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Dieses Thema hat 7 Antworten
und wurde 245 mal aufgerufen
 Tipps und Technik
sct Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 152

17.06.2019 12:38
Elektrische Verbindung von Mastfuss und Steckkiel ? Zitat · Antworten

Hallo Leute,

da gerade bei uns so viele Gewitter hinwegziehen möchte ich eine Debatte anstoßen wie man sich bei unserem Boot so gut wie möglich für einen Blitzschutz sorgen könnte.
Ich denke der sicherste Schutz vor Gewitterblitzen wäre eine sichere Ableitung über den Kiel ins Wasser. Da der Alu-Mast der höchste Punkt an einem Segelboot ist, schlägt der Blitz dann wohl höchstwahrscheinlich dort auch ein. Zumindest bei meinem Boot ist dann aber schon Schluss, denn eine wirklich gut leitende Verbindung zwischen Mastfuß und Kiel gibt es bei meinem Boot (eine Sportina 595) nicht. Man findet da höchstens den 4-fach Flaschenzug vor welche die Kielholemechanik treibt. Das Seil ist aber aus nichtleitendem "Zeugs".

Wie ist das bei einer Jantar gelöst? Gibt es da eine sichere elektrische Verbindung vom Mastfuß zum Kiel die kurzzeitig so 10.000A verträgt? Wie würde sich das mit einfachen Mtteln bewerkstelligen lassen?

Was meint ihr?

Ciao
SCT

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

17.06.2019 19:14
#2 RE: Elektrische Verbindung von Mastfuss und Steckkiel ? Zitat · Antworten

Hi, SCT, Blitzschutz auf Booten ist eine Jahr für Jahr wiederkehrende Debatte, die auch gerne Segelzeitschriften und Ratgeberbücher füllt mit dem Ergebnis - nichts genaues weiss man nicht.

Zur Sachlage bei Blitzen weiss man heute dank hochentwickelter Highspeedkameras, dass es eine Art Leitblitz gibt, der von der Erde ausgeht. Zumindest bei den Blitzen, die sich nicht innerhalb der Gewitterwolke austauschen, sondern die den Potentialausgleich auf der Erde herstellen.
Das würde bedeuten, dass man mit einer elektrisch durchgehenden Verbindung den Blitz praktisch einlädt, in die Takelage einzuschlagen.
Was ich jetzt persönlich für unwitzig halten würde.

Ganz, ganz früher (kurz nach der Steinzeit) haben mir Mitsegler auch erzählt, dass man starke Kupferleitungen an die Wanten klemmen soll.
Habe ich noch nie gemacht. Kenne auch niemanden, der das schon mal gemacht hätte oder gar damit Erfolg gehabt hätte. Wobei ich einen Blitzeinschlag jetzt nicht unbedingt als Erfolg werten würde.

Bei uns liegen in einer Seenbucht ganz viele Segelboote, auch welche mit ganz hohen Masten. Daneben ist Wald. Noch höher als die höchsten Masten. Soweit ich informiert bin, hat da noch nichts eingeschlagen. Unseren Verein gibt es schon seit 120 Jahren, die anderen Vereine haben ähnliche Zeiten auf dem Buckel. Wurde auch noch nie ein Schwimmer vom Blitz erschlagen, wobei ich ehrlich sein muss, das probiert auch keiner aus.

Auch auf See habe ich schon in Gewittern gesteckt, weit und breit der Einzige, der da mit 8,50 m Blitzableiter rumgesegelt ist, aber ich wurde verschont. In Seehäfen sind die Masten ja gerne nochmal ein paar Hausnummern höher, als Binnen, aber auch da noch nichts von Blitzeinschlägen gehört.
Vor einigen Jahren habe ich mal einen Tango-Segler getroffen, das Boot ist etwas dicker als die Jantar, kommt aber aus der gleichen Feder.
Der hatte einen Metallenen Puschel neben dem Windex. Das halte ich für Voodoo.
Er sagt, es funktioniert. Ja schon, ungefähr genausogut, wie keinen Puschel drauf.

Die andere Seite ist die, dass es ja landseitig schon Todesfälle gab. Bei Booten habe ich das noch nicht gehört.
Blitzschäden sind idR die Zerstörung der Elektronik durch Spannungsspitzen - bei unserer Basisausstattung sicher verschmerzbar und wen es doch mal erwischt, der berichtet über winzige Abplatzungen im GfK und stecknadelkopfgrosse Löcher.
So auch der einzige Blitzeinschlag, von dem ich vor etlichen Jahren mal in der Yacht gelesen habe, ein Jollenkreuzer in den Schwedischen Schären, aber der hatte auch einen Carbonmast.

Auf jeden Fall habe ich in der Nacht zu Mittwoch über Blitzschutz nachgedacht, zufällig über die gleiche Lösung, die dir vorschwebt.

Dort sind wir auf breiter Front heimgesucht worden mit abartigen Windgeschwindigkeiten. Jantarchen hat sich wie wild gebärdet und fast eine Stunde lang am Anker gerissen, hat sich trotz abgesenktem Grossbaum und voll abgelassenem Kiel ein paarmal schwer auf die Seite gelegt und so ein infernalisches Feuerwerk an nicht enden wollenden Blitzen habe ich in meiner ganzen Segelzeit noch nicht erlebt. Die Blitze kamen so schnell hintereinander, dass die ganze Szenerie wie ausgeleuchtet war. Schneller als im Sekundentakt.
Dass der Wind dabei um 180 grad gekippt war, hat die Sache nicht einfacher gemacht, denn wir haben statt Landabdeckung die volle Breitseite des Sees abbekommen, mit den entsprechenden Wellen.
Ja, Wandersegeln eben, soll mal keiner sagen, dass es nur auf See rauh zugehen kann.

Blitzeinschläge in den Mast? Nein.
Aber ich kann auch nicht sagen, warum nicht.
Andererseits habe ich auch kein Glück im Lotto. Vielleicht hängt das zusammen.

Blitzschutz baue ich erstmal keinen an.
Eins ist aber klar, meinen guten Stockanker werde ich eines Tages vergolden lassen und 40m Ankerleine sind auch eine Ansage, die wir schon ein paarmal voll genutzt haben.

VG Eric

sct Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 152

18.06.2019 14:54
#3 RE: Elektrische Verbindung von Mastfuss und Steckkiel ? Zitat · Antworten

Hi Eric,

man muß dabei bedenken dass man ja nicht immer an Bord ist wenn ein Gewitter ansteht. Ich persönlich würde ohnehin immer - soweit nur irgend möglich - an Land gehen und das Gewitter dort abwarten. Für meine Freundin und mich sind Gewitter auf dem Wasser traumatische Erlebnisse die ich nicht unbedingt haben muß. Wir hatten 2014 schon einmal das Vergnügen auf dem Wannsee als ein plötzlich einbrechendes Gewitter über uns zog. Damals kippten die Jollen reihenweise um - stand sogar in der Zeitung.
Ich persönlich habe schon zusammen mit meiner Freundin mehrfach Blitze in Boote einschlagen sehen (Stössensee, Berlin). Wichtig für mich wäre also ein Blitzschutz in der Art dass der Blitz nicht das GFK durchschlägt oder gar in das Bootsinnere (Kajüte) eindringt falls man doch im Boot verbleiben muß und auch wegen Brandschutz.

Letztes Jahr schliefen wir vor der Pfaueninsel. Um halb vier in der Nacht stand ein Gewitter über Falkensee und zog dann nach Norden ab. Wir wurden nochmal verschont. Aber man kann ja nie wissen.

Ciao
SCT

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

18.06.2019 16:13
#4 RE: Elektrische Verbindung von Mastfuss und Steckkiel ? Zitat · Antworten

Hi SCT, das sind verschiedene Dinge - Vorgewitterböen - sehr gefährlich, direkte Blitzeinschläge - sicher auch sehr gefährlich, aber eher nicht so häufig.
Es gibt im Jahr rd 10.000 Todesfälle im Haushalt - Hausputz ist seeeehr gefährlich. Hier sollte man sich auf das unvermeidbare Minimum beschränken.

Bevor wir weiter über die Wahrscheinlichkeit von Lottogewinnen und Blitztreffern philosophieren, hier mal was von der forschenden Seite:

https://www.vde.com/resource/blob/936764...wnload-data.pdf

Zusammengefasst - nix genaues weiss man nicht.

Um aber einen schützenden Faradayschen Käfig zu errichten, müsstest du jedes Drahtseil deiner Takelage und jede Relingsstütze einbeziehen in die Ableitung übers Kiel und ob der Blitz dann deine Topbeleuchtung nicht viel leckerer findet und über die Stromverorgung geht, weisst du auch nicht und da fängt der Zinober schon an.
Bevor du das, was der VDE empfiehlt, auf deiner Jantar eingebaut hast, in der Hoffnung, es möge helfen (was ja keiner weiss) für den extrem seltenen Fall, dass der Blitz tatsächlich deine Yacht mag und nicht einen Meter neben dir ins Wasser ballert, hast du einen enormen Aufwand und weisst nicht, ob es hilft oder eher schadet.

Die Sache mit den Leitblitzen, die vom Boot ausgehen, steht auch in dem Merkblatt.

Was auf jeden Fall vernünftig ist, ist in der Marina die Landstromverbindung zu trennen, sich min, 10 cm von allen leitenden Teilen wegzuhalten, dazu zählen auch nassgeregnete Fallen und Ankerleinen in Salzwasser sowieso, nicht draussen zu stehen und wenn es dich unterweg erwischt, musst du dich ja beim Sturmsegeln nicht noch hinstellen.

Ich glaube, es ist eine überbewertete Gefahr.
Nichts desto trotz ist ein Gewitter an Bord eine elementare Naturerfahrung, die man jetzt auch nicht jeden Tag haben muss. Wir waren letzten Mittwoch dran und uns war absolut nicht zum Lachen. Insofern verstehe ich dich sehr gut.

Helm aufsetzen beim Radfahren im Berufsverkehr, das bringt eher was, wenn man sich nicht gerade zwischen den Zwillingsreifen eines abbiegenden Tanklastzuges befindet.

Ich bin wieder ungerecht.
Die Logistikmafia hat ja jetzt so schöne Aufkleber auf den LKW, an Zynismus kaum noch zu überbieten, vor allem für Kinder.
Vielleicht um davon abzulenken, dass sie wieder den Gesetzgeber in die butterweichen Knie gezwungen haben?

Abbiegeassistent? Aber mit mir doch nicht.


Radfahrer! Mensch jetzt pass doch jetzt mal auf!


Ja danke, gut, dass das dasteht, ich Dummerchen hätte mich ohne den Aufkleber beinahe unter den LKW geworfen.

Rd 80.000 Radfahrer verunglücken pro Jahr in Deutschland, ca 400 tötlich.

Radfahrer, bitte nicht den rollenden Schwerlastverkehr behindern.



Sagen wir mal so, aus Risikosicht - Was ist wirklich gefährlich und was eher nicht?

Zahl der in Dr. Scheuers Amtszeit als Bundesverkehrsminister durch abbiegende LKW getöteten Radfahrer? ca 200
Davon Kinder? ca 20

Zahl der durch Blitzeinschlag getöteten Segler in den letzten 100 Jahren?

Selbst der Leitwolf der Versicherer gibt keine weiteren Hinweise, als den Hauptschalter auszumachen, die Elektronik zu entkoppeln und den Stecker von der Verteilerdose im Hafen rauszuziehen, im Boot bleiben und nix anfassen, was Strom leitet.

VG Eric

hgebauer Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 187

21.06.2019 20:29
#5 RE: Elektrische Verbindung von Mastfuss und Steckkiel ? Zitat · Antworten

Hallo eric, hallo SCT.
Eric hat es ja richtigerweise schon betont, dass die Wahrscheinlichkeit im Boot einen Körperschaden durch Blitzeinschlag zu erleiden erfahrungsgemäß extrem gering ist und dass Blitzschutzmaßnahmen auf dem Boot von recht zweifelhaftem Wert sind.
Trotz des Wissens über die extrem geringe Wahrscheinlichkeit, ist das Gefühl in diesem Bötchen den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert zu sein recht besch... Wir alle drei haben das ja schon erlebt und kennen dieses Gefühl.
Und SCT hat mal kurz die meiner Meinung nach richtige Lösung angerissen: Rechtzeitig abhauen! (Klar, dass diese Lösung nur auf Binnengewässern geht, nicht auf See). Also sollte alle Energie und sollten alle Ressourcen darauf verwendet werden, gar nicht erst in die Situation zu kommen, ein Gewitter auf dem Wasser durchstehen zu müssen.
Was ist dazu hilfreich?
Fürs Rechtzeitige: Stets aufmerksame Bobachtung des Himmels, Wolkenkenntnis, Wetter- und Gewitter- Apps, Blitzwarngeräte, Beachtung der öffentlichen Sturmwarnung (soweit vorhanden). Bei vorhergesagter Gewittermöglichkeit besondere Aufmerksamkeit aufs Wetter richten.
Fürs Abhauen: Gute und zuverlässige Motorisierung, (auf keinem Fall Elektro) stets voller Tank. Bei vorhergesagter Gewittermöglichkeit nicht zu weit vom Ufer weg.
Fürs Anlanden: Gute Ortskenntnis (Wohin kann ich? Wo ist ufernah erreichbarer und schützender Wald? Wo kann ich ankern? Wo komme ich ans Ufer). Zuverlässiges Echolot.
Literaturtipps:
Michael Herrmann, Palstek-Verlag "Elektrik auf Yachten". Kapitel Blitzschutz. (Praktische Durchführung für jemanden, der unbedingt sein Boot "blitzsicher" machen will).
Thomas Käsbohrer. millemari-Verlag, "Gewitter Segeln, Seemannschaft und Grenzerfahrung, 40 Segler berichten". (Beleuchtet mehr den psychologischen Aspekt).
Hilfreiche Apps: WarnWetter vom DWD, Blitzalarm von Nowcast.
Elektronisches Gewitterwarngerät: Lightning Alarm von AcuRite.
Helmut.
PS. Als Wettfahrtleiter auf einem Binnengewässer, sind wir besonders sensibel in diesen Dingen, denn wir tragen Verantwortung für viele, viele Segler.

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

24.06.2019 23:51
#6 RE: Elektrische Verbindung von Mastfuss und Steckkiel ? Zitat · Antworten

Zitat von hgebauer im Beitrag #5
...dass die Wahrscheinlichkeit im Boot einen Körperschaden durch Blitzeinschlag zu erleiden erfahrungsgemäß extrem gering ist und dass Blitzschutzmaßnahmen auf dem Boot von recht zweifelhaftem Wert sind.


Hi an alle, gut zusammengefasst. Auch ein Einschlag in ein Boot an sich ist aus welchen Gründen auch immer, extrem selten.
Dem gegenüber steht ein enormer Aufwand, dessen Schutzwirkung nicht nachgewiesen ist. Im Gegenteil - in dem VDE-Beitrag ist ja ebenfalls beschrieben, dass es einen Leitblitz vom Boot zum Blitz selbst gibt und den wird es noch eher geben, wenn eine Erdung hergestellt wurde. Da der Blitz aller Wahrscheinlichkeit nach über die Wanten abgeleitet wird, die dann bei Drahtstärke 5mm ohnehin verbrannt sind, oder so geschwächt, dass an weitersegeln und Sturmnacht durchstehen nicht zu denken ist, müsste ja noch eine wirksame Ableitung zum Kiel geschaffen werden und zu den Stagen, zu nassen Fallen, zur Reling Bug- und Heckkörben, Relingsstützen... das kann man doch vergessen, das das klappt.

Trotz des Wissens über die extrem geringe Wahrscheinlichkeit, ist das Gefühl in diesem Bötchen den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert zu sein recht besch... Wir alle drei haben das ja schon erlebt und kennen dieses Gefühl.
Und SCT hat mal kurz die meiner Meinung nach richtige Lösung angerissen: Rechtzeitig abhauen!


Das wird nicht immer funktionieren und wenn man sich vertan hat, ist es extrem gefährlich, im aufgewühlten Seegang einen Hafen, auch Binnenhafen anzulaufen oder gar mit den nassen Festmachern am Metallsteg rumzufingern und sich dabei am Vorstag festzuhalten.
Ist eigentlich wie auf See. Hat man den Punkt verpasst, sollte man besser draussen bleiben.
Mit etwas Glück erwischt man Binnen die ablandige Seite - meine Erfahrung ist jedoch, dass der Wind vor und im Gewitter extrem turbulent ist und zu 99 Prozent nicht aus der Richtung über einen hereinbricht, die man erwartet hat.

(Klar, dass diese Lösung nur auf Binnengewässern geht, nicht auf See). Also sollte alle Energie und sollten alle Ressourcen darauf verwendet werden, gar nicht erst in die Situation zu kommen, ein Gewitter auf dem Wasser durchstehen zu müssen.

Na ja, wir machen Wandersegeln, also wir reisen mit der Jantar und wohnen dann drauf, so wie vorher mit etlichen anderen Booten...
Ausser bei den Seereisen liegen wir in der Regel nachts vor Anker.
Ich kann schon nicht mehr mitzählen, wie viele Gewitter ich am Anker durchlitten habe. Auch durchaus Hose-voll-Gewitter, so wie jüngst in der Woche nach Pfingsten. Eins der schlimmeren Sorte, fast 40 Min lang Rodeo am Anker und das keineswegs in der vorausgesagten Richtung.

Sogar einen Lerneffekt mit der Jantar habe ich hier ja mal als Warnung beschrieben, wegen einer Beinahekenterung in einer Vorgewitterböe bei hochgezogenem Kiel. Erst danach war mir klar, dass es keine gute Idee ist, sich knapp 300 kg Kielbalast über die Wasserlinie zu ziehen und dass die eine überraschende Eigendynamik entwickeln, wenn es das Boot auf die Seite wirft.

Schäden am Boot gab es in all den Jahren ausschliesslich in Häfen und in Landnähe. Ich habe im Sturm meinen ersten Anker verloren, aber da war ich noch total doof und dachte, man kann ein über den See rasendes Boot mit einem Anker zum halten bringen. Der Plan hätte auch beinahe geklappt, der Anker hat super gegriffen. Mir war nur nicht klar, wie heiss eine Nylonleine wird, wenn sie einem durch die Hand fetzt.

Todesfälle durch Blitze gibt es eher an Land.

Was ist dazu hilfreich?
Fürs Rechtzeitige: Stets aufmerksame Bobachtung des Himmels, Wolkenkenntnis, Wetter- und Gewitter- Apps, Blitzwarngeräte, Beachtung der öffentlichen Sturmwarnung (soweit vorhanden). Bei vorhergesagter Gewittermöglichkeit besondere Aufmerksamkeit aufs Wetter richten.

Auch hier lernen durch Schmerz - wenn der Himmel schwarz ist und schon Wetterleuchten und plötzlich ist der Wind ganz weg, ist das kein gutes Zeichen und vermutlich auch nicht der richtige Moment, die Lieblingsvorschoterin unnötig zu verunsichern durch die Bitte, doch mal das Ölzeug und die Rettungsweste rauszusuchen.

Kann man übertreiben, mit der Absicherung vor Wind und Wetter? Natürlich, in beide Richtungen, zu viel oder zu wenig.
Uns hat es zwischen Hiddensee und dem Darss flach aufs Wasser gelegt, von Null auf bft 8, alles an Segeln drauf, was geht, ungerefft, kein Ölzeug, keine Weste und ab in den Schlagregen in ein kompliziert betonntes Flachwassergebiet, mit dem ich mich am nächsten Tag mal genau beschäftigen wollte. Kann man noch mehr falsch machen? Weiss nicht, glaube das war das Maximum an Blödheit.

Aber die andere Richtung, auf See, anlaufen eines Legerwallhafen wegen kritischer Wettersituation abgebrochen, in der ersten Vorwarnböe schwer geackert, mit der Kleinen nicht umzufallen, im Reff 1 und 1/3 gereffter Fock, die Warnung der Lieblingsvorschoterin ernst genommen - "Da rast was auf uns zu111" - innerhalb einer Minute den Kahn sturmklar gemacht, Schott dicht, Tuch runter, Grossbaum runter, Fock weg und gesichert, Westen und Ölzeug hatten wir sowieso schon an, runter in die Plicht, festgepickt, alles verzurrt und dann noch eine fantastische Minute für die erschreckende Schönheit, mit der so eine Böenwalze quer über den Horizont heranrast, die unfassbare Brutalität, mit der das über einen hereinbricht, was mit der Luft passiert, mit den Wellen, dass es hohe Wellen wie mit einem Schlag flach drücken kann, dass weisses Wasser weit über Land fliegen kann und dann ging es auch schon rund.
Ehrlich, muss man auch nicht 2x haben.

Motor laufen lassen? Schleppanker, Trossen hinterherziehen lassen? Alles mal irgendwo gelesen, sogar noch beim Seeschein, alles nicht möglich.
Ablaufen vor Top und Takel, davon hatte ich schon mal gehört. Wellen aussteuern. Nun ja.
Die Logge der Jantar ist im Wellensurf mehrfach in den zweistelligen Bereich geraten. Tiefes Kiel- und Ruderbrummen, bis der Jahn wieder eintaucht und sich mit allen seinen Seegenen auf die vorauslaufende Welle schiebt, statt sich hineinzubohren und man ist gezwungen, immer wieder in die Wasserwände hinterm Heck zu gucken, um den Kahn für den nächsten wilden Surf richtig auszurichten und man glaubt nicht, dass es das Heck anhebt, bis es passiert. Man kann auch nicht wirklich hingucken. Gruselig.
Aber nicht halb so gruselig, sowas vor einer Hafeneinfahrt mitzumachen.

Mit abhauen kann auch immer weg von Land gemeint sein. Das sollte man einkalkulieren und sich darauf auch vorbereiten.

Was machen wir heute anders? Fast alles machen wir so, wie von Helmut beschrieben und zusätzlich schauen wir beim Windfinder in die Strömungskarten.
Erst dann in die regionalen Berechnungen. Die Strömungskarten sind grossräumig und sehr präzise. Die regionalen Auskoppelungen liegen oft daneben.
Wir fahren auf See IMMER mit Schwimmweste, vor dem Ablegen, nicht erst wenn es Hack gibt, wir besprechen die Tour und den Plan B und vielleicht noch C.
D behalte ich meist für mich. Ich lerne das auswendig, weil ich im Seegang keine Kartenarbeit mehr machen kann.
Essen und Trinken wird vorbereitet. Ölzeug und Lifebelts liegen griffbereit.

Auch binnen ein Plan B und C. So gut wie nie ist der aber, noch schnell in den Hafen zu rasen, wenn schon die Temperatur um 10 grad abrauscht.
Inzwischen habe ich mehr Sorge um fallende Bäume und ahnungsbefreite Bungalowbootkapitäne, als einfach in einer Bucht, 50m weg von Land den Anker reinzuhauen und 40m Seil hinterherzugeben.
Ja, das kann sehr unheimlich werden, gerade nachts, aber nur selten ist das so ein Theater, wie in einem Yachthafen. In Polen am Dammschen See habe ich einen schlimmen Sommersturm in einem Yachthafen abgewettert, mit abgerissenen Booten, umgebrochenen Bäumen und zerfetzten Persenningen. In der Regel passiert draussen nicht so viel.

Alles andere kann ich nur unterstützen, muss ja nicht jeder die selben Fehler nochmal machen.


Literaturtipps:
Michael Herrmann, Palstek-Verlag "Elektrik auf Yachten". Kapitel Blitzschutz. (Praktische Durchführung für jemanden, der unbedingt sein Boot "blitzsicher" machen will).


Und auf was kommen die? Geht es oder kann man es auch lassen?

Thomas Käsbohrer. millemari-Verlag, "Gewitter Segeln, Seemannschaft und Grenzerfahrung, 40 Segler berichten". (Beleuchtet mehr den psychologischen Aspekt).

Den gibt es auf jeden Fall.
Hilfreich könnte auch sein, wenn wenigstens einer an Bord die Nerven behält und die richtigen Worte findet, um die Mannschaft zu beruhigen.
"Wir werden alle sterben!!!" ist nicht sehr hilfreich und ausserdem höchst unwahrscheinlich.
Der Weg zum Bootshaus war um Längen riskanter. Darüber denkt komischerweise niemand mehr nach.

Toaster sind total gefährlich und nicht ganz aufgeklappte Haushaltsleitern, das Entfernen von Grasbatzen aus nachlaufenden Rasenmähern kommt jedenfalls häufiger vor. Sehr gefährlich. Gewitter an Bord eher nicht so. Wind und Hagelschlag durchaus.


Hilfreiche Apps: WarnWetter vom DWD, Blitzalarm von Nowcast.
Elektronisches Gewitterwarngerät: Lightning Alarm von AcuRite.


Dazu bitte ein paar Worte mehr, Helmut, das ist mir unbekannt.

PS. Als Wettfahrtleiter auf einem Binnengewässer, sind wir besonders sensibel in diesen Dingen, denn wir tragen Verantwortung für viele, viele Segler.
Ja, schon, vielleicht bei jüngeren. Ansonsten trägt jeder erwachsene Segler auch in Wettfahrten selbst die Verantwortung für Schiff und Mann und Maus.
Wenn es Masten knickt und die Hälfte des Jollenfeldes im Bach liegt, wird ja gerne mal auf die Wettfahrtleitung geschimpft. Aber das ändert garnichts an der Eigenverantwortung. In der Regel wird der Start verschoben, wenn es fast schon losgeht, wenn es aber nur nahe ist, wird bei uns nur Flagge Y gezogen für Schwimmwestenpflicht und zur Steuermannsbesprechung auf die besondere Wetterlage hingewiesen.
ggf. wird abgebrochen.

Am Ende des Tages sagt man oft - Wahnsinn, wäre keine Regatta gewesen, wir wären garantiert auf dem Steg hocken geblieben. So aber hatten wir einen harten, sehr sportlichen, aber schönen Segeltag und abends soll es Gewitter geben. Oder auch nicht, oder wo anders. Binnen eben.
Die Apps können auch nicht alles.

VG Eric

hgebauer Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 187

26.06.2019 20:59
#7 RE: Elektrische Verbindung von Mastfuss und Steckkiel ? Zitat · Antworten

Hilfreiche Apps: WarnWetter vom DWD, Blitzalarm von Nowcast.
Elektronisches Gewitterwarngerät: Lightning Alarm von AcuRite.
Dazu bitte ein paar Worte mehr, Helmut, das ist mir unbekannt.


Gerne.

Für die Gewittervorhersagen (heute gerne in einer App verpackt) gibt es zweierlei:
1. Die numerische Vorhersage. Sie gibt eigentlich nur an, dass im fraglichen Gebiet die Bedingungen für die Entstehung von Gewittern gegeben sind. Das heistt nur, dass es am eigenen Standort Gewitter geben könnte. Die "Warnung" wird in der Regel schon am Vortag herausgegeben. Ist gut zu Sensibilisierung. Typischer Vertreter ist WarnWetter vom DWD.
2. Nowcasts. Diese basieren auf (von stationären) Antennen gemessenen Blitzsignalen. Diese Signale werden zentral zusammengeführt und so der Blitzort ermittelt. Ist ein Blitzcluster nicht stationär, so wird es etwas beobachtet und dann werden Zugrichtung und Zuggeschwindigkeit ermittelt. Kann zu einer realistischeren Beurteilung für den eigenen Standort verwendet werden. (Nichts nutzt das natürlich bei einem Wärmegewitter, das sich erst am eig. Stanort bildet). Ein typischer Vertreter ist die App Blitzalarm der Fa. Nowcast.

Die Gewitterwarngeräte sind eigentlich nur modifizierte und angepasste Rundfunkempfänger. Der "Ligtning Alarm" (USA) zeigt jede (in einem Umkreis von 40 km detektierte Blitzerscheinung incl. der ungefähren Entfernung an. Die Richtung kann ein solches Gerät nicht wiedergeben. Das Gerät ist nur geeignet um zu erkennen, dass es tatsächlich gewittert. Obs einem trifft, kann man damit nicht ersehen.
Nach wie vor aber gilt, aufmerksamden den Himmel beobachten und RECHTZEITIG abhauen (wenns geht).
NB. Auf See sind Gewitter viel seltener als binnen.

Off topic: Die Verantwortlichkeit eines Wettfahrtleiters ist ein sehr spezielles Thema, bei dem es nicht genügt auf die Wettfahrtregeln (WR) zu verweisen, denn ggf. spricht da auch noch der Staatsanwalt mit, dem die WR herzlich wenig interessieren.

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

11.07.2019 13:42
#8 RE: Elektrische Verbindung von Mastfuss und Steckkiel ? Zitat · Antworten

uuuups.

https://www.berliner-kurier.de/news/pano...n-wird-32834054

OK, den schwachsinnigen Text kann man knicken, ist halt Kurier, da gehts nicht ohne Drama und Übertreibung.

Mast steht noch, Kahn schwimmt noch und da brennt auch nichts.

Trotzdem uih...
Vermute, er hatte sich als Einziger im Hafen eine elektrische Verbindung zwischen Kiel und Mast gebastelt.

VG Eric

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