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Dieses Thema hat 12 Antworten
und wurde 911 mal aufgerufen
 Tipps und Technik
Booster Offline

Aktives Mitglied

Beiträge: 5

04.04.2017 16:52
Beschädigung am Unterschiff Zitat · Antworten

Hallo,
ich habe an meiner Jantar seit letztem Jahr eine Stelle vor dem Kiel entdeckt, die mir doch etwas Sorgen macht.

Wie das zustande kam, ist mir unklar - eventuell beim Aufslippen oder Transport aufgesetzt.

2 Fragen hätte ich dazu:
1. Diese dunkle, unebene Umrandung, die teilweise beschädigt ist, ist elastisch wie Gummi oder Spachtelmasse. Welche Funktion hat sie? Habt Ihr die auch an Euren Booten?
2. Was würdet Ihr machen um den durchscheinenden, weißen Gelcoat abzudichten? Ich habe vor, an der Stelle das Antifouling zu entfernen und erstmal mehrschichtig Gelshield 200 aufzutragen. Dann das Unterschiff wieder mit VC17M.

Für jeden Hinweis dankbar,
Dietmar

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

04.04.2017 22:54
#2 RE: Beschädigung am Unterschiff Zitat · Antworten

Hallo Dietmar, schade, dass du das nicht im Herbst bemerkt hats. Die meisten Jantars sind jetzt schon im Wasser.

Aus meiner Sicht zunächst Entwarnung, denn dort hat eine elastische Dichtungsmasse weder eine Funktion, noch ergibt sie irgend einen Sinn.
Das einzige, was ich mir vorstellen kann ist Tuning. Eventuell hat dein Voreigner hier versucht, die kleine Absenkung im Rumpfbereich mit irgend einer elastischen Pampe zu verkleinern. Vielleicht hat er auch gedacht, so etwas gegen das Kielklappern zu erreichen. Das fällt m.E. unter Voodoo, denn der Kiel hat stolze 230 kg und bemerkt die elastische Dichtungspampe sicher nicht. Der klappert trotzdem.

Schlecht wäre allerdings, wenn auf diese Weise eine Beschädigung der Rumpfschale kaschiert wurde - bis zum Verkauf. Eine wirksame Reparatur ist so nicht möglich.

Du hast einen Edelstahlkiel, da ist es sehr wahrscheinlich, dass du auch einen Edelstahl-Führungsring hast.
Der sitzt so ca 2 cm tiefer im Kielkasten und zwar deshalb, weil man so ein hochbelastetes Bauteil nicht genau an die Rumpfkante setzen kann, ohne dass da was wegbricht. Die kleine Vertiefung ist also konstruktionsbedingt. Nicht schön für Regattasegler, aber ich bezweifle, dass das Umschliessen der Fuge mit Silikonmumpe den Sieg bringt.

Es gibt noch eine zweite, etwas ältere Version ohne Führungsring. Hier ist die Rumpfschale selbst die untere Kielführung, was nicht ohne Grund später verbessert wurde.

Der Unterschied ist genau die von dir beobachtete Randgestaltung. Du hast ja die Ausrundung bereits bemerkt, dort, wo das GfK durchschimmert.
Im Idealfall verbirgt sich hier eine rissfreie Gelcoatoberfläche, die du nur anschleifen musst und wie bereits überlegt, mit Gelschield und Antifouling schützen kannst. M.W. ist die Anzahl der Schichten von Gelshield 5, bis es eine dauerhafte Sperrwirkung hat.

Das ist jetzt mir Ferndiagnose, aber ich sage mal, was ich machen würde, wenn das meine Jantar wäre:
Zuerst mal mit dem Voreigner reden, was der dazu sagt.

Rauspopeln der elastischen Schicht, zuerst mechanisch, dann mit Silikonentferner.
Nachgucken, ob die Rumpf-Kielkastenverbindung innen im Kielkasten intakt ist. Das ist eine der sensibelsten Stellen bei Hubkielern.
Ist diese Verbindung defekt, dringt Wasser in den ausgeschäumten Bodenbereich des Bootes. Das kann innen sogar unbemerkt bleiben, da die Jantar eine Innenschale hat.
Das ist nicht nur unschön vom Gewicht her, das kann auch Osmose nach sich ziehen, Delaminierung und Frostschäden.

Alles, was du in diesem Bereich selber machen kannst spart eine Menge Geld.
Dass an dieser Stelle nur dann selbst herumgebaut werden kann, wenn man ein semiprofessionelles Ergebnis erzielt, ist selsbtverständlich.
Das ist das Herzstück des Bootes.

Hast du die Stelle freigelegt, kannst du ja mal ein paar Fotos machen und die Jungs von der FSA um Rat bitten, die reparieren sowas andauernd.
Wie dieser Bereich aussieht, kannst du auf deren Website sehen.
Hier gibt es einige Fotostrecken vom Ausbau des Kieles (wahrscheinlich nicht erforderlich) und eine Fotostrecke eines beschädigten Kielkastens der oben beschriebenen Bauweise.

Gut zu erkennen, dass da kein Silikon in der Vertiefung ist. Der Kielkranz ist hier durch Grundberührung abgerissen.
http://www.segelsport-fsa.de/index.cfm/n...ice/id/349.html

Wenn du von innen an die Stelle rankommen willst, musst du mindestens das Wellrad ausbauen. Das wiederum bekommst du nur ganz raus, wenn du die Mastspur ausbaust und die ist nicht nur geschraubt, sondern eingedichtet.
Natürlich hätte man das Wellrad auch einen cm schmaler machen können, aber das wäre zu einfach gewesen und wir Jantarsegler lieben ja die Herausforderung.
Sonst hätten wir uns ja nicht genau diesen Kahn gekauft.

Allerdings kannst du auf den FSA-Bildern sehen, dass die den Kiel nicht ausgebaut, sondern nur angehoben haben. In der Kielführung (das Teil mit den Rollen) gibt es ein tief liegendes Montageloch. Ist das Wellrad gelöst, kann man die Achse rausziehen und bekommt über eine Talje und einen Bock den Kiel bis zum Montageloch angehoben. Hier kann man eine solide Stahlstange reinstecken und den Kiel praktisch auf dem Kielkasten aufhängen.
Ein guter Moment, um das Drahtseil zu erneuern.
Auch wenn der Kiel kaum eine viertel Tonne wiegt, einige Blechschäkel sind dann schon im Grenzbereich. Auch ruhig mal das Seilzeug angucken, ob das noch was taugt. Der Kiel hängt bei der Aktion eine Weile ungesichert frei und wenn der von oben auf den Hallenboden rauscht, kann es sein, dass selbst Stahlkappenschuhe überfordert sind.

Berichte mal, inwiefern sich diese Ferndiagnose mit der Realität trifft. Ich hoffe natürlich, dass das nur Tuning sein sollte und keinen echten Schaden kaschiert. Auch ein feiner Riss wäre in diesem Bereich ein echter Schaden, aus besagten Gründen. Unter dem Silikon kannst du das nicht sehen.
Ich würde das auch rausmachen, wenn der Alteigner sagt, da ist nichts - mit den Worten des Papstes: Vertrauen ist gut... usw.
Du wirst den Geschwindigkeitsverlust nicht bemerken, wenn das Zeug da raus ist.

In der Fotostrecke der FSA siehst du, dass die die Vertiefung bei der Reparatur gleich mit angedicktem Epoxi ausgefüllt haben. das funktioniert aber nur, wenn du tatsächlich eine Baustelle eröffnest, denn das muss ja eine Verbindung zum GfK des Rumpfes eingehen. Zumindest dort muss die Gelcoat weggeschliffen werden.
Wenn dieser Bereich bei mir dauerelastisch wäre, hätte ich das schon mal irgendwann beim Streichen bemerkt. Nachgucken kann ich nicht, mein Kahn ist schon seit 1,5 Wochen im Wasser.

VG Eric

Booster Offline

Aktives Mitglied

Beiträge: 5

05.04.2017 13:32
#3 RE: Beschädigung am Unterschiff Zitat · Antworten

Hallo Eric,
erst mal herzlichen Dank für Deine ausführliche Antwort. Ja, man ist meistens etwas zu spät. Mal sehen, wie wir das noch hinbekommen.

Ich werde also die Dichtungsmasse entfernen und dann mal nachschauen wie es im Kasten aussieht. Hoffe nicht so, wie auf der Bildserie von FSA. Kann mir auch momentan nicht vorstellen, daß da mein Vorgänger was kaschieren wollte.

Ich werde mich auf jeden Fall noch mal melden und einen Status durchgeben. Eventuell mit Bildern.

Gruß,
Dietmar

Martin Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 12

07.11.2017 07:29
#4 RE: Beschädigung am Unterschiff Zitat · Antworten

Hallo, hier nochmal der Jantar-Anfänger mit der 237. Habe das Boot am 04.11.17 bei uns vor den Jachthafen Salzmünde gestellt, um dann ein ganz kleines Refit machen zu lassen. Habe dabei etliches Wasser vorn gefunden. Erste Vermutung waren undichte Beschläge, aber der große Meister hat an einigen Stellen im Vorschiff Osmoseanzeichen (Blasen) gefunden. Hatte ich wohl beim Kärchern geöffnet. Glück oder Pech? Kann es sein, dass evtl auch das Kielhaus undicht ist? Ist euch so etwas bekannt? Es ist ein Jammer, eine tolle Kiste, aber momentan raubt sie mir unendlich Zeit und Nerven.
Eric, kannst Du mir da irgendwie ein paar Tipps geben oder sonstwie unter die Arme greifen? Wäre es sinnvoll, des Boot für eine ordentliche Reparatur zu FSA zu fahren?
Viele Grüße aus dem schönen Salzatal.

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

16.11.2017 13:58
#5 RE: Beschädigung am Unterschiff Zitat · Antworten

Hallo Martin, deine Frage hatte ich übersehen. (alle anderen offenbar auch)

Definiere vorn im Schiff Wasser gefunden - was hat das mit Osmose zu tun? Bei undichten Beschlägen hast du nasse Tapeten, eher oben. Kommst du überall gut ran. Zeigt die Jantar im Fusspunkt der Kielkasten-Rumpf-Verbindung Nässe, hast du eine echte Baustelle, denn der Rumpf ist ausgeschäumt und da darf kein Wasser rein. Sonst kann sie die Osmose auch von innen kriegen und die Bläschen aussen sind dann nur der Endzustand.
Wasser läuft auch gerne mal über die Backskistendeckel und/oder den unteren Ruderbeschlag in den Tunnel des Längsstringers und von dort irgendwohin.

Eine gesunde Jantar bleibt selbst im Hauptwaschgang eines Seeschauers innen pupstrocken, sofern man das Schiebeluk und das Steckschott zu hat und die Vorluke und die Fenster dicht sind und die Ablauföffnungen der Schiebelukgarage frei sind und die Mastspur ordentlich eingedichtet und die Püttingeisen natürlich und die Ablauföffnung der Plicht und vom Waschbecken samt der Ablaufschläuche dicht sind, ja und die Relingsstützen, die Genuaschinen und... Aber wenn das alles OK ist, bleibt sie trocken, selbst wenn es wie aus Eimern schüttet, was sie zu einem sehr angenehmen Sportboot fürs Wasserwandern macht.

Ein ganz kleines Refit machen "zu lassen"?
Warum machst du es nicht selbst?

Halte ich für eine der schönsten Arbeiten an einem Boot. Hat eher therapeutischen Wert, kostet auch weniger.
Und wann hat man das schon mal im realen Leben, dass man nach der ganzen Ackerei sich selbst auf die Schultern klopfen kann und sagen, das hast du richtig gut gemacht. Nicht zu vergleichen mit dem Gefühl in irgend einer Yachtbude, der du mit der kleinen Schüssel eigentlich nur den Platz für die grosskopferten Kunden raubst, für hastigen Chemieeinsatz ein paar Hunderter rüberzureichen.
Nö, DAS kann man nun wirklich mal selbst anpacken.
Ist viel lustiger, als Büroarbeit und im Fernsehen kommt eh nur Schrott.

Wo bitte darfst du denn dein Unterwasserschiff kärchern? Bei uns längst verboten. Aber auch vor dem Verbot hatten wir uns im Verein überlegt, dass das möglicherweise die Umwelt schädigt, wenn man Stoffe ins Wasser spült, die die Umwelt schädigen.
Im Boden haben biotoxische Stoffe auch nichts zu suchen und erst recht keine Kupferverbindungen. Bei Hartantifuling sieht die Sache etwas anders aus, das geht ja nicht ab aber Verbot ist Verbot.
Es gibt allerdings auch gar keinen Grund auf so ein winziges Bootchen mit dem Kärcher loszugehen. Jedenfalls nicht als Eigner.

Osmoseblasen kriegst du mit dem Kärcher nicht auf. Es sei denn, es sind bereits Delaminierungen im Endstadium. Aber dann würdest du Glasfasern sehen ohne Harzverbund. Schätze es sind ganz normale Abplatzungen.
Auf einigen Antifouling-Dosen steht drauf, dass man das einfach ohne Vorbereitung auf den alten Unterwasseranstrich draufrollen kann. Das ist nicht so ganz ernst gemeint, denn das verschweigt, dass zwischen dem alten Unterwasseranstrich und der neuen Farbe ein Biofilm sitzt.
Biofilm entwickelt sich sogar in destilliertem Wasser. Wenn man da einfach drüberrollt, kommt es unweigerlich irgendwann zu Abplatzungen.

Eine echte Osmosesanierung kann schnell mal die Frage nach einem wirtschaftlichen Totalschaden aufkommen lassen. Bei ganz wenigen Blasen wird nur punktuell gearbeitet, das ist keine grosse Sache, das kannst du selber machen.
Den ganzen Kahn selber machen spart sicher viel Geld, ist aber eine Riesensauerei.
Professionelle Osmosesanierung heisst, dass das ganze Gelcoat des Unterwasserschiffes mit einem Gelcoathobel abgefräst wird - das kann man leihen und dann erstmal beim Boot des Kumpels üben. Falls man auf den Kumpel verzichten kann.

Das aus meiner Sicht cleverste Verfahren ist eine Art Sandstrahlen im Wirbelschichtverfahren. Das ist so fein, dass die Gelcoat runtergeholt wird, aber das intakte GfK nur minimal angegriffen wird. Die Osmosenester und tiefer liegende Delaminierungen werden aufgerissen und gleich ausgespült.
Die Fräse erreicht diese Schichten nicht. Deshalb arbeiten die hochprofessionellen Fräser zusätzlich mit einem Heiss-Hochdruckkärcher. Nichts für Amateure, denn das Ding hat ca 130 bar und 140 grad Wassertemperatur.

So etwas wird längst mit mobilen Einheiten gemacht - heisst, du musst maximal bis zum nächsten Stützpunkt trailern.


Bei der Jantar solltest du also erstmal herausfinden, ob sie wirklich Osmose hat oder nur Abplatzungen und ob die Osmose viel ist und schon tief sitzt. Das entscheidet über das Verfahren und die Kosten. Zwischen den verschiedenen Verfahren liegen ein paar tausend Euro und auch sehr unterschiedliche Erfolgsaussichten.

Ansonsten liegen zwischen einem geschälten oder wasserstrahlgefrästen Unterwasserschiff ein knackiger Winter mit Frostperioden in Aussenlager oder ein paar Tage - Wochen in einer Wärmehalle. Erst danach ist an eine ordentliche Versiegelung zu denken. Das kostet auch was.

Google dich doch mal durch das Leipziger Braunkohlenrevier - "Seenland" sagen die zu ihren übersäuerten Restlöchern. (Ich bin gemein, ich weiss).
Weiss nicht, ob die bei der FSA das selber machen oder ob sie auch eine mobile Einheit kommen lassen.
Aber auf dem Weg zur FSA kreuzt du die Elbe bei Magdeburg - Motorbootland - da können die das auch. Potsdam ist auch nicht weit, Brandenburg an der Havel.

Da die Jungs von der FSA jedoch erfahrene Jantarspezialisten sind, würde ich mir an deiner Stelle auf jeden Fall ein Angebot einholen.

Aber wie gesagt, auch dafür musst du erstmal selbst herausfinden, was sie hat. Anschleifen, anpieken, bis zu 2-3 Wochen nach dem Slippen ist das noch aussagefähig. Osmoseblasen stehen unter Druck - deshalb sind es ja Blasen - und sie riechen säuerlich.
Sollen auch so schmecken, wobei ich ich da nicht unbedingt stundenlang dran herumlecken würde.

Was garnicht geht ist sich mit dem Kahn bei einer Yachtbude auf den Hof zu stellen und zu sagen - macht mal, Mitte April hätte ich es gerne wieder. Das wird definitiv teurer, als du es erwartetst.

App Kostensparen - wenn du das Boot tatsächlich wohin fahren musst, ist es angeraten, wenigstens die Vorarbeiten selbst zu machen. Heisst komplett innen nackt, Polster, Tapeten, Hölzer raus, Ruder abbauen, Wellrad raus, Mast weg, Segel usw.
Kiel bis zur Wartungsstellung anheben (Kettenzug oder Gabelstapler, das Ding wiegt über 200 kg).
Das ist das untere Loch an der Kielführung. Auflagehölzer auf den Mastkranz, daumendicken Bolzen durch.
Damit ist der Kiel hoch genug, dass er aus der Wasserlinie raus ist. Dann haben die Experten auch Platz zum Arbeiten, um eventuelle Undichtigkeiten an der Kielkasten - Rumpfverbindung zu beseitigen(kompliziert)

Ganz rausnehmen musst den Kiel nicht, aber wenn du ihn eh schon mal am Kranhaken hast, ist das ein guter Zeitpunkt, sich den mal vorzuknöpfen.
Beim Gusskiel kannst du das Ding gleich sanieren, beim Edelstahlkiel wenigstens mal putzen. Nutzt nichts, sieht nur gut aus Weisst schon - wegen Therapie und so.
Das ist jetzt auch der richtige Zeitpunkt, sich um die vernachlässigte untere Kielrolle zu kümmern und das Drahtseil vom Kielfall zu erneuern.

Falls du das Wellrad ganz rausnehmen musst, gibt es ein kleines Problem - das haben die so breit gebaut, dass es nicht durch die Mastspur passt. Die musst du dann auch abbauen und die ist eingedichtet und der Kranz sollte beim Abbauen besser nicht verbiegen.
Das kostet Nerven. Aber denke dir nach jedem Fluch, was du an Kosten gespart hast, dann gehts.

Und natürlich baust du das selbst alles wieder an.
Bei uns im Verein haben schon mehrere selbst ihre osmotischen Schiffe beackert. Mein Respekt.
Das zeigen dann die nächsten Jahre, ob sich die Mühe und der Dreck gelohnt haben.
Wenn deine Jantar auch sonst einigermassen gut dasteht, lohnt es sich auf jedenfall.
Wenn sie eher ein Abschreibungsobjekt von Ibäh-Schnäppchenmarkt ist, mach garnichts, habe noch 5-6 Jahre Spass und zersäge sie in handliche Teile.
Wir haben im Verein eine osmotische Sprita Sport, sieht echt schlimm aus, aber der Eigner hat sich fürs nichtstun entschieden, seit über 10 Jahren und das Ding ist trotz seiner Bläschen ein ernst zu nehmender Jantarjäger, bei dem ich auch weiss, wie das Heck aussieht.

Zersägen macht man natürlich nicht, weil das ja viel zu brutal wäre - komisch, beim Auto muss nur der oberste Diener der Automafia mit einer Abwrackprämie winken und die Leute fahren ihre fahrbereiten Karren samt TÜV-Plakette in die Schrottpresse. Schwarmintelligenz. Die ist in Deutschland mit Vorsicht zu geniessen, das endet leicht mal in weltweiten Kriegen und im Mediamarkt, für den Drittfernseher.

Anschleifen, anpieksen, schnuppern, sich mit einem, der davon Ahnung hat treffen, an der Feuerschale bei einem guten Wisky ganz genau überlegen, was du willst und sich entscheiden wie ein Mann. Wir entscheiden uns ziemlich oft für Nichts tun und erstmal abwarten oder auch für ranklotzen.
Bei einer 21 ft Kiste unter EUR 10.000 für sehr gute, bestens ausgestattete Boote oder Ramschkisten unter 3.000, werden die Antworten sehr verschieden ausfallen

Du kannst du auch eine Münze werfen.

VG Eric

p.s. gibt noch einen Alternative, die in den sehr überlaufenen Revieren meiner Stadt üblich ist - da liegen Regattaboote bis 25 ft aufgeriggt auf dem Trailer an Land. Zum einen spart das die Kosten der heiss begehrten und daher teuren Wasserliegeplätze, zum anderen fahren die blanke Unterwasserschiffe. Wenn du dein Boot nur an den Wochenenden ins Wasser schubst und es danach wieder auf den Trailer stellst, hat es gar keine Zeit, Osmose zu kriegen oder bereits vorhandene deutlich zu zeigen. Die Pickel nach 3 Wochen Sommerurlaub gehen danach wieder weg.
Gute Slipbahn vorausgesetzt und du solltest eine Stunde vor Regattastart nicht auf die Idee kommen, die Slipbahn zu blockieren.

Sprite1275 Offline

Neues Mitglied

Beiträge: 1

22.11.2017 10:06
#6 RE: Beschädigung am Unterschiff Zitat · Antworten

Hallo
mein Schiff hat eine ähnliche Beschädigung am Kielkasten und möglicherweise Wasser im Rumpf.
Wo ist die Jantar ausgeschäumt? Wie stelle ich fest wo Wasser ist? Wie bekomme ich es wieder raus?
LG

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

26.11.2017 14:50
#7 RE: Beschädigung am Unterschiff Zitat · Antworten

Zitat von Sprite1275 im Beitrag #6
Hallo
mein Schiff hat eine ähnliche Beschädigung am Kielkasten und möglicherweise Wasser im Rumpf.
Wo ist die Jantar ausgeschäumt?


Hi, genau dort, zwischen der geraden Innenschale und der Rumpfschale des Unterwasserschiffes.
Ausserdem noch die hintere Rückenlehne zwischen Backskiste und Aussenschale und alles, was unter den
Vorschiffspolstern ist.
Das Problem ist, dass dieser Schaum Wasser zieht. Ist eigentlich nebensächlich, solange da kein Wasser hinkommt.
Bei einer Beschädigung der Hülle ist aber genau das das Problem.


Wie stelle ich fest wo Wasser ist?


Anbohren. Natürlich nur die Innenschale.
Löschpapier reinstecken.
Beim Ruderblatt, in dem der gleiche Schaum steckt, kann man es ev. wiegen, einige haben sogar schon Wasser gluckern hören.

Rein statisch sind das Sandwichbauteile, zumindest Ruderblatt und die Bodengruppe. Auch das Laufdeck. Ziemlich genial - leider werden Tragfähigkeit, Torsionsfestigkeit, Biegewiderstand usw. stark herabgesetzt, sobald sich die Schaumlage eindrückt oder durch Überlastung oder Frostschäden von der Aussenlage trennt.
Dann können Sandwichbauteile komplett versagen. Zuerst werden sie weich, dann zerlegt es sie. Beispiele von gebrochenen Ruderblättern hatten wir hier schon, auch von einem Laufdeck, was es an den Püttingeisen zerfetzt hat.
Vor ein paar Jahren hat hier jemand gefragt, warum sein Bootsrumpf ausbeult, wenn er das Rigg spannt. Nehme mal an, dass da irgend eine der aussteifenden Baugruppen versagt hat.
Ist also kein Schönheitsfehler.

Wenn du bei den Testbohrungen Nässe feststellst, würde ich die Reparatur mit einem Profi planen.
Der Trocknungserfolg muss kontrolliert werden und die Wasserdichtigkeit und Steifigkeit der Baugruppe muss wieder hergestellt werden.

Ablösungen des Schaumes kann man auch hören, wenn man sie mit einem Karosseriehämmerchen abklopft. Ähnlich wie bei losem Putz, ändert sich das Klangbild. Leider ändert sich in der Bodengruppe auch der Abstand der Tragschalen sehr schnell, so dass das dort nur bedingt aussagefähig ist.

Wie bekomme ich es wieder raus?

Vakuumverfahren oder Trockenkammer. Im Vakuumverfahren sieht man auf der Innenseite der Folie, ob es darunter noch feucht ist. Man kann auch beides kombinieren. Man kann auch lokal heizen, mit Radiator und alukaschiertem Schaumstoff, damit man nicht halb Deutschland mitheizt.
Aber das muss per Messfühler überwacht werden, damit man das GfK nicht beschädigt.

Solltest du klären, bevor Frost kommt. Oder schiebe den Kahn bis zur Reparatur wenigstens in eine beheizte Garage oder Halle.

VG Eric

Martin Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 12

28.11.2017 08:33
#8 RE: Beschädigung am Unterschiff Zitat · Antworten

Hallo Eric, hier ist die 237.
Danke für Deinen ausführlichen Kommentar zu meinem Böötchen.
Die Beschläge oben scheinen nicht undicht zu sein, eher vielleicht aber irgend was an der Abdichtung der Rumpf- und der Deckschale im Bugbereich.
Es stimmt wirklich, der Fusspunkt Kielkasten-Rumpf war mit mind. 1 großen Tasse Wasser voll :-(
Die Beschläge gesamt sollten dicht sein; ich denke, Wassereinbrüche müsste man beim Ausleuchten sehen.
Refitten selber machen: Ich habe keine 2 linken Pfoten, aber an solche Reparaturarbeiten, die aus meiner Sicht die Könner ausführen sollten, möchte ich eigentlich nicht ran,
dafür ist mit der Dampfer schon zu sehr ans Herz gewachsen.Rumpfuschen daran will ich nicht. Fühle mich einfach gut darauf; ich möchte die Kiste noch mind. 15 Jahre fahren; und schon unsere alte Rennyxi (3000) verkaufen tut so richtig weh.
Ich werde Dir mal ein paar Bilder schicken, wo Wasser war und z.T. noch immer ist und wie die Kiste so im UW-Bereich aussieht. Packe auch noch Bilder vom Deck dazu. Vielleicht kannst Du mir ja noch ein paar andere Tipps geben?

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

29.11.2017 08:54
#9 RE: Beschädigung am Unterschiff Zitat · Antworten

Zitat von Martin im Beitrag #8
Hallo Eric, hier ist die 237.
Danke für Deinen ausführlichen Kommentar zu meinem Böötchen.
Die Beschläge oben scheinen nicht undicht zu sein, eher vielleicht aber irgend was an der Abdichtung der Rumpf- und der Deckschale im Bugbereich.


Hi Martin, immer gern. Ich brauche ja auch mal einen Rat, leider klemmt das in diesem Forum. Gibt aktivere. Also wenn du mal ganz dringend eine jantarspezifische Antwort brauchst, würde ich jetzt nicht auf die fünf Hansels setzen, die hier antworten und schon garnicht auf die 120, die zu faul dazu sind und nur mitlesen.


Es stimmt wirklich, der Fusspunkt Kielkasten-Rumpf war mit mind. 1 großen Tasse Wasser voll :-(

Jetzt ist es vermutlich zu spät, aber solange die Jantar im Wasser liegt, kann man recht einfach feststellen, wo das Wasser eindringt.


Die Beschläge gesamt sollten dicht sein; ich denke, Wassereinbrüche müsste man beim Ausleuchten sehen.

Möchte ich bezweifeln, da sie ja an den Stellen schaumgefüllt ist. Lies mal hier ein bisschen, das Thema Wasser im Boot hatten wir schon oft.
Leider auch, dass es schlimme Folgen haben kann, wenn man sich nicht drum kümmert. Aber auch, dass es sich im Sommerregenmodus schnell finden lässt.

Jetzt im Winterlager müsstest du schon wissen, wo es ist und wenn du nicht gerade eine beheizte Halle hast (was ich dir empfehlen möchte, wenn der Verdacht besteht, dass die Kielkasten-Rumpfschale-Verbindung beschädigt ist) dann kannst du bei den Temperaturen und dem besch. Wetter ohnehin grad nichts machen.
GfK-Arbeiten unter 15 grad und Abdichtungsmassnahmen mit Pantera oder Sika bei feuchtebeschlagenem Untergrund und Nachttemperaturen um den Gefrierpunkt - das wird nur Pfusch am Bau.
Wenn du damit rechnest, dass im Schaum der Bodengruppe Wasser steckt, solltest du handeln, bevor Frost kommt. Auch das Ruderblatt nicht hängen lassen, das gehört ins beheizte Wohnzimmer, aber das kennst du ja schon von der Ixy.


Refitten selber machen: Ich habe keine 2 linken Pfoten, aber an solche Reparaturarbeiten, die aus meiner Sicht die Könner ausführen sollten, möchte ich eigentlich nicht ran,
dafür ist mit der Dampfer schon zu sehr ans Herz gewachsen.Rumpfuschen daran will ich nicht. Fühle mich einfach gut darauf; ich möchte die Kiste noch mind. 15 Jahre fahren; und schon unsere alte Rennyxi (3000) verkaufen tut so richtig weh.


Na dann kennst du dich doch aus mit der Materie.
Ist ausserdem auch eine Kostenfrage. Refit und Reparatur sind auch zwei unterschiedliche Dinge.

Aber nochmal - bei solchen Refit-Arbeiten entsteht auch eine emotionale Bindung zum Boot und die scheint mir beim Charakter der Jantar wichtig. Man muss den Kahn schon lieben, um ihm sein seltsam zickiges Verhalten zu verzeihen und vertraue mir, auch wenn du denkst, jetzt hat sie schon alles mit dir mal durchexerziert, hat dich in Häfen und Schleusen blamiert, sich vor Anker und im Bojenfeld auffällig verhalten, dir beim Ritt in einen Seehafen am Wellenbrecher das pure Adrenalin in die Venen gejagt und dir vollkommen neue An- und Ablege, und Wendemanöver gezeigt, auch Mastlegen von Bord aus - ganz grosses Kino - dann hat sie immernoch einen unerwarteten Witz auf Lager.
Wenn du deine Jantar dann nicht aus tiefstem Herzen liebst, wirst du sie verfluchen.
Und bitte, welcher Teilzeitgeliebten sagt man denn vorher, dass man sie nur 15 Jahre behalten will?!

Nö, ich bleibe dabei - so ein Teilrefit ist besser als jede Therapie - du sparst richtig Kohle und du kannst dir hinterher selbst auf die Schulter klopfen.
Und die Jantar verhält sich auch nicht ganz so pubertär, wenn du dich selbst um sie kümmerst.
Sind ja nur 6 m Boot, ist doch wohl mehr als übersichtlich, oder?

Und die Facharbeiten überlässt du den Profis. Eine Reparatur der Boden-Kiel-Sektion mit kontrollierter Trockenlegung/Austausch des Schaumes würde ich den Profis in die Hand geben. Die FSA hat hier schon gezeigt, dass sie das können. Gibt sicher auch jemanden in deiner Nähe. Dafür kannst du dann beim Aufpolieren und Beschlägerefit, bei allen Vor- und Nacharbeiten Geld sparen.

Renn-Ixy weggeben? Der Trend geht zum Zweitboot, Gleitfahrt und Trapez ist nicht bei der Jantar. Ausserdem ist die Ixy eine der weit verbreiteten Klassen und hat längst Kultstatus. Kannst du auf dem Trailer liegen lassen und im Verein auf der Jollenwiese. Kostjanüscht. Sowas gibt man doch nicht mehr her.

Dass Wasser im Bugbereich eindringt, glaube ich nicht. Die Rumpf-Decksverbindung ist unter der Gummiwulst, sie ist verschraubt UND laminiert und stark nach achtern abgesenkt. Das bisschen Wasser, was sich da bei Regen sammelt, schüttelt sie ab.


Ich werde Dir mal ein paar Bilder schicken, wo Wasser war und z.T. noch immer ist und wie die Kiste so im UW-Bereich aussieht. Packe auch noch Bilder vom Deck dazu. Vielleicht kannst Du mir ja noch ein paar andere Tipps geben?

Ja, vielleicht. Aber du musst immer dran denken, dass hier alles nur Ferndiagnose ist. Tipps aus dem Internet befreien nicht vom Selberdenken und Wikipedia ist kein Lexikon, auch wenn es so tut. Aber um auf Ideen zu kommen, kluge, wie dumme, nutze ich Foren auch gerne.

VG Eric

Martin Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 12

30.11.2017 12:38
#10 RE: Beschädigung am Unterschiff Zitat · Antworten

Danke, Deine Worte geben mir Trost. Bin heute mal zu Hause und eben ruft mich mein Yachthafen an, ich solle mal dringend kommen. Die sind mit dem UW-Bereich beschäftigt und haben ein Riesenproblem gefunden. Soll ich mir ansehen kommen. Mache ich gleich und schicke Dir ein paar Bilder dazu.
Kannst mich ja vielleicht trösten öder einen Tipp geben. :-(:-(.-(.

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

30.11.2017 19:29
#11 RE: Beschädigung am Unterschiff Zitat · Antworten

Zitat von Martin im Beitrag #10
Danke, Deine Worte geben mir Trost. Bin heute mal zu Hause und eben ruft mich mein Yachthafen an, ich solle mal dringend kommen. Die sind mit dem UW-Bereich beschäftigt und haben ein Riesenproblem gefunden. Soll ich mir ansehen kommen. Mache ich gleich und schicke Dir ein paar Bilder dazu.
Kannst mich ja vielleicht trösten öder einen Tipp geben. :-(:-(.-(.


Solche Anrufe braucht man ja dringend.
Da ich mich, wie gesagt, selbst um die kleine Nussschale kümmere, könnte ich mich bei - Houston, wir haben ein Problem - höchstens selbst anrufen. In der Regel erschrickt man bei Eigenanrufen auch nicht ganz so.

Für trösten bin ich nicht so geeignet.
Frag doch mal die Purchen vom Putzdienst, vielleicht können die deine Tränen gleich mit wegkärchern.

Jo, mach mal Bilder. Aber wie gesagt, wir können hier nur Denkanstöße geben, weiterdenken und machen (oder gezielt beauftragen) muss jeder selbst.

Gezieltes Beauftragen kann in der Yachtbranche über Erfolg oder Untergang entscheiden.
Also bei einem Problem, was du delegieren möchtest oder musst, nicht einfach den Kahn abholen lassen und denen sagen - macht mal TÜV-fertig.
Es sei denn, du druckst dein Geld selbst.

VG Eric

mathias1985 Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 26

27.12.2017 21:59
#12 RE: Beschädigung am Unterschiff Zitat · Antworten

Hallo Martin,

von Zeit zur Zeit lese auch ich hier im Forum mit und gebe gerne Ratschläge.


Ich besitze meine Jantar nun seit März 2016.
Als ich Sie gekauft habe war es ein "risiko" Kauf, das UW-Schiff war wirklich sehr alt und ja es hatte bläschen.
Jeder "FACHMANN" meinte ganz klar Osmose, Sanieren für mehrere Tausend Euro.
Selbst habe ich mich davon nicht beirren lassen.

Festtool Rotex und los gings, das ganze UW-Schiff runter geschliffen und dann neu Aufgebaut.
Ja es gab ein paar Blasen die ich mit Laminiert / Gespachtelt habe.
Ich habe dann das UW-Schiff mit Gelshield Plus in 4 Schichte + Primer und AF neu Aufgebaut.
Insgesamt hat mich das 1 Woche Arbeit gekostet.

Fazit nach 2 Sommern, mein UW-Schiff ist Tip Top, die Arbeit hat sich gelohnt.

Und ich kann hier Eric nur Zustimmen, die Jantar und ich sind eins.
Selbst nach dem Schaden (Pütting siehe Forum) im ersten Sommer (Hier wieder aussagen vom Totalschaden und verkaufen) bin ich nach meiner Reperatur mehr als zufrieden und habe Vertrauen zum Schiff.

Und Hey meine Jantar ist BJ89 das dort hier und da was zu machen ist, normal.

Also lass dich nicht beirren machs selbst und vertraue auf dein eigenes Gefühl.

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

28.12.2017 15:43
#13 RE: Beschädigung am Unterschiff Zitat · Antworten

Aha, die ersten Überlebenden des Vorweihnachtsstresses zeigen sich. Vielleicht sind ja noch mehr aus dem Weihnachtskoma erwacht?

Hallo an alle,

ist eine mutige Entscheidung, ein Boot mit Bläschen zu kaufen, denn auch die Eigensanierung geht ins Geld. Das klingt jetzt nach viel, aber wenn eine Werft sich eine Woche lang mit deinem Boot beschäftigt (es ist länger) dann brauchen die dafür auch Geld und viel bleibt da nicht hängen. Dann gehen sie noch das Risiko ein, dass das mindestens 5 Jahre Gewährleistung durchhalten muss, also 3 Jahre länger, als die Antiosmosegarantie bei Neuverkäufen.

Ich würde die Finger lassen von einem Boot, was schon Bläschen hat, es sei denn, es bleibt überschaubar.
Aber auch dann muss das eingepreist werden.
Wenn dann noch die Deckstruktur kommt, die Segel noch Erstausstattung sind, der Mast einen Schlag hat und der Trailer seit Jahren keinen TÜV hat, dann kann auch eine geschenkte Jantar zu teuer werden.

Ich hatte mir vor etlichen Jahren so einen Seelenverkäufer angesehen und beinahe schon gekauft, schon mit gemieteten Zugfahrzeug weit durchs Land gereist, um zu erkennen, dass es auch unter Seglern totale Armleuchter gibt. War mir neu bis dahin. Es braucht unendlich lange, um mich richtig wütend zu machen, aber der Typ mit seiner Frechheit und seiner Verkaufsprosa hatte es geschafft. Der hatte es, trotz längerem, als angenehm und ehrlich empfundenen Frage-Antwort-Spiels doch irgendwie hinbekommen, mir dabei doch einige nicht ganz unwesentliche Details zu verschweigen.

Um es kurz zusammenzufassen - beim der aufgerissenen Schale-Spiegel-Verbindung war ich irritiert, dass das spiegelnde Blau der Scheiben und Schotttür nur blau lackiertes, aufgequollenes Sperrholz war, nun ja, beim verbogenen Bugkorb, ach menno, der Mast war allerdings an der Saling abgeknickt, man konnte die Einschlagstelle vom Mastlegeunglück im GfK noch sehen, dort hatte es auch die Relingsstützen entschärft.
Meine Adrenalinpumpe sprang dann doch an, als mein Blick auf das Unterwasserschiff fiel - waren es Masern oder Röteln, die die Farbe schollenartig abplatzen liessen?
Mit Kleinkindern in diesem Zustand würde man zum Notarzt fahren.

Der Polnische 2 t-Doppelachs-Trailer hatte weder TÜV noch Nummernschild und stand (seit Jahren?) auf platten Rädern und liess sich keinen cm bewegen, auch nicht per Kleintransporter. Keine Ahnung, wann die Schüssel das letzte mal im Wasser war.
Aber da waren der weit angereiste Kaufinteressent und der hinterlistige Rosstäuscher schon ein emotional ungut verstricktes Knäuel.
Den Kiel habe ich mir nicht mehr angesehen. Das habe ich erst hier im Forum gehört, dass der vollkommen hinüber sein kann und praktisch neu gebaut werden muss.

Die Jungs von der (grössten) Marina in Holstein halten sich ja aus allem raus, obwohl sie das Ding ein Jahr zuvor selbst inseriert hatten, mithilfe eines begnadeten Universalgenies von Beleuchter, Fotografen, Retuschierer und Werbetexter. Sah die lecker aus, aber da war sie noch zu teuer. Ein Jahr später und beinahe 2.000 Eus niedriger, setzte bei mir der Willhabenreflex ein und das Hirn aus und so liess es alle Warnungen vorbeirauschen.
Bis ich mit dem Leih-Transporter auf dem Hof von dieser Marina stand. Da wurde ich wieder wach.

He, Mann, willst du ´n supergünstiges Boot kaufen? Genaaaaau...



Nein, so traurig es klingt, es gibt auch vollkommen runtergerockte Jantars, von denen man einfach die Finger lassen sollte. Soll doch deren Schinder die Säge ansetzen.

Was für eine Sanierung bei überschaubarem Aufwand spricht ist, dass das Bootchen eben nicht sehr gross ist.

Aber man muss auch mitrechnen. Macht sowieso keiner, ich weiss, aber dann darf man hinterher auch nicht jammern, wenn man einen Haufen Kohle versenkt hat und erkennt, dass doch ab und an eine bestens ausgestattete Jantar auf dem Markt auftaucht, oft schwer vermittelbar, weil dieses sehr sportive Boot von der zunehmend nach mehr Komfort und Bequemlichkeit lechzenden Seglerschaft abgestossen wird, oft im Superzustand, werftgehätschelt und trotzdem zum Ramschpreis.
Die Jantar ist eben eine wilde Hilde, aber genau dafür mögen wir sie ja auch und verzeihen ihr die ganzen Unartigkeiten.

Ich finde es hervorragend, wenn leidgeprüfte, erfahrene Refitter denen Mut machen, die noch VOR der Aufgabe stehen. Es ist zu schaffen, nicht bei jedem Boot, das ist klar. Aber genau das herauszufinden, bevor man startet, gehört schon zum Projekt. Ist ja kein Flughafen, wo man aus dem Vollen schöpfen kann.

Am Ende steht vielleicht eine kleine Yacht, ein rockiger Kleinkreuzer, der so manchem gößeren Bleitransporter im Revier das Heck zeigt und zwischen den Rennen ist es die gemütliche Wochenendlaube und Wanderunterkunft und die Sonnenterrasse mit unverbaubarem Wasserblick.

Abend in der Glewitzer Wiek auf einer unserer Seereisen. Keiner da...



Kiel hoch und rein ins Paradies. Man muss lange suchen, um einen so genial gezeichneten Kleinkreuzer zu finden mit dem man das alles anstellen kann, was mit der Jantar geht.
Es lohnt sich, sich ein bisschen drum zu kümmern.

VG Eric

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