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Dieses Thema hat 26 Antworten
und wurde 2.202 mal aufgerufen
 Tipps und Technik
Seiten 1 | 2
mathias1985 Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 26

10.07.2016 18:47
Wantenspan auf Spant gerissen Zitat · Antworten

Hallo liebe Jantar gemeinde.

seit einigen Monaten lese ich hier mit, quasi seit dem wir eine Jantar 21 BJ89 besitzen.
Nun war ich am Wochenende Segeln 20kn Wind und gute Welle.

Auf einmal ein Rucken und Knacken im Deck und die Wantenspanneraufnahme schaut einige cm aus dem Deck.
Unterdeck ist die Wantenstange aus dem Spant gerissen.

Nun wollte ich einmal Frage ob es hier leute gibt den schon ähnliches passiert ist.

Auf einigen Bildern konnte ich erkennen das die Spante mit extra Edelstahl versterkt worden sind?
Auch habe ich schon Backbord verstärkung über der Küchzeile mittel Edelstahlstrebe zum Kielkasten gesehen
Ist das alles original oder nachträglich erfolgt?
Scheinbar ist ja jede Jantar anders.

Derzeit erarbeite und suche ich eine Lösung zur schnellen aber guten Reperatur den wir sind ja mitten in der Saison.

Ich denke derzeit über eine Edelstahlplatte als Verstärkung von unten nach, um die "Kraft" besser aufs Deck zu verteilen.
Außerdem den Spant entsprechend mittels Edelstahl zu verstärken, was beim intakten Steuerbord teil einfach sein wird.
Den Spant auf der Backbord seite werde ich wohl neu Laminieren müssen, leider ist hier sogar eine kleine "innen" beule in der Außenhaut entstanden.

Vielleicht kann ja jemand schon ähnliches berichten.
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eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

11.07.2016 10:15
#2 RE: Wantenspan auf Spant gerissen Zitat · Antworten

Hallo Mathias, ein Wunder, dass dir nicht der Mast über Bord gegangen ist. Die Lastableitung der Wantenspannung ist mir auch ein großes Rätsel, denn sie ist aus statischer Sicht schlecht gelöst. Bei so ziemlich jedem anderen Boot sind die Unterzüge der Püttinge in Lastrichtung mit dem Rumpf verbunden. Bei der Jantar und einigen anderen Booten des Konstrukteurs ist man von dieser plausiblen Anordnung abgewichen.

Als ich meine Jantar übernommen habe, fiel mir eine Beule im Deck auf und es gab schon Spannungsrisse um eines der Püttineisen. Sobald die Seite unter Winddruck stand, wurde die Beule größer. Ursache war das Fehlen der kleinen Madenschraube, die die verstellbaren Wantenrods mit dem Aufnahmewinkel verbindet. Wenn ich das nicht noch entdeckt hätte, wäre das sicher genauso geendet, wie bei dir.

Jede Jantar ist anders. Es gibt offenbar Nachbesserungen, denn in den tragenden Spanten sind bei neueren Bauarten Profile einlaminiert, statt nur Flachstahl.
Flachstahl bietet in dieser Zugrichtung keinen nennenswerten Widerstand. Durch den laminierten U-Spant entsteht zwar ein starkes U-Profil mit hohem Widerstandswert, wenn das Laminat jedoch bricht, gibt es kein Halten mehr.
Da du ohnehin neu laminieren musst, wäre es besser, ein innenliegendes U- oder Kastenprofil einzupassen, was für sich schon einen hohen Biegewiderstand hat und dieses und mit einzulaminieren.

Es gab hier mal ein ähnliches Schadbild, da hatten die Bootsbauer die Schrauben nur ins Laminat gesetzt, statt in den darunter liegenden Stahl. Hat auch nicht gehalten. Eine sehr sinnvolle Lösung hat hier im Forum mal eine Eignerin vorgestellt, die zwei weitere Spanten eingebaut hat, die den Schrägzug der Rods nach der anderen Seite spiegeln. Dadurch entsteht eine Resultierende, in deren Linie das Püttingeisen oben auf den Deck liegt. Die angreifende Kraft verteilt sich dadurch nach vorn UND achtern. Die Decksscheibe wird dabei deutlich entlastet.
Sehr aufwendig und nicht ganz einfach und wohl auch nicht ganz preiswert. Aber natürlich preiswerter, als ein neuer Mast.

Dein Schadensbild sollte aber ein Signal sein, diese Befestigungen zu kontrollieren und über eine zusätzliche Verstärkung nachzudenken.

Erforderliches Bastandteil der technischen Lösung ist eine große horizontale Scheibe, die quer zur Lastrichtung wirkt. Diese Scheibe ist das Deck.
Das funktioniert auch, allerdings nur, wenn diese Scheibe nicht ausbeult.
Wenn irgendwo eine moderne Stahlbrücke einkracht, ist in der Regel die mittlere Scheibe eines Stahlträgers ausgebeult. Die Tragfähigkeit dieser Scheibe geht in diesem Fall schlagartig auf Null zurück.

Die Minischeibchen der Rods, an denen die Püttingringe befestigt sind, vetrauen sozusagen auf eine intakte Decksscheibe, die nicht nachgibt.
Nicht bei Auslieferung und nicht nach einem viertel Jahrhundert.
Polen ist ein streng katholisches Land. In dieser statischen Lösung steckt auch eine gewaltige Portion Gottvertrauen.

Die Rods müssen in jedem Fall so stramm eingestellt sein, dass sie weder nach unten eine Beule ins Deck ziehen, auf gar keinen Fall jedoch nach oben zulassen. Wenn das passiert, ist das statische Versagen nahe. Es kann auch nicht schaden, diese Decksscheibe zusätzlich statisch zu ertüchtigen.
Dafür gibt es als eleganteste Lösung eine einlaminierte, biegesteife Stahlplatte, so wie du es ja auch vorhast.

Möglich wäre auch die Decksscheibe durch ein einlaminiertes T-Trägerchen zu stabilisieren oder zwei, links und rechts von der oberen Platte und in Schiffslängsrichtung. Möglich wäre auch eine Lastableitung des oberen Teils des Rods auf die Kante zwischen Deck und Rumpf, die ebenfalls sehr biegesteif ist.
Wie gesagt, zusätzlich zu einem einlaminierten, tragfähigen Profil im wieder hergestellten U-Spant.

Bei deinem Schadensbild scheint zuerst die Decksscheibe versagt zu haben. Das Rod hat gehalten, was für eine sensationell hochwertige Schweisskunst spricht und dann scheint der steilere Zugwinkel und der zusätzliche Arbeitsweg des befreiten Wantes der unteren Halterung den garaus gemacht zu haben. Vielleicht auch umgekehrt.


Zu deinen anderen Fragen - die Stange zwischen Kiel und Bordwand ist reine Optik. Sehr gelungen übrigens, mit der Plexiglasscheibe, denn die Jantar mit "Durchblick" bietet ein vollkommen anderes Raumgefühl. Auf der Stange liegt bei mir nur der lange Jütbaum der Mastlegevorrichtung drauf und der Spibaum.
Ansonsten versuche ich dieses hübsch gelöste Detail möglichst krämpelfrei zu halten.


Ein Hinweis noch:
Die Verstärkung des Spantes durch ein tragfähiges Edelstahlprofil sollte bevorzugt von innen erfolgen, also innen im Spant. Insofern ist es beim intakten Spant ein Problem und beim zerstörten einfacher.
Ansonsten ist dieser Spant eine gewaltige Baugruppe, die nicht nur in Querrichtung ein einziges durchgehendes Bauteil ist mit mächtigen Dimensionen, sondern eine Art Gitterträger mit Längsstringern und den hinteren Spanten. Wenn man ein solches Bauteil an einer Stelle neu aufbaut, möchte ich dir auch bei viel Erfahrung in GfK- Arbeiten zu fachlicher Unterstützung raten. Es soll ja halten und nicht nur so aussehen.

Wäre eine echte fachliche Bereicherung, wenn du ein paar Fotos machst.

Vielleicht bringt sich die FSA ein, die sicher schon ähnliche Schadensbilder auf der Werft hatten oder noch andere Lösungen zur vorsorglich Ertüchtigung dieser krischen Stelle erprobt haben.

VG Eric

Ergänzung:

Auf dem Foto ist eine bräunliche Bröselmasse unter der Decksoberschale zu sehen. Hier scheint es sich um einen Schaum oder eine Holzlage zu handeln.
Bitte schau mal nach, was da drin ist.
Wenn diese Zwischenlage vergammelt, z.B. durch am Püttingeisen einsickerndes Regenwasser, bricht die druckstabile Funktion weg. Das ist kein optischer Mangel, sondern ein statisches Problem und dringend reparaturbedürftig. Wenn die statisch erforderliche Scheibe dort weich wird, erhöht sich der Bewegungsweg des Rods. Da genügen Millimeter.
Bei jedem Lastwechsel kann es dort ackern, vielleicht schon über Jahre, bis sich im Laminat an irgend einer Stelle Glas und Harz trennen.

Ich reite deshalb so auf der Sache mit der intakten Deckscheibe herum, weil die reine Konzentration auf die Wiederherstellung der unteren Zugverbindung zum Rumpf an der statischen Anordnung vorbeigehen würde. Die Wiederherstellung der Deckscheibe würde ich auf beiden Seiten gleichzeitig machen. Das wird von innen repariert. Vielleicht gelingt es dir dabei so viel von der strukturierten Antirutschschicht zu erhalten, wie möglich. Es ist sonst kaum möglich, die gleiche Farbe und Struktur aufzubauen und man soll ja die Reparaturstelle später nicht so sehen.

Gutes Gelingen!

mathias1985 Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 26

11.07.2016 21:31
#3 RE: Wantenspan auf Spant gerissen Zitat · Antworten

Hallo Eric,

ich danke dir für deine detailreiche Antwort! Ja wir haben richtig Glück gehabt und ich war froh mit Mast im Hafen zu sein.
Derzeit bin ich sogar überzeugt davon, dass ein verlieren des Mastes eine Kenterung auf der Ostsee zufolge gehabt hätte.

Ich war heute bei meinem Metallbauer meines Vertrauens und wir haben die U-Profile besprochen, natürlich beidseits.
Ebenfalls werde ich zwischen Wantenrods und Püttinge unterdeck eine 20x30cm Edelstahlplatte setzten.
Das sollte die Druckverteilung auf das nun über 20 Jahre alte Deck verbessern.

Ich gebe dir recht das die "Scheibe" also das Deck nachgegeben hat. Bei meiner Besichtigung heute habe ich gesehen das die Einlaminierte Holzlage in den Jahren durch "sickerwasser" Weich geworden ist. Hier besteht auch auf Steuerbord dringend Handlungsbedarf.
Ist halt irgendwo ein altes Boot. "Leider"

Zur Reperatur ist mein Plan den Sparen an der Bruchstelle freizulegen und Anzuschleifen sowie danach entsprechen neu Aufzulaminieren. Das "Eisen" werde ich wieder mit Einlaminieren. Dann die U-Profile drauf. Sicherlich könnte man darüber nachdenken noch 2-3 lagen großzügig GFK drüber zu legen.

Auf der Intakten Seite wollte ich jedoch eigentlich nur ein U-Profil draufsetzten und seitlich verschrauben.

Bestehen die Wanten eigentlich nur aus GFK oder ist da noch Holz mit drin?

Bei der Schadens betrachtung ist mit Aufgefallen das hier scheinbar die "Küche" die Kraft abgefangen hat.
Leider habe ich sogar eine kleine Beule in der Außenhaut, die wird wohl bleiben.

Was mich wirklich wundert ist das der Spant auf Steuerbord fast doppelt so stark ist wie auch Backbord.
Auch gibt es auf Steuerbord noch einen weiteres Spant richtung Achtern auch Backbord nicht.
Wenn man sich mit dieser Thematik befasst kommen einen schon Fragen auf ob die "Stange" für die Backbord Spant nicht doch "Tragend" ist.


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eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

12.07.2016 09:55
#4 RE: Wantenspan auf Spant gerissen Zitat · Antworten

Hallo Mathias, ich hoffe ja, dass sich noch andere mit ihren Erfahrungen und Ideen einbringen.

Mittragende Innenschale

Die Jantar ist ein Leichtbau. Ein paar hundert Kilo Speck hat sie zusätzlich auf den Rippen, ich bin ganz froh über den erstaunlich hochwertigen Innenausbau. Ich meine jetzt nicht die psychedelisch anmutende Stoffverkleidung in Petrol-Grün, sondern die aufwendige Innenschale und das hochwertige Traggerüst der Bodengruppe. Hier ist Sichtqualität, wo andere nur spachteln oder gerade mal so die Glasmatten übermalen.

Reine Regattaboote gleicher Größe verzichten ja auf diese Zulage. So sieht eine Skippi 650 von innen aus, wie nicht ganz zuende gebaut, dafür fährt sie aber der Jantar davon.
Eben diese Innenschale hat ganz offensichtlich nicht nur Dekofunktion, sondern ist elementarer Bestandteil der Statik der Jantar und trägt ihren Teil zur Längs-, Quer- und Torsionssteifigkeit bei.


Reparatur 1:1

Es ist andererseits offensichtlich, dass es zwischen der früheren Bootskonstruktion und der späteren Verwandlung in ein regattafähiges Fahrtenboot, einige Kompromisse gab. So glaube ich nicht, dass die Jantar von vornherein mit einem Mast geplant war, der über so stark nach achtern gepfeilte Salinge abgestützt wird. Sonst hätte man die Bodenwrangen an diese Stelle gesetzt oder zumindest dort noch einmal welche hingesetzt.

Was ich damit in die Runde werfen will ist die Überlegung, ob du diese Konstruktion 1:1 so wieder aufbauen willst oder ob jetzt nicht der Punkt erreicht ist, eine bessere Kostruktion zu bauen und einzubauen. Vielleicht in Zusammenarbeit mit einem Bootsbauer.

Die Tragfähigkeit der Grundkonstruktion würde ich wieder herstellen, aber vielleicht doch nicht alle Last auf die alte Stelle konzentrieren, sondern über eine zusätzliche Lastableitung nachdenken.

Kenterung

Das plötzliche Versagen oder Nachgeben des Luvwantes erzeugt im Mast eine so hohe dynamische Belastung, dass er in der Mehrzahl der Fälle einfachg wegknickt oder zumindest dauerhaft verbiegt. Deiner hätte auch gut über Bord gehen können, vielleicht zusammen mit der rausgefetzten Mastspur.
Es ist m.E. eher unwahrscheinlich, dass du davon gekentert wärst. Es wäre sicher ein Abenteuer geworden, den Mast zu sichern oder loszuwerden, mit hohem Verletzungsrisko in Wind und Welle, aber an eine Kenterung glaube ich nicht.


Noch ein paar Gedanken zur technischen Lösung:

Stahlplatte vs. Sandwich

Die untergefütterte Edelstahlplatte ist gut, Bestandteil des statischen Systems wird sie jedoch erst, wenn sie unter die Decksschale laminiert wird. Erst wenn du das machst, kann die Platte auch die Schubkräfte aufnehmen, die der schräg gerichtete Rod erzeugt. In diesem Moment entsteht jedoch ein Sandwichlaminat, dessen Mittellage aus Stahl oder Alu sein kann, aber nicht muss.
Die Mittellage hat ausschliesslich die Funktion, die beiden Tragschalen (Deck und Unterschale) auf Abstand zu halten und deren Ausbeulung zu verhindern. Deshalb kann sie ja aus Holz sein, versagt jedoch, wenn das Holz verfault.
Wichtig für dieses statische Detail ist auch der Abstand der beiden Lagen. Schwierig zu erklären, aber stell dir einfach einen Langlaufski vor - zwei Tragschalen und eine Mittellage. Dort, wo du draufstehst, ist die Mittellage dick, das Bauteil ist extrem steif. Dort, wo es federn soll, ist die Mittellage dünn, in den hochelastischen Enden und der Spitze fehlt die Mittellage.

Also Strahlplatte OK, aber sie muss die Dicke der benachbarten Holzlagen erreichen und dann ist das ein ganz schöner Klopper. Deshalb nimmt man ja Holz. Bei dickeren Bauteilen, wie dem Ruder auch druckstabilen Schaum. Unter Beschlägen werden deshalb oft Aluplatten einlaminiert.
Erst wenn du die Stelle wieder als Sandwich herstellst, wird das Deck wieder Bestandteil des stischen Systems.

Die Innenlage des kaputt gegangenen Spants zeigt dir, was sonst passiert. Hier hatte das eigentliche statische System versagt und das Stahlinlay ist einfach verbogen.


Reparatur eines Sandwichs

Verfaulte Zwischenlage - rausschneiden und neu aufbauen ist eine aufwendige, aber wirksame Reparaturmethode. Dabei arbeitet man von innen.
leider kann man dabei durchaus festellen, dass doch mehr verfault ist, als man dachte.

Das Instrument meiner Wahl wäre hier eine oszillierende Säge mit Absaugvorrichtung. Die Reparaturstelle würde ich so weit freilegen, dass man mit Stecheisen und einer Schleifmaus arbeiten kann. Empfehlen würde ich Staubmaske, Schutzanzug und Schutzbrille und die Entfernung der Polster und Bezüge. Bei Überkopfarbeiten neigen die kleinen fiesen Glasfasern dazu, sich sensationell zu verteilen, nicht nur auf der haut, in den Haaren und den Bronchien. Eine leistungsfähige Absaugung (die ausserhalb steht) mit einem guten Filterbeutel kann nicht schaden.


Zu deinen anderen Fragen:

Zur Reperatur ist mein Plan den Sparen an der Bruchstelle freizulegen und Anzuschleifen sowie danach entsprechen neu Aufzulaminieren. Das "Eisen" werde ich wieder mit Einlaminieren. Dann die U-Profile drauf. Sicherlich könnte man darüber nachdenken noch 2-3 lagen großzügig GFK drüber zu legen.

Kann man so machen, bleibt riskant. Wie gesagt, das Deck und der Spant müssen als statische Bauteile wieder hergestellt werden. Ob das nur durch Auflaminieren des Spantes und eine Stahlplatte gelingt, die keine Schubkräfte aufnehmen kann, sei dahingestellt.
Was auch interessant ist - im Original hat das ja eine Weile gehalten. Wenn du das also 1:1 wieder so baust, wäre das auch OK.
Nur bei der ganzen Arbeit und dem Dreck und den Umständen, die die Vermeidung einer Glasfaserkontamination betreffen, kannst du auch über eine umfangreichere Reparatur nachdenken.

Auf der Intakten Seite wollte ich jedoch eigentlich nur ein U-Profil draufsetzten und seitlich verschrauben.

Das sind nur 2 cm. (Siehe Zollstockbild). Mich würde die Bohrmaschine interessieren, speziell das Spannfutter, mit der du da seitlich Löcher reinbohren willst. Meine Jantar hat an dieser Stelle auch noch eine gebogene Bordwand, was es auch nicht gerade einfacher macht.

Bestehen die Wanten eigentlich nur aus GFK oder ist da noch Holz mit drin?

Meine bestehen aus Edelstahldraht.
Falls du die Spanten meinst, bist du gerade derjenige, der da mal nachgucken kann und uns über den Aufbau informieren. M.E. reine GfK-Baugruppen mit einem Innenprofil aus Alu oder Stahl. Der Flachstahl bei dir hat mich verblüfft. Hätte ich nicht erwartet.


Bei der Schadens betrachtung ist mit Aufgefallen das hier scheinbar die "Küche" die Kraft abgefangen hat.
Leider habe ich sogar eine kleine Beule in der Außenhaut, die wird wohl bleiben.


Ich hatte die "Küche" schon mal ausgebaut, ja, sie ist relativ steif, aber zwischen Pantry und Kielkasten und Spant sitzen nur winzige Schräubchen. Das gleiche betrifft die oberste Stange, die zumindest keine Zugkräfte aufnehmen kann.

Die Beule kannst du vielleicht drücken oder ziehen. In beiden Versionen kannst du dir im Nahbereich Schablonen abnehmen und damit die Beule beseitigen, bevor der Spant neu aufgebaut wird. Bei einer richtigen Beule ist eine Schwachstelle im statischen System der Tragschale Bordwand vorhanden. Nicht gut.


Was mich wirklich wundert ist das der Spant auf Steuerbord fast doppelt so stark ist wie auch Backbord.


Das wäre ein Indiz dafür, dass man die Seite ohne Küche steifer gestalten wollte. Aber wie gesagt, Spanten nehmen jede Menge Kräfte auf, nicht nur Druck. Bei einem Schiffsstoß auf den Bug würde das System in der Mitte ausbeulen und weder die Pantry noch die Zugstange können diesen Lastfall aufnehmen.


Auch gibt es auf Steuerbord noch einen weiteres Spant richtung Achtern auch Backbord nicht.

Das ist mir auch ein Rätsel, zumal die Bordwand im vorderen Bereich nicht besonders stabil ist. Wer hier schon mal seinen Mittagsschlaf halten wollte, während der Kahn durch die Wellen getrieben wird, kann sich nur wundern, wie das arbeitet. Im Bereich des achteren Wants ist die Bordwand jedoch stark kekrümmt und viel flacher. Die ausgeschäumte Bodengruppe ist näher dran und das ist insgesamt offenbar steif genug.
Steuerbords hätte man ohnehin was einbauen müssen, wegen des Schrankes, auf der anderen Seite hätte es den Schlafplatz eingeschränkt.
Aber seltsam siehts schon aus.

Wenn man sich mit dieser Thematik befasst kommen einen schon Fragen auf ob die "Stange" für die Backbord Spant nicht doch "Tragend" ist.

Bei mir "trägt" sie die Jütstange und den Spibaum.


Ich finde es übrigens toll, dass du uns an deinen Erfahrungen teilhaben lässt, ist keine Selbstverständlichkeit.
Empfehlen möchte ich dir die Kontaktaufnahme zur FSA, denn die reparieren seit Jahrten Jantars und andere Kleinkreuzer und haben garantiert den einen oder anderen Tip auf Lager. Die verdienen damit zwar ihr Geld, aber sie haben hier schon wertvolle Tips für Selbermacher gegeben. Vielleicht haben die noch andere Ideen bei deiner geplanten Reparatur. Selbst wenn sie nur bestätigen, dass sie das auch so machen würden, ist das ja auch schon was.

Ich meine nicht die Freie Syrische Armee, sondern die hier: http://www.segelsport-fsa.de/

VG Eric

sct Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 152

13.07.2016 10:20
#5 RE: Wantenspan auf Spant gerissen Zitat · Antworten

Hallo,

das hört sich alles super spannend an. Leider kann ich mir den Schaden schwer bildlich vorstellen außer dass die Reparatur einen enormen finanziellen und zeitlichen Aufwand erfordert. Ein paar Bilder wären toll. Für mich wäre dieser Schaden DER SUPERGAU schlechthin. Ich wäre selbst nicht in der Lage so etwas alleine zu reparieren.
Ich würde es bei einer Werft versuchen und wenn ich dafür mehr als 3000€ bezahlen müsste dann wäre es der wirtschaftliche Totalschaden. Wahrscheinlich würde ich das Boot den Rest der Saison ohne Mast als Balkonersatz und Badeplattform nutzen und im Herbst dann weiter sehen....

Ich wünsche daher viel Erfolg und Glück bei der Suche nach einem fairen und professionellem Reparaturteam. Von FSA habe ich natürlich schon viel gehört. Sie machen wohl super Arbeit aber sind eben am Steinhuder Meer nicht gerade um die Ecke. Ich habe auch so manchmal das Gefühl dass sie nach dem Motto "so gut wie möglich" arbeiten, wogegen ja prinzipiell nichts einzuwenden ist. Nur so kommt man dem wirtschaftlichen Totalschaden schnell nahe. Diese Arbeit (sogar mit Preisangabe) könnte im Umfang/Aufwand den Arbeiten die Du vor Dir hast, wohl nahe kommen: http://www.segelsport-fsa.de/index.cfm/n...ice/id/491.html

Ciao
SCT

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

14.07.2016 11:23
#6 RE: Wantenspan auf Spant gerissen Zitat · Antworten

Hi SCT, den Preis findest du zu hoch und die Arbeitsqualität zu gut?

Da müssen die sich schon ganz schön beeilen, um nach Abzug der Materialkosten, diverser Steuern und Hallenmiete auch noch was zu verdienen.
Das ist dort eine noch schwierigere Stelle, als das geborstene Deck. Hier wird der komplette Mastdruck in den Rumpf geleitet, das kann garnicht gut genug sein.

Den Oberteil des Decks der Jantar mit seiner Laufstruktur wieder herzustellen ist eine ziemlich trickreiche Arbeit, bei der ggf. mit Schablonen aus Silikon gearbeitet werden muss. Das würde ich auch in geübte Hände geben.

Die Ertüchtigung der Decksstruktur erfolgt ja von unten, kann man dann wieder selber machen, ist aber hässlich, da glasstaubbelastet in engen Innenräumen und über Kopf, mehr als lüften kann man nicht, wer hat schon eine Absauganlage zu hause rumzustehen. Weiss nicht, ob man dabei viel spart. Auf jeden Fall hat man hohe Aufwendungen für die eigene Arbeitssicherheit. Der Spant ist formgebend, da wird es noch komplizierter, denn wer will hinterher schon eine Beule im Boot? Nee, da sind Fachleute gefragt.

Ich würde den Ausbau und die Vorbereitung selber machen und den Einbau auch. Polster, Verspannungen, Pantry, das muss ja alles raus und danach wieder rein. Das ist zeitaufwendig und das machen Werften weder gut noch gerne. Hier spart man tatsächlich.
Man kann ja den Ausbau und die Werftzeit nutzen und mal eben die Hölzer überarbeiten und die Polsterbezüge waschen.

Aber die anderen Arbeiten würde ich auch den Profis überlassen.

Wenn mir am Auto ein Schweller wegrostet, fange ich ja auch nicht selber an Bleche zu dengeln und zu schweissen. Aber ich lege die Baustelle frei und baue hinterher alles wieder ein. Dadurch geht die eigentliche Reparatur schnell und man behält die Kosten im Griff.

Ein weiteres Sparpotential entsteht, wenn man sein slip- und trailerbares Boot selbst zur Werft fährt und nicht im Hochsommer auf einen Termin drückt, sondern das Ding als gelaufen betrachtet, vielleicht mit Freunden mitsegelt und dann reparieren lässt, wenn die sich auf der Werft langweilen.
Kannst ja mal an einem verregneten Novembertag deinen Bootsbauer besuchen, da hat der sicher Zeit für einen Kaffee und hört sich deine Probleme ganz genau an.
Jede Wette, dass man sich da auch über die überraschend hohe Zahl unterhalten kann, die da am Ende seines Angebotes steht.
Jetzt dürfte das eher schwierig werden.

Die eigentlichen Reparaturkosten lassen sich auch deckeln, wenn man sich vorher überlegt, was man eigentlich will und den Auftrag klar formuliert. Wie beim Auto. Wer seine Karre in die Werkstatt fährt und nur sagt, mach mal TÜV-fertig, wird sein blaues Wunder erleben.

Außerdem ist bei gebrauchten Booten genau wie bei gebrauchten Autos doch irgendwie klar, dass der günstige Anschaffungspreis erhöhten Reparaturkosten gegenüber steht. Wer eine Jantar für 5000 Euro schiesst und dann neue Segel braucht für 3000 und einen Trailer für 2000 und diverse Aufwendungen gegen Osmose und für neue Polster, der hat am Ende möglicherweise mehr bezahlt, als jemand, der eine gut gepflegte und gut ausgestattete Jantar für 12T gekauft hat.

Der Schaden ist doch überschaubar und die Reparaturkosten lassen sich mit Eigenleistung gut eingrenzen. Hätte ja auch den Mast kosten können oder Personen wären zu Schaden gekommen. Selbst da kann man noch nicht von einem Supergau sprechen, denn spätestens dann wird man erfahren, ob die eigene Bootsversicherung was taugt oder nur bunte Werbung druckt. Wir hatten im Verein so einen Schden durch einen gebrochenen Want und das ist anstandslos geregelt worden. Das ist aber keine Selbstverständlichkeit. Bei einem anderen Fall wurde der Mast nur anteilig bezahlt im Verhältnis neuer Mast zu neuem Boot = neuer Mast zu altem Boot. Das alte Boot wurde mit 20 Prozent gegenüber einem neuen geschätzt, da gabs auch nur 20 Prozent dazu für den neuen Mast.
Meist steht das irgendwo auf seite 27 im Klitzekleingedruckten.

Für mich wäre noch eine Fachmeinung interessant, ob es sich hier um einen schleichenden Prozess gehandelt hat, der für alle Jantarianer eine Warnung sein dürfte oder um ein plötzliches Ereignis.

Und wie das letzten Endes repariert wird, wäre auch interessant.

Eine andere Sache ist auch, dass dieser Schaden in Eigenleistung repariert zu einem praktisch unverkäuflichen Boot führt.
Wenn mir der Schornsteinfeger erzählt, dass er den gebrochenen Motorträger seines SUVs selber geschweisst hat, wird man das wohl nicht kaufen.
Auch wenn er eigentlich gut schweissen kann.

Kannst du eine Werftrechnung vorzeigen, bist du auf der sicheren Seite, du selbst und beim späteren Verkauf ebenfalls.

Auch fachlich ist die Werft DER Ansprechpartner. Der Edelstahlschmied ist die nachrangige Fachkraft, der von der Werft erfährt, was die brauchen. Die Idee, da einfach eine Platte drunter zu setzen zeigt deutlich, wo die fachlichen Kompetenzen enden. Nett gemeint aber falsch.
Auch die GfK-Wrange seitlich in der Risszone eben mal anzubohren, halte ich für nicht ganz zuende gedacht.
Da würde ich gerne mal hören, was der Bootsbauer dazu sagt.

Hier werden auch Gewährleistungen berührt - also 1 Auftragnehmer und 1 Rechnung und die kommt von der Werft, sonst können die sich am Ende alle rausreden.

VG Eric

sct Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 152

15.07.2016 15:42
#7 RE: Wantenspan auf Spant gerissen Zitat · Antworten

...Du scheinst ja ganz schön viel Zeit zu haben.... so viel Text und trotzdem, ich bleibe dabei: Wenn die Reparaturkosten den Wert des Bootes übersteigen, dann hat man eben ein wirtschaftlichen Totalschaden. Dann ist das eine Gefühlssache wie man damit umgeht. Wirtschaftlich gesehen müsste man das Boot dann verschrotten oder Teil(e)-verkaufen und sich ein neues Boot kaufen. Boote werden einem hinterher geschmissen und sind billig wie gebrauchte Autos.

mathias1985 Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 26

16.07.2016 21:17
#8 RE: Wantenspan auf Spant gerissen Zitat · Antworten

Nun mal ein aktueller Stand zu meiner "Lady".

Den ersten Rückschlag habe ich am Freitag bekommen, als mein örtlicher Bootsbauer mir einen Kostenvoranschlag von ca. 4500€ unterbreitete.
Das wäre quasi ein Wirtschaftlicher Totalschaden, nach dem ich Sie erst im März gekauft habe.
Jedoch nach dem ich im Frühjahr das komplette Unterwasserschiff neu Aufgebaut habe (Abgeschliffen bis aufs GFK) möchte ich mich von der kleinen Lady nicht gleich trennen.
Beim Kaufen haben wir sogar extra darauf geachtet das es nicht "Weich" auf dem Deck ist, es knarrt nix, keine Risse oder ähnliches.

Heute habe ich angefangen das GFK in dem Bereich von innen aufzuschneiden mittels Multitool.
Hierbei habe ich mich Stück für Stück rund im das Püttingeisen herum gearbeitet und reichlich feuchtes Balsaholz? rausgeholt.
Derzeit bin ich bei einer Fläche von 15x20cm, nach Testbohrungen wird es wohl etwa so bleiben.

Warum habe ich es von unten gemacht . . . ganz einfach, ich will die Struktur vom Deck möglichst erhalten.

Nun muss ich überlegen wie ich das Sandwich mit 1,5cm Balsaholz wieder aufbauen kann.
Im Internet ließt man ja das Airex Platte nicht schlecht sind aber auch teuer (großpackungen)
Alternativ könnte ich wieder Balsaholz nehmen, nur bin ich bisher im "Baumark" noch nicht fündig geworden.
Oder einfach ein anderes Material, OSB,MDF?

Gerne kann ich euch noch ein Bild hochladen falls ihr interesse habt.

Derzeit liegt das Boot noch im Wasser und eigentlich wollte ich versuchen den Schaden im Wasser zu Reparieren, da mich slippen, Vertauen und zum Privatgrund fahren auch einen Tag Arbeitszeit kostet.
Zudem kann man wenigstens noch Baden fahren falls es hier endlich mal Sommer wird :)

Was mich auf der anderen Seite erwartet weiß ich noch nicht, jedoch "fühlt" sich das Deck wirklich nicht weich an.

Zum Aufbau Plan sieht es derzeit so aus.

Ich werde die Stelle frei legen und neues Sandwich Material einbringen.
Das ganze wird dann mit Epoxy-Harz mit Baumwollflocken eingeklebt und von unten neu über Laminiert.
Damit das Deck von oben wieder "schick" aussieht werden ich eine Lage GFK von innen unter das Deckslaminat kleben und damit die "defekte Stelle neue Laminieren.
Von oben dann mit TopCoat neu "Einpinseln".
Um den Bereich dennoch nochmal zu Verstärken überlege ich weiterhin eine "Edelstahlplatte" von innen unter das GFK Deck zu verkleben.
Damit würde die "Zuglast" aus meiner Sicht auf eine größere Fläche gegeben.

Zum Thema Spant habe ich noch keine aktive Idee, ich denke ich werde erstmal das Flacheisen freilegen und das Gelcoat bis aufs GFK abschleifen.
Eventuell klebe ich das Flacheisen dann mit GFK-Laminat neu ein und verschraube meine U-Profile entsprechend über das Spant, so wie es auf vielen Jantar Bildern im Internet zu sehen ist.

Bis dahin
Mathias

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

18.07.2016 09:52
#9 RE: Wantenspan auf Spant gerissen Zitat · Antworten

Hallo, so ein Kostenvoranschlag ist auch hilfreich, um den Aufwand und Wert der eigenen Arbeit abzuschätzen.
Ein Kostenvoranschlag von 4.500 ist natürlich heftig. Nimms sportlich, du hast gerade im Toplevel der Auftragssättigung nachgefragt.
Genausogut hätte man dir auch dieses Signal senden können (. - . - . - . - . -)

Meine Ansprüche an ein Boot sind deutlich höher, als an meine Autos. Das Thema wirtschaftlicher Totalschaden ist mir also nicht ganz fremd.

Wegen Minimengen Schaum würde ich mal mit dem Bootsbauer meines Vertrauens sprechen oder mit der erstbesten Tuningbude.
Kaufen kann man das bei ganz verschiedenen Anbietern, z.B. hier: http://www.bacuplast-shop.de/epages/6160...sbaumaterialien.
oder hier: http://www.ctmat.de/index.php/de/

Dass die Stahlplatte die Zugkräfte der Wanten besser verteilt ist klar. So ein aufgebautes Sandwichlaminat kann das auch. Was die Stahlplatte nicht kann sind die Schubkräfte abzuleiten, die aus der versetzten Anordnung des Püttingeisens entstehen. Dafür müsste sie vor dem Schliessen des Sandwiches fest eingeklebt werden.

Balsaholz. Warum nicht, nebenan ist ja wahrscheinlich auch Balsaholz drin. Allerdings hat es sich im Bereich des Püttings als problematisch herausgestellt. M.W. ist Balsaholz quer zur Faser auch nicht besonders druckstabil. Ich würde einen druckstabilen PVC-Schaum nehmen.

Aber nochmal - wenn du alle vorbereitenden Arbeiten und den Bootstransport und den Wiedereinbau, Reinigung und die Nacharbeiten selber machst, stehen am Ende für die übrig bleibenden Facharbeiten auch nicht 4500,- auf der Rechnung und du hast eine Reparaturrechnung.
Ohne Rechnung dürfte dein Boot als unverkäuflich gelten.

Dein Spant ist gebrochen und hat nach deiner Beschreibung eine Beule im Rumpf hinterlassen. Es dürfte einiges an fachlicher Erfahrung notwendig sein, so etwas zu reparieren.
Der Spant ist formgebend.
Es würde mich eher wundern, wenn man den an Bord reparieren kann.
Ich gehe davon aus, dass du zuerst auf der Gegensweite die Form abnehmen musst und Hilfsspanten bauen. Dafür kannst du dann auch mal in den Baumarkt und MDF-oder OSB-Platten kaufen, sonst hat so etwas nichts an Bord zu suchen. Links und rechts neben deiner Baustelle einen Hilsspant setzen und zum Kielkasten uder zur gegenüberliegenden Seite verspreizen, dann von aussen mit Straklatten kontrollieren, ob du die Beule raus hast und erst dann die eigentliche Reparaturstelle laminieren. Sonst verewigst du die Beule.



Der Aufwand der Vor- und Nacharbeiten ist nicht zu unterschätzen, aber ich gehe davon aus, dass du die Takelage schon runter hast, um den Bereich frei von Lasten zu machen und das Boot von innen aus- und freigeräumt hast, von Polstern bis Pantry, um an den defekten Spant und die Rumpfbeule und die Püttingstellen zu kommen und dir die Einbauten nicht mit Epoxi zu bekleckern und vor allem, um später keine Probleme zu haben mit dem feinen Glasstaub in den Polstern. (Und deinen Bronchien)
Was bleibt ist das Rausziehen an irgend einer Slipanlage. Das geht doch schnell.

Eventuell klebe ich das Flacheisen dann mit GFK-Laminat neu ein und verschraube meine U-Profile entsprechend über das Spant, so wie es auf vielen Jantar Bildern im Internet zu sehen ist.

Versuche bitte mal solche Bilder zu finden.
Der Spant selbst ist in einem ziemlich breiten Streifen auf den Rumpf geklebt. Dadurch insgesamt ein hochbelastbares Bauteil.
Das muss es auch nach der Reparatur sein, sonst kannst dir die Mühe sparen.
Auch dafür wäre eine Fachmeinung wichtig, was genau den Spant zerlegt hat, ob das der ursächliche oder der Folgeschaden war.
Die Art der Reparatur dürfte sich je nach Antwort stark unterscheiden.


Toll wäre, wenn du hier ein paar Bilder deiner Reparatur einstellst.

VG Eric

hgebauer Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 187

18.07.2016 12:12
#10 RE: Wantenspan auf Spant gerissen Zitat · Antworten

Zitat von eric im Beitrag #9

was genau den Spant zerlegt hat, ob das der ursächliche oder der Folgeschaden war



Endlich die entscheidende Frage! Bei sovielen anderen Jantars hält es ja. Was war also an diesem Boot anders? Zu hohe Wanten- (Vor-)Spannung? Fehlerhaft eingestellte Abspannung unter Deck? Fehlerhaft gefertigter Spant? Fehlerhaft gefertigte Spanteinlage? Der verottete Kern im Sandwich-Deck kann jedenfalls nicht ursächlich sein, denn das Deck kann ja und soll ja möglichst keine Biegelast aufnehmen. Die Zugkraft der Oberwantenanten muß von der Abspannung unter Deck auf die Spanten übertragen werden. (Um übermäßige Biegebeanspruchung auf das Deck zu vermeiden ist ja diese Abspannung längenverstellbar; sie sollte vor dem Spannen des Riggs etwas vorgespannt werden). Das Deck wird zwangsläufig auf Schub beansprucht. Die Schubkraft ist nach schräg achtern in Richtung Bordwand gerichtet ist und rührt aus der abgewinkelten Zugrichtung von Oberwant und Abspannung. (Man könnte um dies deutlich zu machen ein Kräfteparalellogramm zeichnen. Die Winkel sind am Boot messbar. Von den Kräften ist mit geringem Aufwand leider nur die durch die Riggvorspannung erzeugte Kraft im Oberwant messbar).
Über die richtige Einstellung von Rigg und Abspannung habe ich hier früher schon mal ausführlich berichtet.
Wurde da beim Aufriggen was falsch gemacht?
Helmut

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

18.07.2016 14:11
#11 RE: Wantenspan auf Spant gerissen Zitat · Antworten

Zitat von hgebauer im Beitrag #10
Zitat von eric im Beitrag #9

was genau den Spant zerlegt hat, ob das der ursächliche oder der Folgeschaden war



Endlich die entscheidende Frage! Bei sovielen anderen Jantars hält es ja. Was war also an diesem Boot anders? ...



Hallo Helmut, die im Foto gezeigte Zwischenlage war verrottet.
Das passiert bei Holzeinlagen schnell, wenn an den Püttingeisen Feuchtigkeit eintritt, kann sie sich kapillar sonstwohin ziehen und wo die Feuchte nicht mehr weg kann, beginnt der Gammel.
Wenn die Innenlage fault, verliert sie die Druckstabilität.
Zieht jetzt der Want in der Welle (dabei geht es um Millimeter) am Püttingeisen und dem Unterlegblech, beginnt es im angrenzenden Laminat zu arbeiten, Welle für Welle, Lastwechsel für Lastwechsel, Jahr um Jahr, bis sich an irgend einer Stelle genügend Polyester von Glasgelege gelöst hat. Die Glasfasern selber halten ja nichts.

Es ist durchaus möglich, dass dieser Prozess der Anfang war.

Das im unteren Teil des Rods vorhandene Gelenk ist schlitzgeführt durch die Spannhülse, hat also nur eine Bewegungsrichtung frei.
Verdreht man diese Anordnung um ein paar Grad, biegt es die Gabel der Spannhülse auf oder das GfK wird durch die Scherkräfte des eigenen Inlays beschädigt.

Bei einem Kugelgelenk wäre der Spant wahrscheinlich ganz geblieben. Das herausgebrochene Deck könnte genügend Spielraum zugelassen haben, um unten am Rod eine Verdrehung zu erzeugen, paar Wellen später hat es den Spant zerlegt. Auch das Metallinlay scheint verdreht.

Vielleicht scheint es müßig, sich darüber Gedanken zu machen, doch dieser Schaden ist ziemlich beunruhigend.
Verliert eine moderne Serienyacht ihren Kiel, sitzen ja auch nicht alle anderen da und denken sich, ach, bei allen anderen hält es doch, sondern es schleicht sich ein mulmiges Gefühl ein.

Zum anderen dürfte sich die Reparaturmethode unterscheiden.

Ist der Schaden so abgelaufen, wie angenommen, kann man den Spant ganz genauso wieder herstellen und konzentriert sich aufs Deck.
Dann wäre es nicht nötig, sich zusätzliche Kraftableitungen in den Rumpf auszudenken.

Leider ist m. E. diese Konstruktion keine Sternstunde des modernen Yachtbaus, obwohl das auf allen Jantars und etlichen anderen Booten des Konstrukteurs genau so gelöst ist. Alle anderen bauen ja die Wanten dahin, wo sie gebraucht werden und hängen dann die Rods ohne Kraftumleitung drunter.
Vorteil ist die Entkoppelung. Solange der Stahl hält und die Schrauben der Unterzüge, (was ja hier auch gehalten hat) wird unter Deck nichts kaputt gehen. Bei der Jantar ist diese Konstruktion gekoppelt.
Das heisst, versagt das Deck, (was bei allen anderen Konstruktionen ja nicht interessiert) gibt es einen gekoppelten Folgeschaden, bei dem es am Ende den Mast kosten kann.
Sowas passiert ja nicht Sonntag nachmittag in der Box am Wannsee, sondern dann, wenn man es gerade absolut nicht gebrauchen kann, weil man wettertechnisch schon genug andere Probleme hat.

@SCT - warum ich darauf Zeit verwende?
Weil mir diese Konstruktion Kopfschmerzen verursacht und weil ich, seit ich die Jantar habe, mit genau so einer Sache rechne.

Deshalb ist mir nicht nur eine Fachmeinung zur Ursache wichtig, sondern auch, eine Fachmeinung, wie man diesen Bereich ertüchtigt, BEVOR sowas passiert oder wie man das fachgerecht repariert.
Deshalb möchte ich Thomas ans Herz legen, sich genau diesen Rat von einem erfahrenen Bootsbauer im Kleinkreuzersegment einzuholen und gemeinsam mit dem die Reparatur zu planen.

VG Eric

mathias1985 Offline

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Beiträge: 26

18.07.2016 20:35
#12 RE: Wantenspan auf Spant gerissen Zitat · Antworten

Nur mal ein kleiner zwischen Bereicht.

Ich habe heute die Schadensstelle am Spant freigelegt.
Das GFK ist an der Stelle komplett durchgebrochen bis zur eigentlichen Bordwand.

Auch kann ich euch sagen das der Spant quasi nur aus dem Flachblech besteht.
Dahinter befindet sich nur Schaum.

Ebenfalls habe ich heute noch eine Probebohrung oberhalb des Flachbleches gemacht in der hälfte zwischen der oberen Schrauben und dem oberen Ende des Spantes.
Das Blech geht an der Stelle nicht viel weiter nach Oben!
Ich vermutte jedoch das es komplett und im Ganzen von "unten" kommt, ansonste wäre die Statische Funktion etwas merkwürdig.

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https://www.ebay-kleinanzeigen.de/s-anze...602484-211-1986

eric Offline

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Beiträge: 743

19.07.2016 09:39
#13 RE: Wantenspan auf Spant gerissen Zitat · Antworten

Zitat von mathias1985 im Beitrag #12
Nur mal ein kleiner zwischen Bereicht.

Ich habe heute die Schadensstelle am Spant freigelegt.
Das GFK ist an der Stelle komplett durchgebrochen bis zur eigentlichen Bordwand.


Kannst du Fotos machen?

Auch kann ich euch sagen das der Spant quasi nur aus dem Flachblech besteht.
Dahinter befindet sich nur Schaum.


Das ist nicht ganz richtig. Der Spant ist ein eingeklebtes U-Profil, welches gegen die Lastrichtung gebogen ist. So etwas ist hochstabil und solange man da nichts mechanisch zerstört auch in allen Richtungen hochbelastbar. Schaum könnte drin sein, damit es keine Schallverstärkungen gibt und um Kondensfeuchte zu verhindern. Das Metallinlay ist nur die Lastverteilung.
Eine ohne Lastverteilung eingetragene Punktlast würde diesem Bauteil eine Sollbruchstelle hinzufügen.
Das gleiche passiert, wenn diese Lastverteilung beschädigt wird.

Die Lösung in der gezeigten Annonce halte ich für falsch.
Das meinte ich schon mal, als ich sagte, dass man so ein Bauteil besser nicht in der Risszone anbohren sollte.
Dahinter ist nichts als das reine GfK-Teil ohne Lastverteilung und das wird noch angebohrt?! Würde ich nicht machen.

Ebenfalls habe ich heute noch eine Probebohrung oberhalb des Flachbleches gemacht in der hälfte zwischen der oberen Schrauben und dem oberen Ende des Spantes.
Das Blech geht an der Stelle nicht viel weiter nach Oben!


Muss es ja auch nicht. Der Spant selbst ist das Bauteil, das die Kräfte aufnimmt, das Metallinlay ist nur die Lastverteilung.

Ich vermutte jedoch das es komplett und im Ganzen von "unten" kommt, ansonste wäre die Statische Funktion etwas merkwürdig.
Nö, solange ein U-Träger nicht verdrillen oder knicken kann, ist er hochbelastbar. Das wird durch die wanddicke erreicht und die eigentliche Geometrie und durch das Fixieren der Kanten. Das funktioniert aber nur, solange an dem Gebilde nicht irgendwas kaputt geht.

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Ja, spannende Details. Ich bin ganz froh, dass die Konstrukteure der kleinen Jantar auch im Inneren eine Weiterentwicklung gegönnt haben. Mein Innenausbau sieht doch um einiges hochwertiger aus. Die flache Plane ist eine interessante Idee.

Die eigentliche "Verstärkung" halte ich jedoch für falsch. Statisch nicht nachvollziehbar, da man dem seitlichen Zug des Rods noch einen zusätzlichen Hebelarm hinzugefügt hat. Dadurch entsteht ein zusätzliches Moment, was vorher nicht da war.

Mit dem Anbohren der Risszone riskiert man zusätzlich noch eine Schwächung des eigentlich tragenden Spants und trägt genau dort noch eine dynamische Kraft ein. Jede Welle, jeder Lastwechsel im Rigg ruckt genau dort, wo man Löcher bohren müsste, um so ein Bauteil kaputt zu kriegen, verstärkt um einen Hebelarm? Wozu soll das gut sein?

Murphys Gesetze: Fehler summieren sich stets in die ungünstige Richtung.

Genau deshalb reite ich ja darauf herum, so etwas ausschliesslich mit einem reparaturerfahrenen Bootsbauer zu planen. Der Edelstrahlschmied kann nur der nachrangige Fachmann sein, sonst kommt genau so etwas dabei heraus.

VG Eric

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

21.07.2016 15:36
#14 RE: Wantenspan auf Spant gerissen Zitat · Antworten

Hallo Mathias, wie kommst du voran? Konntest du deine Baustelle schon mal einem Fachmann zeigen?

Mir ist noch etwas aufgefallen, was die Ursache des Unfalls in ein anderes Licht stellt und das hat mit der eigenartigen Deformation des unteren Beschlages und des Metallinlays zu tun.

Am beschädigten Spant ist die Auflagefläche des Beschlages seltsamerweise intakt. Gleichzeitig ist der Beschlag im oberen Bereich ebenfalls intakt, im unteren Bereich jedoch nach innen umgebogen.

Bei einem reinen Versagen des Inlays wäre es genau anders herum, da wäre der obere Bereich verbogen.
Irgendwie habe ich die Ahnung, dass sich dein Spant zumindest im oberen Teil von der Bordwand gelöst hat.

Schau doch bitte mal nach, ob das so ist. Die Bespannung musst du ja ohnehin abmachen.

Wenn das so ist, ändert sich auch die Art der Reparatur.
Zumindest kannst du auf der gegenüberliegenden Seite auch gleich nachsehen, ob es hier Anzeichen gibt für eine unzureichende Laminierung der Spant-Rumpf-Verbindung.

Da der Spant ein formgebendes und ausserdem noch sichtbares Bauteil ist, ist es naheliegend, die Form von der Steuerbordseite abzunehmen, einen großen Bereich und in dieser Negativform einen neuen Spant zu laminieren und den dann erst unterm Küchenblock mit dem alten Spant zu verbinden.
So bekommst du im Sichtbereich eine saubere Baustelle und kriegst die Form des Rumpfes wieder hin und dort, wo keine Gefahr mehr besteht, sich Beulen zu verewigen, weil dort die Jantar durch Stringer und Bodengruppe ausgesteift ist, kannst du wieder über Tage arbeiten und die beiden Bauteile von oben zusammenlaminieren. Auch die Einlage eines Inlays sollte in einem vorher fertig laminierten Bauteil einfacher sein.
Form und Oberfläche sind bei dieser Bauweise am einfachsten wieder herzustellen.


Ein zweiter Punkt ist auch noch interessant, der betrifft die unterschiedlichen Püttingeisen strb und bb.

Bei deiner Jantar und bei meiner auch, sind die Püttingeisen auf einer Seite verdreht, das heisst, sie folgen nicht dem Bewegungskreis der Wantenspanner beim Mastlegen und Stellen, sondern sind genau anders herum, in Sperrichtung, so dass sich beim Masttellen die Wantenspanner verhaken können, wenn man nicht aufpasst oder vorsorgt.
Bleibt das unbemerkt, treten hier kurz bevor der Mast senkrecht steht, enorme Hebelkräfte auf, die dann möglicherweise bei einer geschwächten Deckeinlage unmittelbar als Drehmoment in des Püttingeisen eingleitet werden und von dort auf die angrenzende Decksplatte verteilt werden.

Ausgerechnet dieses Püttingeisen in Sperrichtung ist bei dir betroffen.

Ich ging bislang davon aus, dass der Arm des Rods an die obere Platte geschweisst wurde und dass man diese "Montagsidee" wahrscheinlich nicht abändern kann.
Hier würde ich dich um ein Detailfoto des Bereiches der Unterzugstange bitten und zwar ohne die Holzeinlage.

VG Eric

mathias1985 Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 26

19.11.2016 19:42
#15 RE: Wantenspan auf Spant gerissen Zitat · Antworten

Hallo zusammen,

die Saison 2016 ist ja nun leider vorbei und ich kann euch über meine finde ich erfolgreiche Reperatur berichten.
Bisher hält diese gut.
Grundsätzlich war meine Jantar nach ein paar Tagen Arbeit wieder startklar.

Ich habe das Deck von unten Aufgeschnitten und den faulen Kern entfernt.
Im Bild kann man gut sehen das der faule Kern garnicht so groß war.
Danach habe ich Keilförmig neu Aufgebaut und mit Epoxidharz und Matte ein neues Sandwich erstellt.
Ebenso wurde der Spant neu Auflaminiert um die Festigkeit wiederherzustellen.
In der Stahleinlage vom Spant habe ich mittels Gewindschneider 4 neue Gewinde geschnitten, da die alten nicht mehr die Festigkeit hatten.

Um eine bessere Kraftübertragung zwischen Unterdeck und Pütting Aufdeck zu verbessern, wurde Unterdeck eine Schwimmende V4A Platte gesetzt.
Damit wird der Zug vom Pütting nicht komplett aufs Rod gezogen und die kleine "Schrauben" vom Pütting ziehen nicht gleich durchs Deck.
Das Gelcoat Laminat Aufdeck habe ich wieder eingeklebt und abgedichtet.

Zum Schluss natürlich das Pütting mit Sikaflex korrekt eingeklebt.

Im Winterlager ist das Pütting auf Steuerbord dran.

Anbei ein paar Bilder



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