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Dieses Thema hat 19 Antworten
und wurde 1.917 mal aufgerufen
 Tipps und Technik
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FSA Segelsport GmbH Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 175

28.07.2015 03:09
#16 RE: Bruch Ruderkopf Zitat · Antworten

Unserer Erfahrung nach ist die häufigste Ursache für den Bruch des Ruderkopfes eine
eingeschränkte Funktion des Niederholers. Das Ruderblatt ist vorbalanciert und wenn
das Blatt nicht bis zum Anschlag niedergeholt wird, entsteht sofort Ruderdruck den der
ein oder andere Eigner als positiv und angenehm empfindet. Dies ist FALSCH !
Ist das Blatt wirklich bis zum Anschlag niedergeholt, spürt man überhaupt keinen Ruderdruck
und das Gefühl des Steuerns ist identisch mit dem eines Lasers, Zugvogels oder P-Boot !
Es existiert auf keinem Kurs Druck auf die Pinne bzw. Blatt und somit Kopf.

Ist die untere Spitze des Blattes nur 2 cm achterlicher als der Endanschlag entstehen
bereits ungewollte Kräfte auf den Kopf. Grund hierfür sind einfache Streckerleinen,
die zuviel Reck aufweisen oder auch Umlenkungen / Leinenführungen, die das Blatt
gar nicht bis zum Endpunkt ziehen.

Die Überlegungen von Eric sind auch zutreffend. Zuviel Spiel in der Blatt-Kopfverbindung
führen ebenso zu unnötigen Belastungen des Kopfes.

FSA

P.S. Die Materialstärke unserer Ruderköpfe beträgt 0,5 mm mehr als die damalige
Erstausrüstung. Dies ist schon überdimensioniert. Es wurden ca. 450 Schiffe produziert
und lediglich 7 Eigner sind von Schäden am Ruderkopf in diesem Forum betroffen !

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

28.07.2015 13:31
#17 RE: Bruch Ruderkopf Zitat · Antworten

Zitat von FSA Segelsport GmbH im Beitrag #16
Unserer Erfahrung nach ist die häufigste Ursache für den Bruch des Ruderkopfes eine
eingeschränkte Funktion des Niederholers. Das Ruderblatt ist vorbalanciert und wenn
das Blatt nicht bis zum Anschlag niedergeholt wird, entsteht sofort Ruderdruck den der
ein oder andere Eigner als positiv und angenehm empfindet. Dies ist FALSCH !


Hallo, an dieser Stelle möchte ich nochmal einhaken.
Wer die Konstruktionszeichnung der Jantar ansieht, wird eine sehr geringe Vorbalancierung des Ruders erkennen.



In der Realität sind die Ruder jedoch deutlich steiler gestellt. Das führt zu dem beschriebenen Effekt, dass man das Ruder auch bei Lage so gut wie nicht spürt. Das heisst aber nicht, dass da keine Kräfte wirken, sondern nur, dass die Ruderkräfte vor und hinter der senkrechten Drehachse sehr weit ausbalanciert sind.

Übertreibt man es mit der Vorbalancierung, handelt man sich mehrere Nachteile gleichzeitig ein. Das Boot reagiert bei höheren Geschwindigkeiten zunehmend nervöser auf Ruderbewegungen, man erkennt Lee- oder Luvgierigkeit eventuell zu spät. Die Rückmeldungen des Ruders über den Trimmzustand erfolgen ebenfalls zu spät.

Das heisst, man wird sich eher einen Ausbruch nach Luv oder einen Sonnenschuss einfangen, weil man zu spät mitkriegt, dass man längst was am Segel- und/oder Bootstrimm geändert haben sollte.

Wie von der FSA beschrieben, geht es hier um wenige cm.
Reck im Ruderniederholer wird sich mit plötzlich höheren Ruderkräften bemerkbar machen. Aber auch zu viel Lage oder eine bauchig getrimmte Genua auf Amwind und noch 27 weitere Trimmfehler werden sich so bemerkbar machen und da ist es halt vorteilhaft, wenn die nicht durch eine zu hohe Vorbalancierung unbemerkt bleiben.

Die Stellung eines Klappruders kann während des Segelns auch bewusst variert werden.
Auf achterlichen Schwachwindkursen kann das Ruderblatt ein, zwei Handbreit aufgeholt werden, um den Wasserwiderstand zu verringern und gleichzeitig die Ruderwirkung zu erhöhen. Vor der Wendetonne sollte man das dann wieder in der Senkrechten haben, sonst hat man plötzlich zu viel Druck.

Den richtigen Anstellwinkel zu finden, hat viel mit probieren zu tun und das sollte die Ruderanlage aushalten. Eingestellt wird die Vorbalancierung durch eingeklebte Anschlagpuffer innen im Ruderkopf.

Was die Ruderanlage zermürbt ist aus meiner Sicht das Spiel des Ruderkopfes zwischen den Ruderbacken. Wer hier zu viel zulässt, handelt sich eben die ständigen Lastwechsel in der Welle ein.

Zitat von FSA Segelsport GmbH im Beitrag #16
Es wurden ca. 450 Schiffe produziert
und lediglich 7 Eigner sind von Schäden am Ruderkopf in diesem Forum betroffen !


Von den paar Leuten, die sich im Jantar-Forum beteiligen, haben eben eine handvoll schon Schäden an den Ruderanlagen bemerkt, von Delaminierung über Haarrisse bis ganz kaputt. Das ergibt rein statistisch ein etwas anderes Bild.
Aber das ist unkritisch, solange man es rechtzeitig bemerkt.

Wichtig scheint mir, so wenig Spiel wie möglich zwischen den Ruderbacken zuzulassen und einen hochbelastbaren Niederholer einzubauen und mindestens zum Saisonende Ruderkopf und Blatt mal genau anzusehen. Was wahrscheinlich nicht erforderlich ist, ist eine Überdimensionierung des Ruderkopfes, wie sie von Zenos Stahlbauer vorgeschlagen wurde.

VG Eric

Zeno Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 18

28.07.2015 17:33
#18 RE: Bruch Ruderkopf Zitat · Antworten

Was ich beim Wieder-Einbau auf jeden Fall erneut festgestellt habe ist, dass das Loch für den Ruderbolzen viel zu Groß für den Bolzen ist. Dieser ist von der Größe her ja durch das Loch im Metall definiert aber im Ruder ist das Loch viel größer. Dadurch hat das Ruder nach oben und unten viel Spiel und sitzt nicht wirklich fest.

Das kann man über den Zug auf die Metallbacken etwas in den Griff bekommen aber schöner wäre eine Perfekte Größe. Meine Vermutung ist hier, dass das Loch über die Jahre ausgeschlagen/abgenutzt ist.

Zusätzlich ist mir ein Hafenmanöver vom letzten Jahr eingefallen, bei dem das Ruder aufgeholt einen leichten Schlag abbekommen hat. Insofern hake ich das Theam für mich mal als Learning by Punishmentab, egal ob ich nicht richtig nach Rissen geschaut habe, unvorsichtig war oder Konstruktionsfehler am Werk sind.

Danke für eure Hilfe und Kommentare und ich melde mich, wenn es Neuigkeiten für einen neuen Kopf gibt.

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

29.07.2015 09:29
#19 RE: Bruch Ruderkopf Zitat · Antworten

Zitat von Zeno im Beitrag #18
Was ich beim Wieder-Einbau auf jeden Fall erneut festgestellt habe ist, dass das Loch für den Ruderbolzen viel zu Groß für den Bolzen ist. Dieser ist von der Größe her ja durch das Loch im Metall definiert aber im Ruder ist das Loch viel größer. Dadurch hat das Ruder nach oben und unten viel Spiel und sitzt nicht wirklich fest.

Das kann man über den Zug auf die Metallbacken etwas in den Griff bekommen...


Hallo Zeno, nur bedingt, denn die Breite der Ruderbackenöffnung ist ja durch den obere Aussteifung vorgegeben. Ist das Ruderblatt zu schmal, erreichst du durch Festziehen der Schraube nur eine keilförmige Andruckfläche und dann wackelt das Blatt trotzdem. Dabei leiert dann die Buchse aus, durch die der Bolzen geht.

Ein Forumianer hat das Problem durch einen zweiten, höher gelegenen Bolzen gelöst. Das funktioniert, dann muss man sich aber sicher sein, nienieneimals mit dem Ruderblatt im Flachen aufzustzen, denn dann gibts Bruch. Das ist eher eine Lösung für Seegewässer, aber auch da muss man mal Kraut abwerfen.

Deine Lösung könnte sein, den Abstand zwischen Ruderblatt und Backen zu messen und ggf. auszugleichen. das ausgeleierte Loch entfetten und anrauen, mit angedicktem Epoxi füllen, aushärten lassen, verschleifen und auf einer großen Ständerbohrmaschine neu bohren. Sowas hat dein Stahlbauer und zu dem wolltest du ja ohnehin nochmal, wegen der neu entdeckten Risse.

Zum Spiel im Niederholer:

Auf den Bildern sehe ich eine ziemlich dicke Umlenkrolle, die sicher mit einem ziemlich dicken Niederholer bestückt ist. Reckfreies Material erkennt man daran, dass es an den Händen weh tut. Deshalb wird da gerne eine weiche Schnur reingeknüppert. Bis zur Klemme ist das ca. 1 m. Wenn du eine teure Schnur nimmst, dann hat die 1,5 - 2 % Recklänge, preiswerte eher mehr und schon hast du die 2 cm (oder mehr) Ausreckung unter Belastung, von denen die FSA sprach.
Auch das gleich mit prüfen und ggf. den Ruderniederholer und die dazu passende Klemme austauschen. Der Niederholer hat echt zu arbeiten, den kann man auch mit einer Untersetzung (lose Rolle) unterstützen.

Um Belastungsrisse am Ruderblatt zu erkennen, musst du es mal auf eine Werkbank spannen. Die sieht man in der Regel nur bei Belastung.

Danke für eure Hilfe und Kommentare und ich melde mich, wenn es Neuigkeiten für einen neuen Kopf gibt.

Gern, melde dich ruhig auch mit den Reparaturerfolgen, wir lernen hier auch alle mit. Tips aus dem Forum sind auch immer nur Ferndiagnosen, vielleicht kommst du noch auf ganz andere Lösungen.

VG Eric

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

31.03.2016 11:58
#20 RE: Bruch Ruderkopf Zitat · Antworten

Zitat von FSA Segelsport GmbH im Beitrag #16
...P.S. Die Materialstärke unserer Ruderköpfe beträgt 0,5 mm mehr als die damalige
Erstausrüstung. Dies ist schon überdimensioniert. Es wurden ca. 450 Schiffe produziert
und lediglich 7 Eigner sind von Schäden am Ruderkopf in diesem Forum betroffen !


Neues von den Ruderköpfen

Wir haben vier Jantars dieser Baureihe im Verein und alle haben Haarrisse und zwar alle an der gleichen Stelle. Achtern, am Übergang von der Pinnenaufnahme zu den Backen. Alle haben das schon mehrfach schweissen lassen, ich auch. Ohne dauerhafte Lösung.

Mit etwas Nachdenken hätte man durchaus darauf kommen können, das das nicht funktionieren kann. In der Regel hält die Schweissnaht und es reisst direkt daneben wieder ein.
Allerdings rede ich hier von Haarrissen durch Lastwechsel und nicht von Totalzerstörung wie bei Zenos Ruderkopf.

Ich halte den Ruderkopf 2.0 ja für eine wirklich gelungene Designleistung, was bei polnischen Konstrukteuren keine Selbstverständlichkeit ist. Normalerweise ist bei denen der Ruderkopf das mit Abstand hässlichste Teil an Bord, gleich nach der Innentapete.
Aber die Form soll der Funktion folgen und da muss man klar sagen, wenn das Ding einreisst, stimmt was nicht und dann ist es auch egal, wie hübsch das blinkt und glitzert. Dass das mit der Ruderauf-und Niederholerei nicht funktioniert, passt ins Bild. Der Edelstahldesigner war im Schaffensrausch, hatte aber keine Ahnung von Segeln und der Konstrukteur hatte grad Urlaub. Sowas kommt dabei raus.

Leider ist das Teil so dermassen schick und prägt den sportlichen Charakter der Jantar, dass man unmöglich darauf verzichten kann und nun zusehen muss, wie man die Probleme gelöst kriegt.

Also habe ich mir diesmal zwei Verstärkungen einschweissen lassen, einfache Dreiecke, die eine lastübertragende Verbindung schaffen, genau da, wo die Dinger einreissen. Mal sehen, ob es hält. Wenn es funktioniert, kann ich mal Fotos machen. Ist ja wieder eine Seereise geplant, das wird also nicht nur aufm Baggersee getestet.

Dass anscheinend so wenige Eigner davon betroffen sind, liegt in der Natur der Sache. Haarrisse heissen nicht umsonst so.
Mindestens eine Lupe ist erforderlich.
Man kann übrigens die gleiche Lupe nehmen, wie bei der jährlichen Kontrolle der Innenradien der T-Terminals der Wanten, was ja sicher jeder macht, oder?
Erkennt man die Risse schon mit dem blossen Auge, ist es allerhöchste Zeit für Schweissarbeiten.
(Natürlich nicht bei den T-Terminals. Da kündigen Haarrisse an, dass man gerade noch so an der Neuanschaffung eines Mastes vorbeigeschrammt ist. Oder an Schlimmerem).

Kann man ja mal hingucken, Kosjanüscht.

Es kann natürlich auch sein, dass wir mit unseren 4 Jantars (100% betroffen) einfach nur Pech haben.

VG Eric

p.s. Überlastungsrisse im Ruderblatt
Die Überlastungsrisse im Übergang vom Ruderblattkopf zum Blatt (Anströmkante) habe ich letztes Jahr laminiert, das hat gehalten. Anfangs hielt ich die für Schönheitsfehler und habe sie nur so repariert, wie Spannungsrisse ohne Spannung.
Dass die aber genau da auftauchen, deutet ebenfalls darauf hin, dass sich das Ruder und der Ruderkopf bei Lastwechsel in der Welle unzulässig bewegen.
Mein Edelstahlbauer ist auch Segler und der sagt, der Ruderkopf ist insgesamt zu zart und zu weich. Aber der ist auch ein grober Kerl, was weiss der schon...

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