Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Seglerforum von www.Jantar21.de

 

Seglerforum von www.jantar21.de

Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 0 Antworten
und wurde 250 mal aufgerufen
 Sonstiges
eric Offline

Erfahrenes Mitglied

Beiträge: 743

12.06.2018 20:17
Nachtfahrten Zitat · Antworten

Da titelte eine der bunten Segelgazetten, dass bis zu 95 Prozent der Segler schon mal eine Nachtfahrt gemacht haben und schon regt sich Volkes Stimme.
Ab und an ist die ja ganz unterhaltsam.


Im betreffenden Heft steht, dass 95% aller ...leser zumindest gelegentlich Nachtfahrten machen ... einfach lächerlich!

Ich möchte mal behaupten, dass noch nicht einmal 95% der ...leser überhaupt regelmäßig segeln, geschweige denn nachts.



Die in der Hochglanz-Zeitschrift zusammengetragenen Hinweise und Tipps wurden in der Diskussion mutig ergänzt und da muss ich mal sagen, einiges davon wusste ich sooo jetzt auch noch nicht:

...Außerdem nicht zu vergessen: Strecktaue spannen, Schwimmwesten anlegen und aufblasen, Lifebelt an und unter Deck tragen, Suppe vorkochen, Signalraketen und Trinkwassertabletten ausgeben, bei DP07 in der Konferenz lautstark den geplanten Törnverlauf bekannt geben.

Man kann sich auch zu Tode checklisten...



Auf oft unbekannte Besonderheiten einer Nachtfahrt machte ein anderer Sportfreund aufmerksam:

Das grosse Problem bei Nachtfahrt, das man sich nicht immer bewusst macht ist die meist unerwartet eintretrende nächtliche Dunkelheit.

Da ist gewissenhafte Vorbereitung unerlässlich. Man sollte sich unbedingt solange es hell ist die Lage der Lichtschalter einprägen, die Sonnenbrille abnehmen und Essen vorkochen. Wasser kocht im Dunkeln nur schwer weil soviel Energie für die Verdrängung der den Kochtopf umbebenden Dunkelheit verbraucht wird. Auch ist es ratsam die Hände zu waschen solange es hell ist, im Dunkeln (speziell wenn man die Hand vor Augen nicht sieht) sind saubere Hände leichter wiederzufinden, notfalls geht man nach dem Seifengeruch.

Schwarzer Kaffee ist nachts ganz schlecht, der verschärft die Dunkelheit zusätzlich, lieber ein Glas Milch. Auch die Koje sollte man bei Helligkeit vorbereiten, schon manch einer ist erstickt weil er im Dunkeln verkehrtrum in seinen Schlafsack gekrochen ist (von der olfaktorischen Herausforderung nicht zu reden).
Es ist auch nicht verkehrt, speziell wenn man keine Arbeitsleuchten an Deck hat, sich solange es hell ist die Lage von Bug und Heck genau einzuprägen, sonst kann es passieren dass man nachts statt der Genua den Besan refft.

Bei größerer Crew sollte man Nachtfahrten ruhig am Tag üben. Dazu werden einem Teil der Crew die Augen verbunden, die dann Komandos wie "Genua bergen" ausführen muss, unterstützt von Hinweisen ("wärmer, wärmer, kälter, gaanz kalt") des sehenden Teils der Crew.

Und ruhig mal auf das Bauchgefühl verlassen - der Blinddarm ist nachts ein verlässlicher Berater.
Habe ich was vergessen?


Nö, alles gesagt.

Was gibt es schöneres als ein Schiff alleine mit schlafender Crew durch die Nacht zu segeln. Endlich Ruhe!

Das ist doch mal ein Argument.

Ich selbst kenne Nachtfahrten jetzt "nur" von einigen Teilnahmen an einer unserer beiden Grossversanstaltungen in der dicken Stadt, also nur binnen, dafür aber im Regattamodus. Auch mit einer Jantar, einmal sogar die ganze Nacht durchgesgelt, später mit Wachwechsel, wobei man vergessen kann, dass man bei Hack in der Welle im Vorschiff einer Jantar ein Auge zukriegt.

Aber so ein Rennen durch die Nacht schafft Naturerlebnisse, wie man sie sonst nicht wahrnehmen kann.
Aber auch die Vorfahrtsregeln nur aus den Positionslichtern zu interpretieren, ist echt faszinierend. Zumal ja auf einigen Booten die Meinung herrscht, dass nachts nur Größe und Geschwindigkeit der Yacht bestimmen, wer Vorfahrt hat.
Ist nicht so, ist nur nicht so bekannt.

An Nachtfahrten in Seegebieten traue ich mich (noch) nicht ran. Teilnachtfahrten vielleicht.

So sind wir mal mit gelegtem Mast durch die Ziegelgrabenbrücke gerutscht, weil der überkorrekte Brückenknilch nicht mal eine Minute auf den kleinen Zuspätkommer warten konnte, der da mit seinem Verbrennungsmotor. unter Vollzeug und Vollgas auf die sich langsam wieder abklappende Klappbrücke zugerast kam.
Eigentlich wollten wir in Stralsund in den Stadthafen, aber wenn ich Dornbusch Feuer blinken sehe, ist das für mich wie gerufen werden.

Also Mast wieder hingestellt, Ölzeug bereitgelegt, ein Blick in die Karte, die Kennung der Leuchtonnen... nein, nicht notiert, nur geguckt.
Das ist da betonnt, wie auf der Autobahn.
Nun noch die Lieblingsvorschoterin überzeugt, dass das toll wird und das auch der Wind gut passt, Spritstand gecheckt, zwei Müsliriegel in die Tasche gesteckt und los.

Die anschliessende Spätabend-Überfahrt nach Hiddensee zählt durchaus in die Kategorie "mein schönstes Ferienerlebnis"

Mit von der untergehenden Sonne leuchtend orange angeflammten Segeln, vollkommen alleine, (um Liegeplatzkomfort besorgte Segler strömen ja spätestens 14 Uhr in die Häfen) sich in einer kräftigen Spätabendbrise der Lieblingsinsel zu nähern, das hat was.

Und 23.00 Uhr ist es ja da immer noch nicht richtig dunkel. Hafen war rappelvoll, aber fürs Jantarchen findet sich immer noch eine Lücke.
Wir waren sogar nochmal am Strand.



Würde mich freuen, wenn hier der eine oder andere Jantarianer von seinen Nachtfahrterlebnissen berichtet, was er dazugelernt hat, was er heute anders machen würde, sowas halt.

VG Eric

Gaskocher »»
 Sprung  
Diskussionsforum von www.Jantar21.de

 

Weitere Informationen über die Jantar 21 findest Du unter www.jantar21.de

Xobor Forum Software von Xobor.de
Einfach ein Forum erstellen
Datenschutz