auch lange.
Das einzige, was man einspart ist das Stecken der Jüt, vielleicht noch das Anschäkeln der Talje, aber auch das Herumschleppen von zu viel Geld im Portemonaise.

Etliche polnische Anbieter von sehr seltsamen Wanderbooten ("Raumwunder" mit WC-Kabine und Stehhöhe auf 6m) haben sich der Sache gestellt, mit Erfolg.
Dass ihre Wohndampfer nicht segeln, scheint für deren Käufer eher nebensächlich, aber Mastlegen in voller Fahrt, mit angeschlagenen Segeln, ist kein unlösbares Problem.
Allerdings benötigt man dafür einen hochgesetzten Drehpunkt für den Mast bis über den Lümmelbeschlag und genau das wollte man bei der Jantar nicht.

Ist auch gut so, denn die Jantar hat ja Regattagene und da will man klare Strukturen haben am Mastfuss, üppig Blöcke anschlagen können, mit hohen Kräften und klar angeordnet und man will sie schnell auf dem Trailer haben, ohne zu viel abbauen zu müssen. Das ist gelungen.

Mastlegen im Wandermodus ist dabei leider auf der Strecke geblieben.

Mastlegevorrichtungen zu bauen, ist ja bei uns im Revier ein Haupterwerbszweig. Da wird nicht mit Edelstahl gespart und es gibt genügend Segelfreunde, die sich da Metall zum Preis eines Gebrauchtwagens aufs Deck tackern und dann trotzdem nicht auf Wanderfahrt gehen.

Bei ein paar Schwesterschiffen der Jantar gibt es zumindest geniale Drehpunktlösungen, um die Hilfswanten in den Drehpunkt des Mastes zu verlegen.
Clever 23, Pritty und Sportina haben das. Wäre schon die halbe Miete, denn die schlechte, bis nicht vorhandene seitliche Führung ist beim Jantarmast das Hauptproblem. Neben den anderen beschriebenen.

Vielleicht haben ja andere sich was ausgedacht, was gut funktioniert. Wir sind ja 500 Jantarianer und alle haben das gleiche Problem.
OK, manche stellen nur 1x im Jahr den Mast und das noch auf dem Trailer - interessant sind Lösungen von Fahrtenseglern.

VG Eric

hgebauer Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 187

09.11.2017 20:07
#4 RE: Mast legen - mal was anderes ausprobiert Zitat · Antworten

Hallo eric.
Ich bin einer der "Spezialisten", die (in dem Masuren) auf eine Brücke zu gesegelt sind und in voller Fahrt den Mast mit allen Segeln dran abgesenkt haben um ihn nach der Passage einfach wieder hochzuschubsen (klar, das mit dem Hochschubsen ging nur bei achterlichen Wind). Kein Seglerlatein! Aber da hatten wir eine (recht sportliche) Tango 730 -und- wir waren vier Leute. Es geht also prinzipiell! Vielleicht hatte die Tango auch die Püttings in Flucht des Drehpunktes des Mastfusses. Das weiss ich leider nicht mehr. Was ich aber noch weiss: Es gab da eine Gabeljütt, an der oben der Fockroller und an diesem das (feste) Vorstag angeschlagen waren und unten die Talje zum Mastlegen. Das ist wohl auf die Jantar 21 nicht übertragbar, weil die Püttings da wo anders sitzen.
Bei uns am Revier (Ammersee) ist Wandersegeln nicht, deshalb wird der Mast i.d.R. jährlich nur einmal gestellt und gelegt. Trotzdem benutze auch ich Hilfswanten um zu verhindern, dass der Mast seitlich weg kippt. Die Hilfswanten werden durch die ganz nach vorne geschobenen Leitösen geführt und dann auf den Fockschotklemmen belegt. Weil auch bei der "Ganz-vorne"-Stellung der Leitösen diese nicht mit dem Drehpunkt des Masfusses fluchtet, müssen die Hilfswanten beim Setzen/Legen etwas gefiert bzw geholt werden.
Die Jantar 21 ist halt genauso wenig wie als Seeschiff als Wanderboot konzipiert. Sie ist ein reines Binnenschiff mit brauchbaren Geschwindigkeitspotential und für seichte Gewässer und dem Anlaufen flacher Ufer geeignet! Die "eierlegende Wollmilchsau" ist sie bestimmt nicht, die gibt es auch nicht. Ich denke, wenn man mit der Jantar 21 Wandersegeln will müssen genauso Kompromisse eingegangen werden wie wenn man mit dieser Nussschale seesegeln will.
Einziger Ausweg: Ein für die jeweiligen Zwecke geeignetes Boot kaufen.
Helmut

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 744

10.11.2017 10:34
#5 RE: Mast legen - mal was anderes ausprobiert Zitat · Antworten

Zitat von hgebauer im Beitrag #4
Hallo eric.
Ich bin einer der "Spezialisten", die (in dem Masuren) auf eine Brücke zu gesegelt sind und in voller Fahrt den Mast mit allen Segeln dran abgesenkt haben um ihn nach der Passage einfach wieder hochzuschubsen (klar, das mit dem Hochschubsen ging nur bei achterlichen Wind). Kein Seglerlatein! Aber da hatten wir eine (recht sportliche) Tango 730 ...


Hallo Helmut, bis dahin, dann ist die Sache schon klar. Die Tango 730 stammt ja aus der Feder des selben Konstrukteurs, wie die Jantar, hat allerdings einen richtigen Mastkoker. Zumindest die Variante, die da in den Masuren unterwegs ist. Die haben in der Regel auch permanent gefahrene Führungswanten. Meist sitzen dafür die Oberwanten auf einem Bügel, der die hohen Kräfte sauber ableitet und gleichzeitig den neuen Fusspunkt der Oberwanten in den Drehpunkt des Mastbolzens verlegt.

Ungefähr so:




Gibts auch in sportlicher.
Hoffe, man erkennt den Drehpunkt, der hier einfach auf die Schräge der Kajütseite genagelt wurde. Polnische Lösung, nicht schick aber funktioniert.



Bei den Tangos ist auch der Grossbaum so hoch angeschlagen, dass er möglicherweise beim Mastlegen dran bleiben kann. Man riskiert allerdings, dass die Mastrutscher, die Vorliek oder die Spreizlatte(n) beschädigt werden. bei der Jantar liegt der gelegte Mast praktisch auf den Hebelklemmen auf dem Kajütddach. Da passt kein Grossbaum mehr dazwischen. Also Abbauen. Das dauert... Am Ende des Urlaubs legen wir den Mast unter 15 min, finde ich zu lange.

Zitat von hgebauer im Beitrag #4
-und- wir waren vier Leute.


Das erleichtert es möglicherweise.

Es gab da eine Gabeljütt, an der oben der Fockroller und an diesem das (feste) Vorstag angeschlagen waren und unten die Talje zum Mastlegen. Das ist wohl auf die Jantar 21 nicht übertragbar, weil die Püttings da wo anders sitzen.

Gabeljüt wäre übertragbar, wird auch so angeboten. Z.B. hier im Forum von der FSA. Bei uns im Revier auch von mehreren Edelstahlbauern.
Bei der Jantar sind so viele Vorarbeiten zu machen, bevor man den Mast legen und wieder hinstellen kann, dass die Zeitersparnis zwischen Gabeljüt und Steckjüt nicht so richtig messbar ist. Es gibt allerdings einen deutlichen Unterschied zwischen dem, was man für die Systeme investieren muss.

Mir wäre das Gerödel auf dem Vorschiff zuviel. Als Charterkunde in den Masuren wäre ich dagegen ziemlich angenervt, wenn ich dauernd mit einer Steckjüt rumhantieren müsste und dann gibt es ja Seen, da stösst man sich vom Steg ab und dann ist der See schon wieder zuende und es kommt eine Brücke zur nächsten Pfütze. Hier gehts nicht ohne Gabeljüt. Hat also alles seine Berechtigung.


Bei uns am Revier (Ammersee) ist Wandersegeln nicht, deshalb wird der Mast i.d.R. jährlich nur einmal gestellt und gelegt. Trotzdem benutze auch ich Hilfswanten um zu verhindern, dass der Mast seitlich weg kippt. Die Hilfswanten werden durch die ganz nach vorne geschobenen Leitösen geführt und dann auf den Fockschotklemmen belegt. Weil auch bei der "Ganz-vorne"-Stellung der Leitösen diese nicht mit dem Drehpunkt des Masfusses fluchtet, müssen die Hilfswanten beim Setzen/Legen etwas gefiert bzw geholt werden.

OK, hier habe ich schon was Schickes (nach)erfunden. Bei mir laufen die Hilfswanten - 3mm Mantelgeflecht mit Dyneemakern - auf einen ordentlichen Mastrutscher und werden mit dem Großfall bis knapp unter die Salinge vorgeheisst. Damit ich mir das mit dem Nachspannen sparen kann, hängt zwischen Mastrutscher und Grossfall ein kräftiges 12mm Gummiseil, was über die Winsch auf ca 150% vorgedehnt wird. Dann sind die Hilfswanten, die vorm Mastdrehpunkt in den Relingsfüssen angeschäkelt sind, bereits zwei straff gespannte Klaviersaiten. Beim Mastlegen erhöht sich die Spannung nochmal.
Dieses System verhindert schon mal zuverlässig, dass der Mast seitlich ausscheren kann. Auch nicht, wenn wieder die hirnbefreiten Motorbootler Ausgang haben. Bei denen gibts ja nur zwei Fahrzustände - Vollgas und Sprit alle. Früher habe ich immer gewartet und gehofft, aber sobald der Mast im kritischen Bereich ist, kommt wieder ein Depp um die Ecke geheizt. Mit meinen Hilfswanten ist das jetzt egal.
Das heisst, ich kann den Raser ganz entspannt beschimpfen und ihm die Krätze an den Hals wünschen, ohne dass dabei der Mast ausschert.

Zitat von hgebauer im Beitrag #4

Die Jantar 21 ist halt genauso wenig wie als Seeschiff als Wanderboot konzipiert. Sie ist ein reines Binnenschiff mit brauchbaren Geschwindigkeitspotential und für seichte Gewässer und dem Anlaufen flacher Ufer geeignet! Die "eierlegende Wollmilchsau" ist sie bestimmt nicht, die gibt es auch nicht. Ich denke, wenn man mit der Jantar 21 Wandersegeln will müssen genauso Kompromisse eingegangen werden wie wenn man mit dieser Nussschale seesegeln will.


Einspruch Euer Ehren!
Meine Lieblingsvorschoterin und ich sind ja Binnensegler, Stadteier sozusagen, allerdings mit Anschluss an das grösste, zusammenhängende Binnenrevier Europas. Wie auch immer man das misst, jedenfalls können wir auf eigenem Kiel nicht nur in die drei grossen Binnenreviere der dicken Stadt gurken und deren beide traumhafte Anschlussreviere, sondern auch ohne Landtransport auf die Müritz, ins Haff, die Boddenlandschaft, auf die Ostsee, Nordsee nach Amerika und Australien schippern - letzteres vielleicht nicht mit der Jantar.

Ganz so weit sind wir noch nicht gekommen, aber schon mit unserem reinen Binnenwander(renn)boot sind wir viele Sommerurlaube an die See gefahren. Getrailert, meistens aber über die Oder - eine der schönsten Flussreisen oder mitten durch die lärmende Metropole, aber dann sind wir auch in 2 Tagen in Stettin. An der See haben wir schöne Segeltage gehabt, aber auch oft so richtig die Jacke voll bekommen.
Da man ja Urlaub machen will und nicht sterben, musste also ein anderes Boot her.

Die Jantar ist also für uns nicht nur eine Steigerung des Wohnkomforts, sondern in erster Linie ein Zugewinn an Seesicherheit. Sie hat eine selbstlenzende Plicht, sie ist ihre eigene Rettungsinsel, sie ist nicht so leicht umzukippen und wenn es doch passiert, richtet sie sich danach brav wieder auf und sie steckt in Sturm und schwerem Seegang eindeutig mehr weg als ihre Crew. Jedenfalls mehr als ihr Skipper, der öfter mal die Fische füttert.
Aber was solls, ich bin halt seesüchtig.

OK, in Seehäfen braucht man meist ziemlich lange Leinen und Hafenwarts Kasse klingelt auch nicht so laut, wenn er für 6 m abkassiert, statt für 16.
Dafür zahlen wir in DK und Schweden für die grossen Pötte mit, denn hier wird unter 12 m nicht weiter differenziert.

Die Jantar macht zwischen den ganzen Kleinkreuzern, die da sonst so unterwegs sind, immernoch eine sehr sportliche Figur. Man sieht ihr an, dass sie durchaus in der Lage ist, mit deutlich größeren Booten mitzuhalten. Entschleunigung heisst ja nicht, dass alle anderen vorbeisegeln sollen.
Binnen fahren wir die kleine Nusschale auch auf Regatten und da macht sie nun richtig Laune.
Gut, es gibt inzwischen ein paar hochgezüchtete Festkieler der 21ft-Klasse, an die kommen wir nicht ran und es gibt auch ein paar alte Regattahasen, die uns mit ihrer Jantar das Heck zeigen, aber das ist OK, von denen kann man ja nur lernen.
In richtig grossen Regatten, mit 60-100 Booten verpassen wir auch die Top 10 aber bei reinen Revierregatten landen wir mit der Kleinen auch mal auf dem Treppchen und das im Wandermodus wohlbemerkt, also mit Polstern und Kocher und Bettzeug und unser Anker ist aus Stahl und nicht aus Bauschaum.
Sie macht also Spass.
Ausserdem lässt sie sich supereinfach slippen und verhält sich ausgesprochen brav beim Trailern.
(Mastlegen ist leider viel schwieriger, als bei allen anderen Booten, die wir vorher hatten.)

Wir haben lange gesucht, bevor wir uns für eine Jantar entschieden haben. Die Messlatte lag hoch und bis heute haben wir es nicht bereut und verzeihen ihr inzwischen die eine oder andere Zickerei, die wir so vorher nicht kannten.

Sie ist ein für die jeweiligen Zwecke geeignetes Boot.

Aber zurück zum Mast - wer sich tolle Lösungen überlegt hat, die auch funktiionieren, kann die gerne mal zeigen oder beschreiben.

Typisch Wegwerfgesellschaft - der Einmal-Klappmast



Nicht viel Fleisch da - sollte man vielleicht nicht allzu oft perforieren.
Gut erkennbar die elegant gelöste Drehpunktverlagerung für die Hilfswanten auf einer Tango 730 Sport.

VG Eric

Eldor Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 15

08.08.2018 13:56
#6 RE: Mast legen - mal was anderes ausprobiert Zitat · Antworten

Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und neu auf der Jantar.
Der Vorbesitzer sagte mir, ich müsse zum legen des Mastes die Ober-und Unterwanten lockern, damit man damit über den Totpunkt kommt.
Muss das wirklich sein?
Oder gibt es irgendein schnellspannsystem? Die Einstellerei nervt total
Gruß

Axel Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 21

08.08.2018 21:52
#7 RE: Mast legen - mal was anderes ausprobiert Zitat · Antworten

Hallo Eldor,

meine Erfahrungen sind, das es ohne Lockern der Wanten nicht möglich ist, den Mast zu stellen und das Vorstag zu befestigen. Ich habe versucht, mit der Kurbel über das Fockfall den Mast soweit runterzuschrauben, das ich die Rollreffanlage unten befestigen konnte. Keine Chance. Jetzt löse ich die Wanten immer deutlich, dann geht es ohne viel Kraft aber immer noch mit der Winsch, Einstellerei ist allerdings später etwas nervig, wobei mir selbst nicht klar ist, ob man da zu viel Aufwand treiben sollte.

Viele Grüße,

Axel

Eldor Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 15

09.08.2018 00:05
#8 RE: Mast legen - mal was anderes ausprobiert Zitat · Antworten

Hallo Axel!
Danke, also wie befürchtet. Dann werden wir im September- Urlaub mal besser nach Friesland fahren, statt an die Müritz. Dort machen sie wenigstens die Brücken für uns auf...😊.
Vllt. Fällt mir im Winter noch was zu dem Thema ein.
Ansonsten ein tolles Schiff, macht richtig Laune!

Gruß Axel 😂

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 744

09.08.2018 13:59
#9 RE: Mast legen - mal was anderes ausprobiert Zitat · Antworten

Hallo, mit dem Totpunkt hat das natürlich nichts zu tun, denn die Püttingeisen sitzen ja hinter dem Drehpunkt.
Trotzdem ist es so, dass Maststellen zu einer elenden Würgerei wird, bzw. nicht zu schaffen ist, wenn man versucht, den Mast schon bei normal gespannten Wanten zu stellen. Es ist also hilfreich, die Oberwanten zu lösen. Wenn man sich merkt, wie oft man den Spanner gedreht hat, geht das Trimmen nach dem Stellen eigentlich fix. Wir nehmen immer beidseitig drei Umdrehungen zurück und um den Bolzen zu setzen, hängen wir das Spifall auf die Klampe und spannen es vor. Danach hängt sich einer rein und der andere setzt entspannt den Bolzen.

Wir haben eine Rollreffanlage französischer Bauart drauf, da muss der Bolzen in zwei Lochbleche und hinterher spannt man die Wanten.
Wer nur Draht fährt oder die Rollreffanlage amerikanischer Bauart hat es leichter, da bleiben die Wanten fest und der Vorstagspanner wird hinterher gespannt.

Ob man das Urlaubsrevier danach wählen muss, ob man da den Mast legen und stellen muss oder nicht, wage ich zu bezweifeln. Da gibt es sicher andere Kriterien.

Wir mussten auf unserer Seereise mal wieder Mastlegen üben, weil der Klappbrückenheini von Zecherin am Stettiner Haff keinen Bock auf die Spätöffnungszeit hatte und wie ich den Typen kenne (die Verarsche kam da schon öfter vor), gab es auch wenig Chancen, dass der nächsten Morgen um 5.45 anwesend ist oder Lust hat aufs Knöpfchen zu drücken. Ist ja auch ein harter Job. Sind wahrscheinlich zwei Farben und man muss sich merken, welche für auf und welche für zu, sonst kann man die ganze Brücke zerstören. Deshalb finden die bei uns auch kein Schleusenpersonal. Ähnlich kompliziert und verantwortungsvoll.

Man wird faul im Urlaub, zumal die Zeiten vorbei sind, wo zwischen Maststellen und Legen keine 5 Minuten lagen. Bei der Jantar ist das schon eine ganz andere Hausnummer. Aber was solls, verarschen lasse ich mich auch nur ungern.

Mastlegen bei voll gespannten Wanten ging dann relativ schnell, Maststellen wurde leider durch einen fiesen Mückenangriff vereitelt. Nach einem Starkwindtag war dann Abends der Wind alle und als wir den Anker geschmissen hatten, hatten sie uns auch schon geortet.
So schnell waren wir noch nie in der Kajüte.

Aber auch der mückenfreie Versuch am nächsten Morgen hat nicht auf Anhieb geklappt. Erst als ich die Oberwanten gelockert hatte, ging es wie oben beschrieben.

Übrigens aus wirklich schlechter Erfahrung rate ich zu Hilfswanten. Wir legen und stellen nie wieder ohne.
Hier gibt es auch Sportfreunde, die den Mast so stellen, wie im Handbuch beschrieben, aber die Hebelverhältnisse sprechen dagegen. Schert der Mast aus, steht man da mit einem Hebelarm von 1:7 und das hält keiner.

VG Eric

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 744

09.08.2018 14:58
#10 RE: Mast legen - mal was anderes ausprobiert Zitat · Antworten

app. mal was anderes ausprobiert - ich habe eine Maststützenverlängerung.

Bei mir sind es 2 Steckhülsen, die die Maststütze um ca 50cm anheben. Kann ich rausnehmen oder dauerhaft fahren. Wie man die baut ist eigentlich egal. Jedenfalls ist es vorteilhaft bei Überführungen auf dem Wasserweg, wenn man den Mast nicht ganz so tief über der Plicht hängen hat.

Bei der Hitzeschlacht in den Kanälen diesjahr (3 Tage Kanalfahrt und Schleusenwartezeiten bei wolkenlosem Himmel, Windstille und 30++ Grad im Schatten - aber keine Sorge, mitten auf dem Kanal ist kein Schatten ) konnte ich so wenigstens eine Sonnenplane drüberlegen und trotzdem sehen, wo ich hinfahre.

Entscheidend ist aber der bessere Winkel beim Maststellen.
Man bekommt den Spargel leichter auf die Schulter und der Zugweg der Jüttalje verkürzt sich leicht, genau wie die Anfangslast auf der Talje.
Auch die Durchfahrthöhe mit stehender Jüt reduziert sich etwas, da die Jüt jetzt nicht mehr senkrecht steht.

Die genannten Vorteile wären deutlicher, wenn die Hilfsstütze länger wäre, nur dann muss man sich wieder überlegen, wie man das an der zierlichen Maststütze befestigt, ohne die dabei zu verbiegen.

VG Eric

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