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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 610 mal aufgerufen
 Tipps und Technik
Kirax Offline

Aktives Mitglied

Beiträge: 4

27.05.2014 22:14
Hilfe: Kielfall gerissen Zitat · Antworten

Dringend brauche ich Tipps wegen einer gerissen Aufhohlvorrichtung des Hubkiels. Das Stahlseil hat sich vom Gußkiel gelöst und der Kiel ist komplett runter gerauscht.
Jantar 21 vermutlich Baujahr 89.
Das Stahlseil ist weiter intakt weshalb ich davon ausgehen, dass unten eine Umlenkrolle bzw. deren Halterung gerissen. Das Boot liegt am Liegeplatz und Kiel steckt im Schlamm fest.
Hat irgendjemand bereits ähnliches Problem gehabt und Lösungsvorschläge?

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 744

27.05.2014 23:14
#2 RE: Hilfe: Kielfall gerissen Zitat · Antworten

Erste Hilfe...

suche dir einen wirklich stabilen Haken und nutze die Großschottalje.
Als Haken kommt ein kräftiger Karabiner infrage, kein Bergsteigerspielzeug, das Ding wiegt 230 kg.
Über den Kielkasten stellst du einen Bock und da laschst du die Großschottalje mit ordentlichen Gurtbändern an. Ans andere Ende kommt der Karabiner.
Nimm auf keinen Fall den kleinen Schnappi, der an der Großschot dran ist. der ist definitiv zu schwach.
Ziel der Übung ist es, den Kiel soweit hoch zu bekommen, dass du sehen kannst, was los ist. das ist eine Handbreit, dann kommt er schon aus dem Wasser.

Plan B ist eigentlich einfacher, falls du ein altes Drahtfall mit einer Kausche auftreiben kannst. Dann lass den Kiel erstmal da unten und fummel dir mit einem langen Stock ein Seilchen oder Draht unter dem Lastbolzen des Kieles durch, tape das Drahtlastseil dran und ziehe es hinterher. Bei einer Not-OP ist es egal, ob das Drahtseil sauber über die Rolle läuft oder nur unterm Lastbolzen durch.
Das Ende mit der Kausch kommt an den bisherigen Aufnahmebügel hinterm Wellrad. Dann musst du nur noch das Wellrad aufhaspeln, also das gesamte Zugseil auf die Trommel und das Drahtseil wieder in die Öffnung der kleinen Trommel stecken, Knoten rein, fertig.
Das Wellrad ist immerhin eine 1:10 Kraftmaschine, die Talje nur 1:4.

Das sind beides Beschreibungen, die erprobt sind und falls der Lastbolzen noch intakt ist, was in der Regel der Fall ist.

Falls nicht, wird es komplizierter, denn dann gibt es nur noch die Führung als Lastanschlagpunkt und da ein Drahtseil oder Dyneema in die Öffnung zu fummeln, ist echt tricky.

Solltest du einen Kran in der Nähe haben, würde ich mich dahinschleppen lassen, den Kahn in die Gurte und gefühlvoll au dem Kiel absetzen. Der Kran muss dabei auf Anweisung mitdrehen, denn der Jantarkiel ist ja schräg im schrägen Kasten.

Wenn richtig was kaputt ist und das teil zum Blechschmied muss, musst du den Kiel anhängen - Kettenzug oder Kran, Mastspur und Wellrad ausbauen und den Kiel nach oben rausziehen.

Aber schau erstmal, was wirklich kaputt ist.

Viel Erfolg

VG Eric

p.s.

Schau mal die Beiträge der FSA, die haben hier auch Bilder vom Kielausbau eingestellt, da kannst du sehen, wie das aussieht. Die haben damit Erfahrung.
Mit 230 kg in luftiger Höhe herumzuhantieren ist nicht jedermanns Sache. Immer nochmal kurz überlegen, bevor man die Finger irgendwo dazwischenklemmt. Wenn dir der Kiel abgerauscht ist, könnte es auch einen ernsthaften Schaden am Kielkranz geben, dort ist die Jantar ja ausgeschäumt und da darf kein Wasser rein. Das Problem ist, dass es einen Riss geben kann, den du nur siehst, wenn der Kiel nochmal runterrauscht, also bei dynamischem Lasteintrag und dass bei statischenm Lasteintrag - Kiel hängt auf dem Kranz, nicht zu sehen ist, ob es einen Riss gibt. Wasser würde aber trotzdem eindringen und den Schaum nass machen. Das wäre dann eine perfekte Basis für Frostschäden und Osmose.

Diese Reparatur ist dann definitiv etwas für die Spezialisten.
Um einen Kran kommst du nicht herum.
Die erste Hilfe schaffst du aber mit Bordmitteln und Geduld und Fummelei.

Berichte mal.

hgebauer Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 187

09.06.2014 23:25
#3 RE: Hilfe: Kielfall gerissen Zitat · Antworten

Hallo Krax.
Um da raten zu können braucht es ein paar nähere Angaben zu: "Das Stahlseil hat sich vom Gußkiel gelöst".
Also, wenn Du den Draht hoch ziehst, was hängt da dran? Nur die Rolle? Die Rolle mit Achse? Oder Rolle, Achse und Achsenlager? Oder etwa gar nichts?
Der Aufbau der "Kraftseite" der "Kielfall-Mimik" ist wie folgt: Auf dem Kieloberteil (Stahlkonstruktion, verzinkt) sind zwei Laschen mit Bohrung (15 mm) aufgeschweißt.In der Bohrung ist eine Achse gelagert auf der die Umlenkrolle für das Drahtfall läuft. Das Drahtfall ist mit dem einen Ende an einem bügelförmigen Beschlag im Kielkasten befestigt und mit dem anderen auf die kleine Achse der Fall-Trommel gewickelt.
Falls das Problem inzwischen gelöst ist, berichte bitte, was es war.
Beste Grüße
Helmut

Kirax Offline

Aktives Mitglied

Beiträge: 4

10.06.2014 07:37
#4 RE: Hilfe: Kielfall gerissen Zitat · Antworten

Danke für die Tipps. Letztendlich musste ich doch zum Kran und den Kiel dort ziehen lassen.
Das Stahlseil ist aus der Umlenkrolle gesprungen. Bei meiner Jantar wurde hier vor Jahren bereits wohl nach einer Grundberührung kräftig gebastelt. Die beschriebene Umlenkrolle ist an der Steuerbordseite des Kiels festgebolzt. Das Stahlfall ist normalerweise mit einem Bügel in dieser Umlenkrolle fixiert. Dieser Sicherungsbügel hat sich verabschiedet. Es war auch nicht mehr möglich ein Stahlfall provisorisch am Bolzen bzw. in der Umlenkrolle zu befestigen.

Leider ist der Gußkiel nicht mehr im besten Zustand. Die Werft vor Ort meint, dass der noch max 2 Saisons hält. Wie schon erwähnt hatte er wohl mal eine Grundberührung und entsprechend ist eine "Gussnaht"/ Schweißnaht (?!) gerissen zudem hat er bereits kleiner Löcher. Innen ist er nach Auskunft der Werft mit Beton ausgegossen.
Kennst sich Jemand mit Kielsanierung aus?
Gibts für die Jantar 21 noch Ersatzkiele? Hat jemand vielleicht noch einen alten Kiel zu verkaufen?


Gruss

Kirax

eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 744

10.06.2014 10:57
#5 RE: Hilfe: Kielfall gerissen Zitat · Antworten

Zitat von Kirax im Beitrag #4
Danke für die Tipps. Letztendlich musste ich doch zum Kran und den Kiel dort ziehen lassen.



OK, das ist per Ferndiagnose immer schwierig. Woran hat denn der Kranführer seinen Haken befestigt und warum konnte der den Kiel rausheben und du nicht?
Gusskiel heisst gegossen. Ein Stück, wie ein Findling, nur eben aus Metall.
Deine Beschreibung hört sich eher an wie geschweisstes Blech und mit irgendwas Schwerem gefüllt, bevorzugt mit kaltem Bleischrot, da man ja auf ca 230 kg Gesamtgewicht kommen will und ich glaube nicht, dass eine zarte Stahlblechhülle das verzeiht, wenn man da einfach geschmolzenes Blei reingießt.

Die beschriebene Umlenkrolle ist an der Steuerbordseite des Kiels festgebolzt.

Das ist so, weil die komplette Höhe ausgenutzt werden muss. Die Umlenkrolle wird dabei bis unter den Lastteil des Wellrades gezogen, also unter die kleinere Trommelseite und neben die große Trommelseite.

Das Stahlfall ist normalerweise mit einem Bügel in dieser Umlenkrolle fixiert. Dieser Sicherungsbügel hat sich verabschiedet.

Weiss nicht, bei mir ist auch kein Sicherungsbügel. Bei 230 kg Zug hat der Draht eigentlich keine Chance, da rauszuhüpfen, es sei denn, das mal Lose auf die Rolle kommt. Also wenn der Kiel unten ist und du oben das Zugseil loslässt. Sonst eher nicht.

Aber wie gesagt, wenn das nur runtergesprungen ist, ist die Lösung da mit einem Stöckchen und Draht einen Zugfaden durchzufummeln, Dyneema oder Draht festtapen, durchziehen und ins Wellrad knoten, Kiel hoch, entlasten, Draht reinstecken. Ich weiss nicht, was bei euch eine Kranstunde kostet und Kiel ausbauen, aber bei uns kann man da stundenlang probieren, ohne sich auch nur einem Bruchteil der Werftkosten zu nähern.


Es war auch nicht mehr möglich ein Stahlfall provisorisch am Bolzen bzw. in der Umlenkrolle zu befestigen.

Nein, das ist natürlich nicht möglich. Niemand kann in 1,20m Tiefe in einem dünnen Kielschacht irgendwas provisorisch befestigen.
Aber ich glaube, das stand so auch nicht in meinem Erste Hilfe-Tip. Aber das macht auch nichts, jetzt weisst du, wie das Ding aussieht und was du machen musst, wenn dir das unterwegs mal passiert. Da das Drahtseil bei der Jantar auf übelste Weise gequetscht und mit Überläufern malträtiert wird, ist es wahrscheinlich auch nicht das Letzte mal.

Leider ist der Gußkiel nicht mehr im besten Zustand. Die Werft vor Ort meint, dass der noch max 2 Saisons hält.

Wie die sowas immer herausfinden... Mein Reifenfritze meckert schon seit vielen Jahren über meine "Winterräder". Maaaaximal noch eine Saison. Gut, dass der nicht meine eigene Lebenserwartung schätzt. Da wäre ich dauernd in Panik.

Was aber nicht schlecht wäre, wenn du hier mal das eine oder andere von den vielen Fotos einstellst, die du sicher beim Ausbau gemacht hast. Vielleicht verstehen wir dann besser, weshalb dein Gusskiel Schweißnähte hat und warum die aufgehen und wie die den Beton in den Gusskiel reinbekommen haben und ob Blei grad alle war oder wie man mit dem spezifischen Gewicht von Beton von 2,2 - 2,5 t/m3 auch nur annähernd die erforderlichen 230 kg eines Jantarkiels erreichen soll.

Bei den dünnen Edelstahlkielen muss der Stahlbauer deines Vertrauens richtig, richtig was drauf haben und dann bleibt bei einer Bleifüllung mit Sicherheit ein Restrisko. Bevor der auch nur einen cm Schweißnaht gesetzt hat, kocht die Bleifüllung an dieser Stelle und dürfte den entsprechenden Innendruck aufbauen. Hier würde es mich echt interessieren, wie das die Profis machen, ohne dass es reisst oder Blechbeulen gibt.

Guss Schweißen kann auch nicht jeder, aber einen Stahlblechkiel mit Betonfüllung mal eben ein Stück rausflexen, ein Ersatzstück walzen, bis es passt und reinbraten, das sollte in jeder Karosseriebude möglich sein. Nix, was man zum Werftpreis machen lassen muss. Die Jungs von der Werft sind in der Regel echte Könner. Ob die zufällig noch in irgend einer Schublade Ersatzkiele herumzuliegen haben, wage ich zu bezweifeln. Aber nach Vorlage ein neues Edelstahl-Unterwasserteil zu bauen, das sollte möglich sein.

VG Eric

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