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Dieses Thema hat 5 Antworten
und wurde 1.060 mal aufgerufen
 Tipps und Technik
eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

05.09.2014 12:12
Ankern mit der Jantar Zitat · Antworten

Wir ankern lieber, abends alleine auf einem See finden wir eben besser, als in einer Marina oder Steganlage zu liegen. Wann immer das Wetter ankern zulässt, bleiben wir draußen. Den Vorteil des Hubkielers, sich vollkommen flach zu machen, haben wir gerne und oft ausgenutzt.
Vor einigen Wochen haben wir auf einem Binnensee übernachtet, es sollten Schauer und Gewitter aufziehen und da in diesen Lagen der Wind oft dreht, haben wir uns weit genug vom Ufer eingehakt aber doch auf der Uferseite, aus der das Ungemach kommen sollte.
Abends war es nahezu windstill, ein wirklich herrlicher Abend, außer uns vielleicht noch 3-4 Boote auf einem der größeren Binnenseen Brandenburgs.
Bei fast Flaute bewegt sich die Jantar ja trotzdem hin und her und so dauerte es nicht lange und sie hatte sich mal wieder die Ankerleine ums Kiel gewickelt, die alte Nervensäge. So kann man nicht auf ein nahendes Gewitter warten. Also Rotweimglas abstellen und Kieltraining, irgendwann in tiefer Nacht noch die Plane übern Großbaum und die Feuerhand in die Wanten und dann ab in die Koje.

Das Gewitter kam gegen 02 Uhr, fast wie versprochen, setzte aber echt heftig ein. Da ich nicht besonders seefest bin, spürte ich sofort, wie die Jantar an der Leine hin und hergeschleudert wurde. Ab ins Ölzeug, draußen stockfinster. Ich war kaum an Deck, da hing sie sich quer in den Wind, die Wanten jaulten furchtbar, der See schon ein einziger Hexenkessel und plötzlich wurde sie so hart von einer Böe gepackt, dass ich dachte, wir kentern. Sie legte sich immer tiefer, statt die Böe wegzustecken und sich wieder hinzustellen. Spätestens jetzt war ich hellwach. Drinnen flog alles durcheinander und die Lieblingsvorschoterin war auch wieder wach und wollte gleich ins Ölzeug schlüpfen.
Ich habe mich ordentlich erschreckt, denn sowas habe ich noch nie mit irgend einem anderen Boot erlebt.

Als erstes habe ich dann das Kiel wieder auf volle Tiefe abgelassen, zum Glück hatten wir diesmal nicht im knietiefen Wasser geankert. Die damit einsetzenden wilden Kapriolen an der Ankerleine, sie schleuderte regelrecht herum, nahm Fahrt auf, drehte sich - das Gezicke konnte ich durch eine angehängte Pütz beruhigen, mein Anker hält zuverlässig und so lagen wir auch am nächsten Morgen noch ungefähr da, wo wir uns geparkt hatten.

Zwei große Motoryachten, deren Toplichter nachts vor dem Legerwallufer zu sehen waren, brachen noch mitten im Sturm auf und kamen zu uns rüber auf die abgedeckte Seite.

Ich nehme an, dass der Schwerpunkt der Jantar durch das Kielaufholen weit nach oben über die Wasserlinie wandert oder zumindest nahe heran. Da das Boot praktisch kaum Formstabilität besitzt, hat es dann dem angreifenden Wind nicht mehr viel entgegenzusetzen.
Im Stand ziehe ich auch das Kiel hoch und schon x mal beim Ankern, dann ist sie halt etwas kippliger, aber das merkt man ja kaum. Aber dass sie sowas auf Lager hat, damit hätte ich nie gerechnet. Nun weiss ichs und wer das hier mitliest, muss es nicht erst selbst ausprobieren.

Das war sicher eine harte Lektion, aber ich kann nur empfehlen, beim Ankern wenigstens ein Drittel des Kiels unten zu lassen. Ich habe die Edelsatahlausführung, da ist das Gewicht ohnehin im unteren Drittel.

VG Eric

ollie Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 40

05.09.2014 14:49
#2 RE: Ankern mit der Jantar Zitat · Antworten

Hallo Eric,

unsere hübsche Jantar hat ohne Kiel einen Tiefgang von 28 cm. Der Kiel hat seinen Ballast in den untersten 30 cm, ist insgesamt etwa 1,5 m lang.
Wenn Du den Kiel ganz hochziehst, dürfte somit der bereits der Kielschwerpunkt etwa 20-30 cm Zentimeter über der Wasserlinie liegen.

Daher reagiert das Boot dann auch sehr kippelig bei kräftigem Wind.
Warum ziehst Du überhaupt den Kiel hoch, wenn das Wasser doch tief genug ist?
An anderer Stelle hier im Forum habe ich gelesen, daß jemand mit der Jantar gekentert ist, dabei der Kiel hochrutschte und das Boot sich in dieser Situation nicht mehr selbst aufrichten konnte.
Ich würde also in jedem Fall beim Ankern den Kiel möglichst weit unten lassen!

Den fehlenden Lateralplan bei aufgeholtem Kiel habe ich gerade selbst buchstäblich erfahren:
in unserem Hafen in Lemmer hatte der Hafenmeister freundlicherweise beide Seiten der Slipanlage mit Booten belegt, und war nicht bereit, eins davon für eine halbe Stunde zu verholen.
Somit mußte ich mit aufgeholtem Kiel per Motor auf den Trailer fahren.
Dankenswerterweise wehte der Wind mit etwa 2 Windstärken genau von der Seite. Es ist mir nicht gelungen, die 3 m breite Lücke zwischen den Booten zu treffen!
Insofern glaube ich Dir sofort, daß sich das Boot vor Anker ohne Kiel bei Gewitter benimmt wie ein Wildpferd.

Gruß

Ollie

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

05.09.2014 16:58
#3 RE: Ankern mit der Jantar Zitat · Antworten

Zitat von ollie im Beitrag #2
..
Insofern glaube ich Dir sofort, daß sich das Boot vor Anker ohne Kiel bei Gewitter benimmt wie ein Wildpferd.

Gruß Ollie



Hallo Ollie, vor allem wie ein Wildpferd, was sich mal eben auf die Seite wirft, dass man denkt, gleich landet man im Teich.
Theoretisch hätte es mir klar sein können, wie es sich praktisch anfühlt, wenn der Schwerpunkt weit oben ist, ist dann nochmal eine andere Geschichte. Wieder was gelernt.

Den Kiel ziehe ich hoch, weil mir zum einen das Kielklappern in der Nacht auf den Geist geht und weil sich bei Flaute gerne die Ankerleine ums Kiel wickelt. Wenn dann Wind aufkommt, hätte ich schon ganz gerne, dass der Anker an der Bugklampe zerrt und nicht am Kiel.
Im Stand nehme ich den Kiel hoch, weil alles, was nicht im Wasser ist, kein Moos ansetzt. Da hatte ich auch noch nie Probleme.

Kielabsicherung - eigentlich dürfte der Kiel bei einer 90-120 Grad- Kenterung nicht in den Kasten rutschen. Zu viel Reibung. Falls das Boot aber durchkentert, gibt es kein halten mehr und man hätte auch keine Chance mehr, das Boot mithilfe der Mannschaft wieder aufzurichten. Ein reingerutschter Kiel dürfte zu einer ziemlich stabilen Schwimmlage führen, nur halt kopfüber. Man könnte es sich in der Kajüte gemütlich machen, bis man alles an Sauerstoff weggeatmet hat und dann sanft einschlafen. Das ist jedenfalls ein wahrscheinlicherer Ausgang einer Durchkenterung, als dass man sich auf dem sauglatten Unterwasserschiff festhalten kann oder dass irgend jemand das dunkle und in den Wellen sicher überspülte Buckelchen sieht. So könnte man ein letztes Mal den sich entfernenden Positionslichtern des Rettungskreuzers hinterherwinken und darüber nachdenken, weshalb man die 3,50 Euro ein Kantholz als Absicherung zwischen Mast und Kiel nicht übrig hatte.
Also danke für den Hinweis.


Zum Slippen
Ich habe nicht genau verstanden, weshalb du mit dem Motor auf den Trailer fahren wolltest. Das hat der Hafenwart vielleicht auch nicht verstanden. Es gibt ja auch Slipbahnen, die sind nur 3,50 m breit und haben links und rechts Spundwände. In so einem Fall würde man das Boot an seiner dicksten Stelle mit längs aufgehangenen Fendern abpuffern und vorsichtig am langen Seil durch die Begrenzung aus Spundwänden und anderen Booten ziehen.
Das geht auch bei Wind von der Seite. Unter Wassersportlern ist es erlaubt, dass sich abgefenderet Boote berühren und auch, mit vernünftigen Bordschuhen ein anderes Boot zu betreten, wenn man anders nicht von Bord kommt oder solche Manöver das einfach erfordern.
Wenn du im Wasser am Trailer stehst, hast du die Kontrolle übers Boot, den Trailer und das ganze Manöver. Wenn du selbst auf dem Boot sitzt, kannst du garnichts machen und da sich die Jantar schnell zur Seite neigt, wird sie garantiert schief auf den Pratzen landen.

VG Eric

ollie Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 40

07.09.2014 09:55
#4 RE: Ankern mit der Jantar Zitat · Antworten

[/qoute]
Zum Slippen
Ich habe nicht genau verstanden, weshalb du mit dem Motor auf den Trailer fahren wolltest. Das hat der Hafenwart vielleicht auch nicht verstanden. Es gibt ja auch Slipbahnen, die sind nur 3,50 m breit und haben links und rechts Spundwände. In so einem Fall würde man das Boot an seiner dicksten Stelle mit längs aufgehangenen Fendern abpuffern und vorsichtig am langen Seil durch die Begrenzung aus Spundwänden und anderen Booten ziehen.
Das geht auch bei Wind von der Seite. Unter Wassersportlern ist es erlaubt, dass sich abgefenderet Boote berühren und auch, mit vernünftigen Bordschuhen ein anderes Boot zu betreten, wenn man anders nicht von Bord kommt oder solche Manöver das einfach erfordern.
Wenn du im Wasser am Trailer stehst, hast du die Kontrolle übers Boot, den Trailer und das ganze Manöver. Wenn du selbst auf dem Boot sitzt, kannst du garnichts machen und da sich die Jantar schnell zur Seite neigt, wird sie garantiert schief auf den Pratzen landen.

VG Eric


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Hallo Eric,
natürlich wollte ich nicht mit dem Motor auf den Trailer fahren, sondern das Manöver genauso durchführen, wie Du es beschreibst. Leider lagen rechtsund links der Slipbahn die Boote, bei denen sich der Hafenmeister weigerte, sie um einige Meter zu verholen. betreten der Boote ging auch nicht, da vollständig mit Persenning abgespannt. Daher am Ende das Chaosmanöver, mangels anderer Möglichkeiten.

Gruß
Ollie

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

08.09.2014 10:20
#5 RE: Ankern mit der Jantar Zitat · Antworten

Hallo Ollie,

jo, manchmal hilft es, solche "Meister ihres Fachs" um "Rat" zu fragen. Die Meister ihres Fachs erkennst du sehr leicht an der Standardattitüde, laute Stimme, verschränkte Arme und dem Blick, der besagt, dass alle anderen ohnehin Idioten sind und diese Hobbysegler sowieso.
Wenn du dich zu dem stellst und sagst, hmm, sieht ja echt schwierig aus, wie würden Sie denn das machen? - dann öffnet der möglicherweise sein Herz aus Stein und hat die richtige Idee. Man kann auch andere Menschen mit ganz konkreten Aufgaben einbeziehen, aber es fällt vielen schwer, einfach mal um Hilfe zu bitten. Das würde ich nach Möglichkeit zuerst probieren, denn die Idee, selbst per Motorkraft auf den Trailer zu rutschen, scheint mir eher suboptimal.

Ansonsten gilt - du bist der Skipper, du sagst, wie es gemacht wird.
Aber nicht übertreiben, denn es gilt auch - er ist der Hafenmeister und wenn der auf bockig schaltet, musst du in einen anderen Hafen und auf dem Weg dahin, ruft er da schon mal an. Das macht es nicht besser.

Wenn ich deine Beschreibung richtig verstanden habe, hast du aber doch mit dem Boot durch die anderen Boote durchgepasst und das Boot bleibt ja gleich breit, ob du motorst oder an einer lange Leine ziehst und ja, es ist erlaubt, eine Persenning auch mal ein Stück abzumachen, wenn es nicht anders geht und wenn man sie hinterher wieder ordentlich draufmacht. In der Regel sind Wassersportler einfach Wassersportler, die verstehen, dass da einer mal ein Problem hat und helfen sich gegenseitig. Das soll man ruhig ungehemmt praktizieren, sonst geht das eines Tages im Eigner-Standesdünkel verloren.
Aber das ist ein Geben und Nehmen, man muss auch selbst nett sein, fragen, statt zu fordern. Gezielte Fragen führen weiter, eben nicht, kannste mir mal helfen, sondern hier ist der Fender, könnten Sie den bitte mal zwischen die Boote halten oder hier ist die Bugleine, wenn ich sage ziehen, würden Sie die dann bitte einfach ziehen, bis ich halt sage? Danke sehr. So kann man auch Zuschauer einbinden.

Wenn ich in einen Hafen fahre und nur noch im Päckchen liegen kann, frage ich nicht, ob das geht (geht dann in der Regel nicht) sondern ich drehe eine Ehrenrunde, bereite den Kahn mit Fendern auf das Anlegen vor und frage dann konkret, ob mir jemand auf dem 3m höheren Freibord die Leinen abnehmen könnte, damit es keine Kratzer gibt. Das ist eine Schlüsselformulierung, die suggeriert, man gibt sich Mühe, aber wenn jetzt keiner mitmacht, gehts wahrscheinlich schief.
Das führt in der Regel dazu, dass da auf dem edelschlitten, den man sich als Zuspätkommender zum Anlegen ausgesucht hat, gleich mal 5 Mann das Proseccoglas aus der Hand stellen und aufspringen und ihrerseits die Fender rauswuppen, statt einfach nur wegzusehen.

Natürlich kenne ich deine Slipsituation nicht, aber wenn es erforderlich ist, dass du am Trailer stehst, dann wird das so passieren. Du bist der Skip, du hast die Verantwortung. Es gibt nämlich auch ein Ende der Nettikette und das endet genau da, wo man das eigene Boot gefährdet, nur weil sich ein anderer blöd anstellt.

Bei meinem letzten Slipmanöver war meine sonst unerschöpfliche Nettikette schlagartig verbraucht, als mir ein Schlauberger lautstark erklärt hat, dass ich zu lange brauche und alle anderen aufhalte. Übersehen hatte er, dass ich eine Stunde lang vor der Slipbahn lag, weil die noch durch einen Sperrbügel verschlossen war und der Hafenmeister erst wieder aus seinem wohlverdienten Feierabend anreisen musste. Das hat dem auch nicht so gefallen, aber da ich total nett war am Telefon, hat er das dann doch gemacht.
Ich musste erst den Trailer versenken, dann den Kahn zwischen zwei superengen Spundwänden einschwimmen (fast wie bei dir), ihn gerade auf die Pratzen bringen, dann Stützrad wieder hoch, Abschleppseil ran und raus mit der Fuhre, mitlaufen und mitlenken, der Punkt zwischen Seilspannen, anfahren und Trailerbremse lösen ist ja ein bisschen tricky. Das hat trotzdem keine viertel Stunde gedauert.

Die Nervensäge hinter mir hat dann als "Vergleichsboot" einen übermotorisierten Angelkahn auf den Sliptrailer gekurbelt. Aber auch dafür hat er gut 10 min gebraucht. Ich habe das zuerst durchgewunken, soll der doch quatschen, wenn der Tag lang ist. Das sind diese Vollpfosten, die sich jetzt da oben an der See breit machen und mit 200 PS an ihrer Gummilutsche einen auf der "Alte Mann und das Meer" machen, aber zu blöde sind, selbst zu angeln und sich Fishscouts buchen müssen, aber hallo. Bürohengste in Flecktarnuniform, da krieg ich so schon zuviel.
Als er dann noch was zu meiner Lieblingsvorschoterin sagen wollte, war bei mir das Ende des täglichen Quantums an Höflichkeiten erreicht. Auch unter Wassersportlern ist mal Schluss mit lustig.
Man muss auch mal laut, obwohl man mit nett in der Regel weiter kommt.

VG Eric

PanTau Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 80

10.09.2014 13:29
#6 RE: Ankern mit der Jantar - rauhe Reviere Zitat · Antworten

An dieser Stelle startete eine Diskussion über mögliche Risiken eines zu großen Außenborders für die Jantar.

Da es sich hierbei um eine spannende Frage handelt, die jedoch nicht mehr zum Thema "Ankern mit der Jantar" passt, habe ich mir erlaubt, ein neues Thema hierzu aufzumachen und die Beiträge nach dort zu verschieben: RE:Ist ein Honda 9.9 PS Motor zu groß für die Jantar?

Beste Grüße

Bernhard
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